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Vier-Fragen-Interview

Professor für Weinwirtschaft aus Niefern über die Online-Verkostung: „Nicht alle profitieren“

Erik Schweickert aus Niefern ist Professor für Internationale Weinwirtschaft an der Hochschule Geisenheim und Präsident des Bundes Deutscher Oenologen. Er hat den wissenschaftlichen Blick auf die Online-Weinproben.

Erik Schweickert aus Niefern, Professor für Internationale Weinwirtschaft an der Hochschule Geisenheim und Präsident des Bundes Deutscher Oenologen, hat ein gemischtes Bild von Online-Weinproben. Foto: Stephanie Trenz

Erik Schweickert berichtet, dass einige Winzer trotz Corona ihren Verkauf sogar steigern konnten. Der Grund: Online-Verkostungen boomen. Trotzdem profitieren davon längst nicht alle Weingüter. Das hat mehrere Gründe.

Online-Weinproben boomen, Winzer im Kraichgau haben gute Erfahrungen gemacht. Was halten sie davon?
Schweickert

Ich finde es toll, wie sich diese traditionelle Branche so flexibel auf die neuen Begebenheiten eingestellt hat. Manche konnten ihren Verkauf trotz Corona sogar steigern. Aber die Wahrheit ist auch: Nicht alle 9.000 Weingüter in Deutschland können das leisten oder von diesem Trend profitieren.

Was ist das Problem?
Schweickert

Online fehlt etwas Entscheidendes, ähnlich wie bei den To-Go-Verkäufen von Gastronomen: Die Kundenbindung ist top, aber oft bleibt der Umsatz hinter den Erwartungen zurück. Warum? Weil im Nachkauf die persönliche Beratung fehlt. Dass der Winzer nicht zielgerichtet zusätzliche Weine empfehlen kann, die in der Probe positiv wahrgenommen wurden. Dieses sogenannte Cross-Selling funktioniert online oft nicht.

Kraichgauer Winzer berichten, dass sie viel mehr Teilnehmer erreichen, was sie vor Ort nie schaffen würden.
Schweickert

Das stimmt sicher, denn sie haben pro Probe mehr Teilnehmer und eine größere geografische Reichweite. Das ist super. Insbesondere junge Winzer haben hier durch ihre digitale Affinität einen Vorteil. Aber es ist kein Allheilmittel.

Was sagt die Wissenschaft?
Schweikert

Aus Kundensicht wären die Online-Weinproben sicher noch optimierungsbedürftig. Es gibt zum Beispiel Ideen für kleinere Probierportionen, damit ich nicht sechs angebrochene Weinflaschen daheim habe. Hier braucht es aber innovative Technik. Das ist der nächste Schritt, das wird kommen.

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