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Im Dannenröder Forst

Aktivisten schießen im Dannenröder Forst mit Farbpatronen auf Bruchsaler Polizisten

Die Einsätze dauern lang, es ist kalt im hessischen Wald, und die Umweltschutzaktivisten haben sich im Dannenröder Forst in den Bäumen regelrecht verschanzt. Die Bruchsaler Bereitschaftspolizei zieht nach einer Woche Bilanz: Der Beschuss mit Farbmunition verlief glimpflich.

Verfahren: Dieser Schwertransporter ist einfach dem Polizeitross in den Dannenröder Forst gefolgt. Offenbar dachte der Fahrer, die Polizisten seien für ihn abgestellt. Geladen hatte er einen Mähdrescher. Foto: Michael Wernthaler

Unter „Beschuss“ gerieten die Bruchsaler Bereitschaftspolizisten jetzt bei ihrem Einsatz im Dannenröder Forst in Hessen. Aktivisten hätten auf die Beamten mit sogenannter Gotcha-Munition, also mit Farbmunition, gezielt. Die Unbekannten konnten unerkannt entkommen.

Verletzt wurde aber niemand, wie Michael Wernthaler, stellvertretender Chef der Bruchsaler Bereitschaftspolizei berichtet. Der Einsatz sei fordernd, lang und kalt, bisher verlief aber aus Bruchsaler Sicht alles glimpflich. Seit Dienstag unterstützen die Beamten erneut ihre Kollegen in Hessen, die den dortigen Wald für den Bau eines Autobahnabschnittes räumen müssen.

Katz- und Mausspiel

Die Bruchsaler halfen dabei, ein Logistikzentrum aus Containern und Zäunen für die Befehlsstelle zu errichten. Die hessische Polizei geht von einem langen Prozess aus, bis alle Baumhäuser und Blockaden entfernt sind. Der Widerstand hielt sich aus Sicht der Polizei bislang in Grenzen. Die Auseinandersetzung entwickelt sich aber zu einer Art Katz- und Mausspiel. Die Polizei räumt an einer Stelle die Baumhäuser, und andernorts entstehen neue Bauwerke.

Die Bruchsaler sichern die Kletterexperten vom Boden aus, helfen etwa bei der Identitätsfeststellung der Aktivisten oder lösen Blockaden auf. Die befürchteten Ekel-Attacken sind ebenfalls nicht ausgeblieben. So zielten Aktivisten mit einem Eimer Fäkalien von oben auf die Beamten, getroffen wurde aber nur ein Hubwagen. Hier kam der Bruchsaler Wasserwerfer zum Einsatz, wie Wernthaler schildert. Auch Corona belastet den Einsatz, mehrere Beamte, die entweder positiv getestet wurden oder als Kontaktpersonen gelten, mussten bereits nach Hause geschickt werden. Am Donnerstag sei es zu mehreren Versuchen von Aktivisten gekommen, die Polizeikette zu durchbrechen. Dabei habe man bei einer Person Stahlkugeln gefunden, Munition für Zwillen, die bereits zuvor zum Einsatz kamen, als ein Polizeiwagen beschossen wurde.

Verirrter Schwerlasttransporter folgt der Polizei in den Wald

Wernthaler berichtet auch von einer Kuriosität: Polizisten begleiteten als Lotsen und als Schutztruppe die anrückenden Baumaschinen, die den Wald später räumen sollen, als sich dem Tross in der Dunkelheit ein unbekannter Schwerlasttransporter anschloss. „Der hat sich einfach hinten drangehängt und ist mit uns in den Wald gefahren“, berichtet Wernthaler.

Erst auf einem Feldweg ist dem polnischen Fahrer der Irrtum aufgefallen. Offenbar dachte er, die Polizei sei seine Begleiteskorte. „Der hatte keinen Harvester geladen, auch keine Baumfällmaschinen, sondern einen original John-Deere-Mähdrescher, vermutlich aus Bruchsaler Produktion“, berichtet Wernthaler schmunzelnd. Man habe dem Mann dann aus seiner Misere geholfen und ihn zurück auf die Straße geleitet.

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