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Pizza gegen Fish and Chips

Vor dem EM-Finale: So fiebern Engländer und Italiener aus der Region mit ihren Mannschaften mit

Italien gegen England: Am Sonntag fällt die Entscheidung. Vorm Anpfiff um 21 Uhr im Wembley-Stadion drücken Fans beider Nationalmannschaften auch in der Region Bruchsal ihren Helden die Daumen. Wir haben uns umgehört.

Der 67-jährige Englän-der Roland („Fred“) Pickering aus Kronau erhofft sich beim EM-Finale einen fußballerischen Leckerbissen. Foto: Kurt Klumpp

Der 67-jährige Engländer Roland „Fred“ Pickering, der bereits seit 41 Jahren in Deutschland lebt, verspricht sich vom Finale um den EM-Titel am Sonntagabend einen fußballerischen Leckerbissen. „Pizza gegen Fish and Chips“ umschreibt er deshalb das Endspiel zwischen seinem Heimatland und Italien.

Allerdings zeigt der Kronauer, der wegen dem Brexit im Vorjahr die deutsche Staatsangehörigkeit angenommen hatte, auch reichlich Respekt vor der Squadra Azzurra. „Ich bin mir nicht sicher, ob England am Sonntag nach 55 Jahren erstmals wieder einen internationalen Titel gewinnen wird“, zeigt sich der England-Fan zurückhaltend.

Deutlich mehr Zuversicht strahlt der Waghäuseler Sandro Quarata aus. „Italien ist die bisher beste Mannschaft des Turniers und für mich klarer Favorit“, sagt der Sohn eines italienischen Vaters. Dabei lobt er die taktische Disziplin und offensive Spielweise der Elf von Robert Mancini.

Allerseits wenig Verständnis für volles Wembleystadion

Das war nicht immer so. „Die Italiener haben sich vom früher berüchtigten Catenaccio abgewendet und pflegen einen modernen Angriffsfußball mit viel Lust am Tore schießen“, bestätigt der Vorsitzende des FC Olympia Kirrlach. Dabei lobt Sandro Quarata vor allem die gute Mischung mit einem ausgezeichneten Torhüter, erfahrenen Abwehrspielern sowie hungrigen Mittelfeld-Strategen und Stürmern.

Sandro Quanta ist Fußballfan aus Waghäusel. Der Vorsitzende des FC Olympia Kirrlach drückt im EM-Endspiel gegen England natürlich der Squadra Azzura die Daumen. Foto: Nico Liedke

Hunger nach Erfolg kann auch Ronald Pickering, den alle nur Fred nennen, der englischen Mannschaft bescheinigen. „Schließlich standen sie letztmals 1966 im legendären WM-Finale gegen Deutschland in einem Endspiel, das sie nach einem umstrittenen Tor in der Verlängerung mit 4:2 gewinnen konnten“, erinnert sich der Kronauer, der 1980 aus beruflichen Gründen nach Deutschland gekommen war.

Wenig Verständnis zeigen beide, dass sich im Londoner Wembleystadion 60.000 Zuschauer ohne Mundschutz und Abstandsregel gegenseitig in die Arme fallen durften.

„Dabei melden die englischen Medien an EM-Spieltagen keineswegs erstrebenswerte Rekordzahlen“, sagt Ronald Pickering, der mit Ehefrau Christa aus Heidelberg seit 39 Jahren in Kronau wohnt. „Auf der Insel sind zuletzt an einem EM-Spieltag 32.000 Neuinfizierte an dem Corona-Virus erkrankt“, weiß Pickering aus Medienberichten und ergänzt: „Das ist auch auf das ausgedehnte Public Viewing zurückzuführen, wobei sich der Bierumsatz in England beim Halbfinalsieg gegen Dänemark um fast zehn Millionen Liter gesteigert haben soll.“

Pickering, der bei Heidelberger Druck angestellt war, ist ein gutes Beispiel für gelebte Integration. „Frag mal den Ausländer, was er trinken möchte“, war vor vier Dekaden der Auftrag seiner heutigen Frau in der Wieslocher Stammkneipe. Weniger als zwei Jahre später zogen beide nach Kronau, wo sie in ihrem Eigenheim am Sonntagabend zusammen mit der 94-jährigen Schwiegermutter das Finale verfolgen und natürlich dem Team von Gareth Southgate die Daumen drücken werden.

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