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Wasserwerfer fahren mit

Bereitschaftspolizisten aus Bruchsal sind in ganz Deutschland gefragt

Im Dannenröder Forst könnte sich die Auseinandersetzung zwischen Umweltschutzaktivisten und Polizei zuspitzen. Mitten drin: die Bereitschaftspolizei Bruchsal. Dort rechnet man mit „militanter Gegenwehr“, mit Kotbeutel-Würfen und vergorener Milch.

Eine Trutzburg aus Hochsitzen und Holz: Die Umweltaktivisten im Dannenröder Forst in Hessen verteidigen mit allen Mitteln den Wald. Die Bruchsaler Bereitschaftspolizei wird die hessischen Kollegen erneut beim Räumen des Waldes unterstützen. Foto: Andreas Arnold picture alliance/dpa

Vergorene Milch, Kotbeutel, Urinbeutel und heftige Gegenwehr – die Bruchsaler Bereitschaftspolizei rechnet mit dem Schlimmsten, wenn sie ab diesem Dienstag wieder die hessischen Kollegen im Dannenröder Forst in Hessen unterstützen wird. „Wir gehen von militanten Auseinandersetzungen aus“, prophezeit zumindest Michael Wernthaler. Gut 400 Beamte aus Baden-Württemberg rücken an, eine Hundertschaft und etwa 20 Führungskräfte kommen vom Standort Bruchsal. „Wir stellen Gefangenentransportwagen und taktische Lautsprecheranlagen, wir sind mit Beweis- und Festnahme-Einheiten dort.“ Auch die baden-württembergische Wasserwerferstaffel, die in Bruchsal stationiert ist, fährt Richtung Hessen. Das ganz große Besteck also.

„Wir haben Erkenntnisse, dass die Auseinandersetzungen im Dannenröder Forst die nächsten Wochen nochmal heftiger werden können“, erklärt Wernthaler. So hätten sich einige Baumschützer mit Kotbeuteln bewaffnet oder drohten damit, die Polizei mit vergorener Milch zu überschütten.

Wernthalers Leute waren in den vergangenen Wochen bereits mehrfach zur Unterstützung vor Ort. In Hessen kämpfen Umweltschützer gegen einen Lückenschluss der Autobahn 49 zwischen Kassel und Gießen. Für ihn soll Wald gerodet werden. Hunderte Aktivisten und die Polizei liefern sich seit Wochen kleinere und größere Scharmützel. „Der Herrenwald, den wir bisher abgesichert haben, ist jetzt gerodet. Nun geht es in den Dannenröder Forst. Dort rechnen wir mit ganz anderen Herausforderungen“, erklärt Wernthaler. Die Barrikaden seien dort viel massiver, die Baumhäuser zum Teil mehrstöckig, eingerichtet mit Küche und Solaranlage. Hinzu kommen Aktivisten, die sich in Höhlen in der Erde vergraben und an Betonrohre anketten, um Zufahrtswege zu blockieren. „Das ist extrem gefährlich“, weiß Wernthaler von ähnlichen Einsätzen im Braunkohletagebau im Hambacher Forst.

Spezialkräfte holen Aktivisten aus den Baumhäusern

Auch dort hatten sich Umweltaktivisten in Baumhäusern verschanzt und die Polizei über Wochen auf Trab gehalten. Spezialkräfte der Polizei müssen die Aktivisten aus schwindelnder Höhe holen oder aus den Höhlen ausgraben – die Bruchsaler Bepo sichert die Kollegen vom Boden aus.

Zuletzt hatten Aktivisten über einer Bundesstraße in etwa 15 Metern Höhe ein Stahlseil gespannt, was die Polizei vor große Probleme stellte. „Die Aktivisten sind europaweit aktiv. Wir rechnen mit Teilnehmern auch aus Spanien oder Italien“, so Michael Wernthaler, der stellvertretende Chef der Bruchsaler Bereitschaftspolizei, der selbst mit vor Ort sein wird. Ebenso wie Volker Weinstock, der Leiter der Bruchsaler Bereitschaftspolizeidirektion. Und Corona? „Klar, das ist ein großes Thema.“ Gruppen und Einsatzzüge dürfen sich nicht überschneiden, die Polizistinnen und Polizisten sind in Einzelzimmern untergebracht, die Hessen stehen mit Schnelltests parat, sollte es in den Reihen der Einsatzkräfte Verdachtsfälle geben.

04.11.2020, Hessen, Biblis: Polizisten mit Mund-Nasen-Bedeckung stehen vor den sechs Castor-Behältern, die mit einem Spezialzug im Bahnhof von Biblis eingetroffen sind. Der Transport des hochradioaktiven Abfalls wurde von einem massiven Polizeiaufgebot abgesichert. Foto: Boris Roessler/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ | Verwendung weltweit Foto: Boris Roessler picture alliance/dpa

130 Beamte begleiteten Castortransport nach Biblis

Die Bruchsaler Bereitschaftspolizei kommt also derzeit kaum zum Durchschnaufen. Und das, obwohl wegen Corona ja viele Großveranstaltungen ausfallen. Keine Fußballspiele mit Fans, kaum Demonstrationen. „Die aktuellen Großlagen beschäftigen uns dafür sehr“, erklärt Wernthaler. Am Wochenende waren die badischen Polizisten bei einer AfD-Kundgebung zur Oberbürgermeisterwahl in der Landeshauptstadt gefordert.

Erst vergangene Woche kehrten 130 Beamte aus dem Norden zurück. Dort hatten sie den Castortransport ins hessische Zwischenlager Biblis begleitet. Gerechnet wurde mit erheblichem Widerstand, de facto blieb es aber ruhig. Eine kleine Blockade konnte die Polizei recht schnell auflösen. „Das lief relativ geschmeidig.“ Drei leichte Polizeiboote der Wasserschutzpolizei, die ebenfalls in Bruchsal stationiert ist, sicherten die Verladung der Castorbehälter vom Schiffscontainer auf die Eisenbahnwaggons. Nicht unrecht wäre es den Bruchsaler Einsatzkräften wohl auch, wenn der noch bevorstehende Castortransport aus Frankreich nach Philippsburg ähnlich „geschmeidig“ liefe. Der Termin allerdings steht derzeit noch nicht fest.

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