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Lockdown ist „Brandbeschleuniger“ für Gewalt an Frauen

Mehrere badische Innenstädte leuchten orange: Aktionstag „Zonta says no“ setzt Zeichen gegen Gewalt an Frauen

Am Aktionstag „Zonta says no“ leuchten mehrere badische Städte orange. Darunter sind beispielsweise auch Karlsruhe und Baden-Baden. Eine Vertreterin des Frauenhauses Baden-Baden/Rastatt ist sich sicher: Der Aktionstag gegen Gewalt an Frauen ist aktuell dringend nötig.

Voriges Jahr: Diese T-Shirt-Aktion soll auf minderjährige Frauen aufmerksam machen, die gegen ihren Willen verheiratet werden. Foto: Sabine Voß

Mitten im Teil-Lockdown will der Aktionstag „Zonta says no“ ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen setzen. In Baden-Baden leuchten mehrere Wahrzeichen orange: Das ist keine Kunstaktion zur Aufmunterung im tristen Alltag, sondern ein dringend benötigtes Zeichen gegen Gewalt an Frauen – zumindest wenn es nach den Hilfsorganisationen der Stadt geht.

„Es ist wie beim ersten Lockdown, wenn Frauen mit ihrem Peiniger allein zu Hause sind, trauen sie sich nicht ans Telefon“, berichtet Brigitte Schäuble vom Frauenhaus Baden-Baden/Rastatt. Die jährliche Aktion „Zonta says no“ trifft somit den Zahn der Zeit. „Es ist wichtig, dass so auf das schreiende Unrecht der Frauen aufmerksam gemacht wird“, ergänzt Schäuble.

Mit dem Lichtermeer will der Zonta-Club und Soroptimist International betroffene Frauen und Mädchen ermutigen, ihre Rechte wahrzunehmen und eine Beratungsstelle aufzusuchen. Denn auch der Verein geht davon aus, dass die häusliche Situation in Corona-Zeiten als „Brandbeschleuniger“ wirkt.

Der Mitmach-Effekt ist dieses Jahr besonders groß

Seit 2012 findet der internationale Aktionstag am 25. November statt. Im vergangenen Jahr strahlte nur das Baden-Badener Theater orange. Die Spielstätte ist auch jetzt wieder dabei und teilt auf Nachfrage mit: „Der Zonta-Club Baden-Baden feiert sein 40-jähriges Bestehen. Dies sowie die Tatsache, dass in den coronabedingten Lockdowns besonders viele Frauen zum Opfer häuslicher Gewalt wurden, ist der Grund, dass über das Theater hinaus noch weitere Gebäude in der Stadt angestrahlt werden sollen.“

Auch die Stadt beteiligt sich an der Aktion und hisst anlässlich des internationalen Tags gegen Gewalt an Frauen die Flagge der Terre des Femmes „Gewaltfrei leben“ am Rathaus. Die Menschenrechtsorganisation Terre des Femmes erinnert jährlich an die Ermordung von drei Freiheitskämpferinnen in Lateinamerika.

Vor einem Jahr: 2019 hat nur das Theater anlässlich der Aktion „Zonta sagt Nein“ geleuchtet. In diesem Jahr sind deutlich mehr Einrichtungen dabei. Foto: Sabine Voß

Insgesamt 22 Einrichtungen leuchten am Abend von 17 bis 24 Uhr. Mit dabei sind neben dem Theater das Festspielhaus, die Stadtbibliothek, die Friedenskirche, die Trinkhalle und das Cineplex-Kino. Sabine Voß von Zonta hat eine Vermutung, warum dieses Mal so viele dabei sind: „Die Aktion funktioniert kontaktlos, der Mitmach-Effekt ist deswegen aktuell besonders groß.“

Damit ab der Dämmerung alles reibungslos läuft, hat Voß selbst dabei geholfen, die orangenen Plexiglasscheiben über den Lichtstrahlern anzubringen. Weil am Fachmarktzentrum Shopping Cité nicht viel mit Licht gemacht werden kann, findet dort die diesjährige T-Shirt-Aktion statt. An den Fahnenmasten links neben dem Eingang hängen bedruckte Shirts, die auf das Thema Frühverheiratung aufmerksam machen.

Spenden werden dringend benötigt

Der Verein unterstützt außerdem verschiedene Hilfsprojekte in Baden-Baden mit monatlichen Spenden. Unter anderem profitiert Cora Baden-Baden davon. Leska Kaufmann von dem Verein gegen sexuellen Missbrauch und Gewalt betont, wie wichtig die Aufmerksamkeit und die Spenden seien: „Die Betroffenen wünschen sich einen Ort, den sie aufsuchen können, deswegen haben wir ein Büro und dafür gibt es Auflagen wie Versicherungen, die Geld kosten.“

Außerdem leiste der Verein Präventionsarbeit an Schulen und begleite ganz aktuell die Zeugin im Pfadfinder-Prozess. Verschiedene Selbsthilfegruppe von durch Gewalt betroffenen Frauen lägen aktuell wegen Corona auf Eis, bedauert Susanne Cronauer von Cora.

Hilfe gibt es trotz Corona

„Wir nehmen Frauen auf – trotz Corona“, macht hingegen Schäuble vom Frauenhaus deutlich. Sie will nicht, dass die Betroffenen aus Unsicherheit zu Hause bleiben. Im Haus finden die Frauen und ihre Kinder Schutz, sie sollen erst einmal zur Ruhe kommen dürfen. „Viele Frauen kämpfen lange um eine harmonische Beziehung, irgendwann ist es einfach genug“, erklärt Schäuble.

Zonta ruft deswegen auch Privatpersonen auf, ein orangenes Licht leuchten zu lassen. Dafür müssen nur die Fenster mit farbigem Transparentpapier beklebt werden. Voß erklärt: „Ein Licht bedeutet: Der Bewohner hat sich mit dem Thema Gewalt gegen Frauen befasst, er achtet aufmerksam auf sein Umfeld und setzt aktiv ein Zeichen.“

Service

Betroffene erreichen das Frauenschutzhaus Baden-Baden/Rastatt unter: (0 72 22) 77 41 40, Cora unter (0 72 21) 2 20 65 und das Hilfstelefon vom Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben unter (0 80 00) 11 60 16.

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