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Gesundheit in der Pandemie

Termine verschieben wegen Corona? Bruchsaler Ärzte warnen vor Nachlässigkeit im Lockdown

Vorsicht ist besser als Nachsicht - das gilt auch im Corona-Lockdown. Die Bruchsaler Ärzte warnen deshalb davor, Vorsorge-Termine aus Angst vor den Corona-Viren zu verschieben. Wir haben mit Medizinern gesprochen.

Dr. Herbert von Neumann-Cosel, Internistischer Hausarzt in Gochsheim, im Patientengespräch bei einer Vorsorgeuntersuchung. Foto: Martin Stock

„Vorbeugen ist besser als heilen“ – diesen Satz prägte schon vor mehr als 200 Jahren der Arzt Christoph Wilhelm Hufeland. Deshalb raten Ärzte auch heute dazu, Untersuchungen zur Gesundheitsvorsorge wahrzunehmen und nicht aufzuschieben. Das gilt auch während der Pandemie.

Vorsicht ist besser als Nachsicht

„Unser Gesundheitssystem basiert darauf, Krankheiten rechtzeitig zu erkennen und einzugreifen, bevor gravierende Folgen eintreten“, sagt Bernhard Zehe, Kinder- und Jugendarzt in Bruchsal. Bei der Corona-Welle könnte man versucht sein, Ärzte und Vorsorgeuntersuchungen zu meiden, um nicht in die Nähe von Viren zu kommen.

„Durch unsere Hygienemaßnahmen und organisatorischen Vorkehrungen, ist das Risiko beherrschbar“, sagt Herbert von Neumann-Cosel, internistischer Hausarzt in Gochsheim. Jos Gal, Zahnarzt mit Fünf-Sterne-Praxis in Stettfeld, ergänzt: „Wir sind es schon immer gewohnt, Schutzkleidung und Schutz-Masken zu tragen. Es ist für uns selbstverständlich, unsere Hände und Arbeitsplätze sowie Behandlungsräume und -stühle stets zu desinfizieren und dies auch zu dokumentieren.“

In der Praxis von Zehe gibt es derzeit de facto kein Wartezimmer mehr. „Wir vereinbaren feste Termine, so dass sich die Patienten nicht begegnen“, sagt er. Weiterhin stellt er fest, dass es in diesem Winter entschieden weniger Erkältungspatienten gibt oder solche mit grippalen Infekten. „Dies ist offensichtlich ein willkommener Nebeneffekt der Schulschließungen und der Maskenpflicht“, sagt er.

Gal weist auf die gravierenden Folgen hin, wenn man die zahnärztliche Vorsorge „schleifen lässt“. Er hält die Dentalprophylaxe für äußerst wichtig. Sie sei elementar für das gesamtkörperliche Wohlbefinden, sagt er und betont besonders die jährliche Kontrolle der Zähne und gegebenenfalls Tiefenreinigung des Zahnfleisches.

„Damit werden auch andere Risiken wie Schlaganfall oder Herzinfarkt minimiert“, sagt Gal. Fehlende Zähne sollten umgehend ersetzt werden, damit der Biss sich nicht verändere, rät der Spezialist für Implantologie. Außerdem verlangten Krankenkassen den Nachweis der Vorsorge beim Zahnarzt, da sonst die Zuschüsse für Zahnersatz gekürzt würden.

Der Internist Herbert von Neumann-Cosel unterstützt seinen zahnärztlichen Kollegen und sagt: „Auch aus hausärztlicher Sicht ist es sehr wichtig, dass die Vorsorgeangebote wahrgenommen werden. Nur dadurch können wir Erkrankungen frühzeitig erkennen und erfolgreich behandeln.“ Schlimmstenfalls könne es sogar zu spät sein für eine erfolgreiche Behandlung, wenn man auf die Vorsorge verzichte.

Insgesamt erleben die drei Ärzte bei ihren Patienten eine positive und aufgeschlossene Haltung gegenüber der Vorsorge. Er könne keine Zurückhaltung erkennen insbesondere bei den festgelegten Vorsorgeuntersuchungen von Kindern, sagt Zehe. „Das nehmen die Eltern schon sehr ernst.“ Der Zahnarzt Gal verzeichnet sogar einen Anstieg. „Es ist mittlerweile bekannt, dass Menschen mit einer guten Mundhygiene weniger anfällig gegen Viren sind und damit auch gegen Coronaviren“, sagt er. „Dementsprechend sind auch die Anmeldungen zur Prävention eher gestiegen.“

Weniger Patienten wegen dem Lockdown?

Der Hausarzt macht hingegen die Erfahrung, dass sich derzeit generell weniger Patienten anmeldeten in seiner Praxis, so auch zu den Vorsorgeterminen. „Allerdings sind die Patienten Corona mittlerweile gewöhnt“, sagt Neumann-Cosel, „und deshalb auch nicht mehr ganz so ängstlich.“ Traditionell kämen in seine Praxis mehr Frauen als Männer zu den Vorsorgeuntersuchungen.

Zum eigenen Schutz arbeiten die Ärzte nach den Covid-19 Hygienemaßnahmen der Landesregierung und aktualisieren ihre Maßnahmen regelmäßig. „Bei Einhaltung der Vorgaben sehen wir uns ausreichend geschützt“, sagt Zehe, „zumal wir immer nur relativ kurzen Kontakt mit den Patienten haben.“ Beim Zahnarzt kann es schon mal intensiver sein, und selbst da sieht sich Gal auf der sicheren Seite mit seinen Schutzmaßnahmen.

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