Noch ruht der Ball im deutschen Profifußball, doch die Vorbereitungen auf den möglichen Neustart laufen bereits. Am Freitag wurden die Spieler des KSC auf Corona getestet.
Noch ruht der Ball im deutschen Profifußball, doch die Vorbereitungen auf den möglichen Neustart laufen bereits. Am Freitag wurden die Spieler des KSC auf Corona getestet. | Foto: GES

DFL-Konzept

Probelauf für Neustart: Erste Corona-Tests beim KSC in aller Frühe

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Der Tag der Arbeit begann für die Fußballprofis des Karlsruher SC früh: Um 7 Uhr mussten Kapitän David Pisot und Co bereits im Wildpark antreten. Die ersten Corona-Tests standen für Spieler, Trainer und Betreuer auf dem Programm.

Rund zwei Stunden dauerte es, bis die Mitarbeiter eines Karlsruher Labors Rachenproben von den rund 40 Probanden des Fußball-Zweitligisten genommen hatten. Innerhalb von 24 Stunden soll dann der sogenannte Hygienebeauftragte des KSC, Mannschaftsarzt Marcus Schweizer, die Ergebnisse erhalten.

„Das ist neben der Vorbereitung für ein mögliches Mannschaftstraining auch als Probelauf gedacht, wenn der Spielbetrieb tatsächlich demnächst starten sollte“, erklärte KSC-Geschäftsführer Michael Becker. Das Sicherheits- und Hygienekonzept der DFL sieht vor, dass in jedem Fall einen Tag vor dem Spiel alle Beteiligten getestet werden und die Ergebnisse spätestens vor der Abfahrt ins Stadion vorliegen – deshalb auch der frühe Termin für die Probennahme.

Am Dienstag folgt der zweite Testdurchgang, auch um sicherzustellen, dass bei einer möglichen Rückkehr ins Mannschaftstraining in der kommenden Woche kein Spieler infiziert ist.

Mehr zum Thema: KSC trainiert derzeit mit Handschuhen und Desinfektionsmittel

Auch Familienangehörige von Spielern sollen getestet werden

Bereits am Donnerstag hatte die erste Testrunde bei den 36 Erst- und Zweitligisten begonnen. Das engmaschige Testsystem ist Teil des DFL-Konzepts, das eine schnellstmögliche Fortsetzung des Spielbetriebs in der Fußball-Bundesliga ermöglichen soll.

Viel los ist in diesen Tagen beim KSC vor und hinter den Kulissen.
Viel los ist in diesen Tagen beim KSC vor und hinter den Kulissen. | Foto: GES

Ob der Ball tatsächlich in Kürze wieder rollen wird, entscheidet die Politik voraussichtlich in der kommenden Woche. Um die letzten Zweifel von Politikern und Gesundheitsexperten auszuräumen, wurde nach Informationen des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ das von einer Task Force erarbeitete, 41-seitige DFL-Papier noch einmal leicht modifiziert.

Demnach sollen nicht nur Spieler, Trainer und Betreuer regelmäßig auf das Coronavirus getestet werden, sondern auch deren Familienmitglieder. Dafür bedürfe es der Zustimmung der betreffenden Personen. KSC-Sportchef Oliver Kreuzer bestätigte gegenüber dieser Zeitung, dass ein solches Vorgehen Thema sei.

Alle Informationen gibt es auf bnn.de/coronavirus

Quarantäne-Frage bleibt umstritten

Umstritten ist nach wie vor, wie bei einem positiven Corona-Test verfahren werden soll. Der DFL-Plan sieht vor, dass zunächst nur der Betroffene isoliert wird und dessen Kontaktpersonen getestet werden.

Beim 1. FC Köln waren am Freitagabend bereits drei positive Corona-Tests publik geworden. Wie der Bundesligist mitteilte, wurde das Trio in eine 14-tägige häusliche Quarantäne geschickt, alle seien „symptomfrei“.

Der Trainingsbetrieb könne aufgrund der bereits seit dem 6. April praktizierten Hygiene- und Infektionsschutzmaßnahmen im Gruppentraining aber wie geplant weiterlaufen, hieß es. Abgestimmt sei das Verfahren unter anderem mit dem Taskforce-Vorsitzenden Tim Meyer. Namen nannte der Club nicht, laut der „Bild“-Zeitung sind zwei Spieler und ein Physiotherapeut betroffen.

Die Sportminister der Bundesländer, die zuletzt grundsätzlich grünes Licht für den Liga-Neustart gegeben hatten, fordern dagegen, dass in einem solchen Fall das komplette Team in Quarantäne geschickt wird. Das letzte Wort haben bei einer solchen Entscheidung allerdings die örtlichen Gesundheitsbehörden.

Kampf um wirtschaftliche Zukunft des KSC geht weiter

Es bleibt also spannend in der Frage, ob und unter welchen Bedingungen die KSC-Profis und mit ihnen ihre Kollegen der 35 anderen Clubs bald wieder um Punkte kämpfen werden.

In diesen Tagen geht es im Karlsruher Wildpark allerdings nicht nur um die sportliche, sondern auch um die wirtschaftliche Zukunft des Vereins. Gespräche mit Gläubigern und potenziellen Investoren würden unter Hochdruck laufen, versicherten Präsident Ingo Wellenreuther und Geschäftsführer Becker zuletzt gebetsmühlenartig.

Knapp zwei Wochen haben die Verantwortlichen noch Zeit, um eine Alternativlösung zu einer Planinsolvenz in Eigenverwaltung zu erarbeiten. Sollte dies nicht gelingen, dürfen die Mitglieder am 15. Mai in einer außerordentlichen Versammlung über das Insolvenz-Szenario abstimmen.