Der CDU-Politiker Ingo Wellenreuther ist gegen den Auftritt von „Feine Sahne Fischfilet“ bei „Das Fest“.
Der CDU-Politiker Ingo Wellenreuther ist gegen den Auftritt von „Feine Sahne Fischfilet“ bei „Das Fest“. | Foto: Deck/Archiv

KSC-Präsidentencheck

Wellenreuther im Wahlkampfmodus: „Das ist wie öffentlich in die Fresse kriegen – Tag und Nacht“

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Als Politprofi gehört das Werben um Stimmen zu Wellenreuthers Handwerkszeug. Auf der politischen Bühne hat der Vorsitzende der CDU Karlsruhe, der seit 2002 im Bundestag sitzt, schon so manches Duell ausgefochten – nicht aus allen ging er als Sieger hervor. Dass er sich als KSC-Boss einem Kontrahenten gegenübersieht, ist für Wellenreuther allerdings neu.

Die Bühne im KSC-Fanzelt ist eigentlich gar keine. Auf einer Handvoll weißer Stehtische sind einige Getränkeflaschen und Plastikbecher platziert, davor hängt eine „Supporters“-Fahne. Dahinter steht Ingo Wellenreuther und ist in seinem Element. Mit durchdringendem Blick und kräftiger Stimme, die linke Hand gleichsam als Taktstock nutzend, die den Zuhörern mal den Zeigefinger, dann wieder die offene Handfläche präsentiert, erzählt er von finanziellen Kraftakten, von wachsenden Mitgliederzahlen und – natürlich – vom neuen Stadion.

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Einmal doziert er minutenlang präsidial über die Aufgaben einer Vereinsführung, dann wieder schmettert er hemdsärmelig in die Runde, wie das so sei: „öffentlich in die Fresse kriegen – Tag und Nacht“. Da ist er also wieder: der Wahlkämpfer Wellenreuther. Dabei steht am Montagabend beim Treffen mit der organisierten Fanszene des Karlsruher SC noch gar nicht fest, ob es überhaupt zum Showdown mit Martin Müller kommt.

Zu diesem Zeitpunkt hat der KSC-Wahlausschuss Müller noch nicht als Kandidaten zugelassen, erst am Tag darauf kommt das Okay, erst dann ist das Rennen um die KSC-Präsidentschaft auch offiziell ein Zweikampf.

„Ein tausendprozentiger Karlsruher“

Duelle musste Wellenreuther schon viele ausfechten – nicht immer siegreich. 2007 blieb Wellenreuther der Sprung auf den Mannheimer Oberbürgermeister-Sessel versagt, gut fünf Jahre später unterlag er bei der OB-Wahl in Karlsruhe seinem Widersacher Frank Mentrup – ein Zweikampf, der ihn beim Stadionthema bis heute verfolgt.

Im September 2010 springt er zunächst als Not-Präsident ein, wird einige Wochen später dann zum Clubchef gewählt und 2013 genau wie 2016 im Amt bestätigt – jeweils ohne Gegenkandidat, dafür mit so mancher Gegenstimme. Bereits vor seinem Engagement beim KSC, dessen Wahlausschuss er zwischen 1997 und 2010 leitete, ist Wellenreuther in Karlsruhe kein Unbekannter.

Von 1991 bis 2000 arbeitet der Jurist als Richter am Landgericht, 1999 zieht er in den Gemeinderat ein, dem er 14 Jahre lang angehört. „Ein tausendprozentiger Karlsruher“ sei er, sagt Wellenreuther, und „seit fast 50 Jahren ein KSC’ler durch und durch“.

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Wellenreuther im Wahlkampfmodus

Heimatverbunden ist Wellenreuther ohne Frage. Einer, der sich gerne volksnah gibt und dann auch wieder staatsmännisch. Einer, der sich beim Plausch mit dem KSC-Fan ebenso gerne zeigt wie beim Small Talk mit der Kanzlerin. Einer, der geübt darin ist, Mehrheiten zu organisieren – in den Plenarsälen und Hinterzimmern ebenso wie auf den Marktplätzen und Bierzelten.

In den Wahlkampf-Modus hat Wellenreuther auch am Montagabend geschaltet. Bei seiner Vorstellung im KSC-Fanzelt lässt er seine neunjährige Amtszeit Revue passieren, lobt den Ausgliederungsprozess, die aktuelle sportliche Stabilität, rühmt das „hohe Niveau“ in der Jugendarbeit, „die unglaubliche Leistung“ aller Beteiligten, die den Stadionneubau auf den Weg gebracht haben.

Seitenhiebe gegen Müller

Bei den Mitgliedern punkten will der 59-Jährige auch in der Rolle des Mahners. Vor der „Gefahr der Fernsteuerung“ warnt Wellenreuther, vor kippenden Mehrheitsverhältnissen im Verein zugunsten von Vertretern eines Unternehmens. Und dann sagt er noch: „Ich habe bisher immer nur einem Verein gedient.“ Auch das darf als Seitenhieb gegen seinen Herausforderer verstanden werden.

Dem versucht er in anderer Sache den Wind aus den Segeln zu nehmen. Ausführlich gibt Wellenreuther Einblicke in die gerade überwundenen oder noch laufenden Rechtsstreitigkeiten des Vereins mit dem Vermarkter Lagardère, mit dem Deutschen Fußball-Bund in Sachen Pyro-Abschied vom alten Wildpark und mit der Stadt in Sachen Stadion.

Und auch die Verdienste des Präsidiums auf dem Weg zur neuen Arena lässt Wellenreuther nicht unerwähnt – wohlwissend, dass der Dauerzwist mit Mentrup und Co bei vielen Mitgliedern nicht gut ankommt. Ob er diese überzeugen konnte? „Es war ein guter Abend“, sagt Wahlkämpfer Wellenreuther am Ende eines langen Rededuells.