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Zeitschrift namens „KZZ“

Schulleiter aus dem Raum Bruchsal im Fokus der Corona-Protestler

Schulleiter sitzen in der Corona-Zeit oft zwischen allen Stühlen. Immer wieder werden sie auch von sogenannten Querdenkern oder Corona-Protestlern kontaktiert. Nun kursiert wieder ein Schreiben im Raum Bruchsal.

Brief mit Nazivergleichen: Eine Zeitschrift namens „KZZ“ wurde jetzt an mehrere Schulleiter im Raum Bruchsal verschickt. Foto: Christina Zäpfel

Die Schulleiter im Raum Bruchsal und Waghäusel sehen sich zunehmend mit Post von Kritikern der Corona-Maßnahmen oder von sogenannten Querdenkern konfrontiert. Zuletzt erreichte sie ein Brief mit einer Zeitschrift namens „KZZ“. Dies stehe laut Verfasser für „Kurpfalz Zeitung unZensiert“.

„Das hat schon eine neue Qualität“, findet Stephan Walter, der Leiter der Lußhardt-Gemeinschaftsschule Forst-Hambrücken. Das Schreiben richtet sich namentlich an 16 Schuleiter im Raum Bruchsal, Waghäusel und weiteren Gemeinden. Auch die Polizei interessiere sich dafür, so Walter.

Von Impfpropaganda ist darin die Rede und von einer „Corona-Angst-Blase“, von angeblich zahlreichen Ausbrüchen und tödlichen Verläufen „gerade bei Geimpften“. Außerdem gibt es ein Foto der Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse: „Wird sich die Geschichte wiederholen??? Ist ein solcher Prozess gegen die Regierenden erneut denkbar?“, steht daneben.

Walter hat Anzeigen wegen Urkundenfälschung erstattet

„Wir haben schon mehrfach ähnliche Post bekommen“, berichtet Walter. Einmal musste der Schulleiter die Polizei verständigen, weil in der Nähe seiner Schule Flyer verteilt wurden.

„Das geht nicht im schulischen Umfeld. Wir dürfen keine politischen Fehden am Schultor führen.“ Ein gefälschter Querdenker-Brief mit seinem Namen kursierte, worauf Walter Anzeige wegen Urkundenfälschung erstattete.

Kinderschuhe als Protest vor dem Rathaus

Auch an anderen Schulen trudeln ähnliche Briefe ein. In einem ist von angeblich krebserregenden Stoffen in Corona-Selbsttests die Rede. Diese Theorie stellte sich aber bereits als falsch heraus und wurde widerlegt.

Die Zeitschrift „KZZ“ stammt laut Schreiben von Markus Kretzler aus Waghäusel. Ein anderes Schreiben kommt vom „Bündnis Pro Kindeswohl Kraichgau“.

Zuletzt gab es Elternproteste rund um den 1. April vor mehreren Rathäusern in der Region etwa in Kraichtal, Bad Schönborn oder auch in Oberderdingen. Aufgefallen sind dabei vor allem abgestellte Kinderschuhe und von Kindern und Eltern bemalte Plakate.

Damals hatten sich die Proteste auch über den Messengerdienst von Telegram formiert. In der Zeitschrift „KZZ“ findet sich ebenfalls ein Verweis auf eine Telegram-Gruppe namens „Kurpfalz Covidianten“.

Die Eltern stehen weitgehend hinter uns.
Stephan Walter, Schulleiter der Lußhardtschule Forst/Hambrücken

Stephan Walter sieht in seiner Elternschaft an der Lußhardtschule keinen schwindenden Rückhalt. „Die Eltern stehen weitgehend hinter uns“, so seine Einschätzung.

Die Maskenpflicht an der Grundschule fänden so manche nicht toll, wie er berichtet. Es bestehe aber weitgehend Konsens. Er fürchtet viel eher eine Radikalisierung des Protests und weitere Anfeindungen.

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