Im direkten Duell stehen sich Tabea Waßmuth (Mitte) und Anne Van Bonn (rechts) gegenüber. Wann die Spielerinnen wieder auf den Platz dürfen, ist ungewiss.

Andere Summen, gleiche Sorgen

Zwangspause im Frauenfußball: Schaffen es 1899 Hoffenheim und SC Sand durch die Corona-Zeit?

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Es geht nicht um Millionen wie bei den männlichen Kollegen. Und dennoch wäre ein Saisonabbruch auch bei Frauen-Bundesligisten SC Sand und 1899 Hoffenheim eine tiefe Zäsur. Einerseits aus sportlicher, andererseits aber auch aus finanzieller Sicht.

Viel wird im Moment über die Sorgen des Profifußballs diskutiert und geschrieben. Über drohende Insolvenzen und Existenznöte, für den Fall, dass die Saison nicht wie geplant zu Ende gespielt werden kann.
Der Frauenfußball geht in diesen Zeiten, wie so oft, etwas unter in den Wehklagen der ganz Großen.

Dabei leiden die Fußballerinnen unter der Corona-Zwangspause genauso wie ihre männlichen Kollegen. Auch beim SC Sand und der Frauenfußball-Abteilung der TSG 1899 Hoffenheim drohen Einschnitte, falls die Saison vorzeitig beendet werden muss.

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Chance auf die Champions League wäre passé

Im Sinsheimer Stadtteil spielt die Mannschaft von Jürgen Ehrmann die beste Runde der Vereinsgeschichte. Sechs Spieltage vor Saisonende liegt die TSG hinter dem VfL Wolfsburg und FC Bayern München auf Rang drei und hat die Chance, sich für die Champions League zu qualifizieren. Aus sportlicher Sicht wäre ein Abbruch deshalb besonders bitter. Doch auch ganz generell findet Ralf Zwanziger, Leiter des Frauen- und Mädchenfußballförderzentrums in Hoffenheim, die Auszeit schade, auch wenn er sie für geboten hält.

Geisterspiele tun weniger weh als bei den Männern

„Unsere Spielerinnen wollen raus auf den Platz und Fußball spielen. Das gilt für die Bundesligamannschaft genauso wie für die Juniorinnen“, sagt er. Im Moment beschränkt sich der Betrieb auf Videoanalyse, individuelles Training und Gespräche mit Psychologin Birgit Prinz, die die mentale Fitness stärken sollen.

Aus finanzieller Sicht wäre ein frühes Saisonende zwar besser zu verkraften als bei den Männern, weil es um ganz andere Summen geht. Da die fehlenden Einnahmen aber den Gesamtverein treffen würden, wären Einschnitte beim Budget der Frauen längst nicht ausgeschlossen. „Geisterspiele tun uns dafür nicht so weh. Wichtiger wäre, dass die Saison beendet werden kann“, findet Zwanziger. Ob es im Mai, wie jetzt vorgesehen, weitergehen kann, bleibt aber abzuwarten.

Spielerinnen machen ihre Hausaufgaben

Auch der südbadische Konkurrent SC Sand, in der Tabelle ohne Abstiegssorgen auf Rang sieben, befindet sich in der Warteschleife. Bis mindestens zum 14. April sind die Spielerinnen zu Hause und trainieren alleine. „Fußballerisch ist das für alle schwierig, aber sie machen fleißig ihre Hausaufgaben“, berichtet Geschäftsführerin Claudia von Lanken, die den Verein im Sommer genau wie auch Spielführerin Anne van Bonn mit noch unbekanntem Ziel verlassen wird.

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Verlängerung über den Juni hinaus ist unrealistisch

Wie Hoffenheim ist auch der SC Sand noch im Rennen um den DFB-Pokal. Doch darauf legt der Club aus der Ortenau keine Priorität. „Wirtschaftlich ist der Pokal nicht so wichtig“, sagt von Lanken, die vielmehr hofft, dass die Bundesliga-Saison Mitte Mai fortgesetzt und bis Ende Juni beendet werden kann. „Eine Verlängerung halte ich für unrealistisch“, sagt die Funktionärin mit Blick auf die Vertragssituation der Akteurinnen.

Kurzarbeit ist beim SC Sand ein Thema – Gehaltsverzicht nicht

Bezüglich der finanziellen Einschnitte durch die Krise beschäftigt sich der SC Sand mit dem Thema Kurzarbeit. „Wir sind noch in der internen Prüfung“, sagt von Lanken. Nicht infrage kommt ein freiwilliger Gehaltsverzicht wie bei zahlreichen Männerclubs. „Im Frauenfußball können wir, zumindest bei den kleineren Vereinen, nicht zurückstecken.“