Rumänische Mitarbeiter von Müller-Fleisch zeigen, wie sie in Pforzheim leben.
Rumänische Mitarbeiter von Müller-Fleisch zeigen, wie sie in Pforzheim leben. | Foto: PK

Situation der Angestellten

Details über Unterkunft: So leben die Mitarbeiter von Müller-Fleisch

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Aufatmen bei Müller-Fleisch? Bei einer Nachtestung von 800 Mitarbeitern fand man nur noch bei weniger als zehn Prozent das Coronavirus. Zwei der drei Quarantänezentren sollen daher ab kommender Woche geschlossen werden. Personalvermittler wehren sich indessen gegen den Vorwurf, die meist aus Osteuropa stammenden Arbeiter auszubeuten und schlecht unterzubringen.

„Die drei Zentren bleiben noch übers Wochenende“, informiert das Landratsamt Enzkreis weiter. Ab Mitte kommender Woche soll dann nur noch das Hohenwart Forum vorgehalten werden für Corona-Infizierte des komplett unter Quarantäne stehenden fleischverarbeitenden Betriebs in Birkenfeld.

An der Fiebermessstation führt also weiterhin kein Weg vorbei aufs Betriebsgelände von Müller-Fleisch. Aber die Belastungen durch den Ausfall von zeitweise 330 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern werden weniger. Es sind nämlich „fast alle raus aus der Quarantäne“, berichtet Nicoleta-Melania Bica.

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Die 38-Jährige arbeitet seit 2009 mit Müller-Fleisch zusammen. Über die 2015 gegründete Firma Best Personal Service, deren Gewerbesteuer in Neuenbürg verbucht wird, beschäftigt sie rund 300 Männer und Frauen. Für 75 dieser Leute war ab Montag, 27. April, Einzelquarantäne angesagt. Sieben davon erwartet sie an diesem Samstag zurück, einige wenige noch am Montag, dann sind alle wieder einsatzfähig.

Die Mitarbeiter haben in zwei Wochen 20 bis 30 Überstunden angehäuft

Nicoleta-Melania Bica, Chefin der Firma Best Personal Service

Es ist der Unternehmerin anzuhören, dass das Druck von ihr nimmt. Sie ist seit dem 7. April, mit dem Thema konfrontiert. Damals lenkte die erste Corona-Infektion den Blick auf Müller-Fleisch. Es hagelt seitdem nur so an Kritik zu den Wohnverhältnissen ihrer Mitarbeiter und an Misstrauen.

Daneben gilt es, Verträge zu erfüllen für sie und alle jene, die nicht infiziert sind. „Sie haben in zwei Wochen 20 bis 30 Überstunden“ angehäuft. An einem Wochenende – vor dem 1. Mai – sei durchgearbeitet worden. Aber „wenn 70 Leute fehlen, kann das nicht mit Überstunden ausgeglichen werden“, Müller-Fleisch habe deshalb auch den Verarbeitungsumfang reduziert.

Dezidiert Stellung nimmt Bica zur Situation ihrer Angestellten. „Die sind so frei wie jeder Pforzheimer Arbeitnehmer“, sagt sie beispielsweise zur vielfach kolportierten Erfahrung, die rumänischen Werkvertragsangestellten von Müller-Fleisch dürften nicht ohne Aufpasser reden.

Auch bei Fragen nach den Zimmern, bleibt keine Antwort offen. Ja, pro Bett würden 240 Euro direkt vom Lohn abgezogen. Das sei wie im Hotel warm, möbliert mit Waschbecken, Schrank, Stühlen und Tisch sowie ohne zusätzliche Nebenkosten.

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Die Zimmer seien aber größer als zehn Quadratmeter. Die zumeist von Paaren bewohnten Zwei-Bett-Zimmer teilten sich jeweils eine Toilette. Duschen stünden pro Stock für sechs bis zehn Leute zur Verfügung.

Vierer-Zimmer haben bis zu 25 Quadratmeter

Viorel Saplacan, Firma CCF

Die Beschreibung deckt sich mit dem, was Viorel Saplacan berichtet. Es gibt nichts zu verbergen, macht auch der 63-Jährige deutlich, der für die Firma CCF Ansbach arbeitet und wie Bica aus Siebenbürgen stammt. Saplacan begleitet seine Landsleute aufs Einwohnermeldeamt oder zur Kontoeröffnung, macht Arbeitsverträge, bringt Sozialversicherungen und Krankenversicherung auf den Weg.

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Rund 50 Prozent der zwischen 250 und 280 Müller-Mitarbeiter von CCF lebten in Privatquartieren, die anderen zahlten 220 Euro Bett, wobei das Doppelzimmer 16 Quadratmeter habe, die Dreier- und Vierer-Zimmer zwischen 20 und 25 Quadratmeter hätten.

Bis zum 3.200 Euro für Metzger

In den ersten Monaten gebe es Mindestlohn. Unqualifizierte verdienten nicht weniger als 1.200 Euro netto, präzisiert Saplacan. Qualifizierte Leute brächten zwischen 2.000 und über 3.200 Euro netto nach Hause. Das sind allerdings vor allem Metzger, die Best Personal Service für den SB-Verpackungsbereich gar nicht braucht.

Neue Leute in Corona-Quarantäne

Es ist Vollzeitarbeit nach deutschem Recht, das die beiden Firmen nach eigenen Angaben bieten. Vorteil für die Mitarbeiter dabei ist, dass sie nicht nur krankenversichert sind, sondern auch mit einem Verdienstausfall wegen der Quarantäne rechnen können.

Bei CCF betrifft dies laut Saplacan bislang 92 Leute. Außerdem kommen elf Infizierte aus der Nachtestung dazu, von denen fünf jetzt im Hohenwart-Forum zu finden sind. Die anderen sechs seien in ihren Privatwohnungen in Quarantäne.