Skip to main content

Probleme und Verbesserungen

Beim Fußverkehrs-Check in Baden-Baden werden Stolperfallen für Fußgänger aufgedeckt

Ist Baden-Baden ein gutes Pflaster für Fußgänger? Dieser Frage haben sich Bürger, Politiker und Verkehrsplaner gestellt. Bei einer Tour in der Stadt werden Probleme deutlich – insbesondere auch für Menschen mit Behinderungen.

Annika Worch (rechts) und Rolf Basse testen beim Verfassungsplatz in Baden-Baden mit den Teilnehmern auch einen Spaziergang unter erschwerten Bedingungen. Foto: Michael Brück

Weg vom Auto, hin zum Laufen, das ist ein Signal, das derzeit von der Landesregierung gesendet wird. Man wolle den Verkehr auf die Füße verlagern, erklärte am Dienstag Rolf Basse, Leiter der Stabsstelle Mobilität bei der Stadt Baden-Baden.

Gemeinsam mit der Raum- und Verkehrsplanerin Annika Worch, Bürgern, Politikern und Mitarbeitern der Verwaltung, darunter auch Menschen mit Geh- und Sehbehinderungen, war er zu Fuß unterwegs – vom Bernhardusplatz zum Hindenburgplatz.

Bei diesem Fußverkehrs-Check sollten die Teilnehmer die Situation für den Fußverkehr vor Ort bewerten und mögliche Unwägbarkeiten aufdecken, die Fußgängern in Baden-Baden das Leben erschweren.

Wie ist die Stadt Baden-Baden für Fußgänger ausgelegt?

Zu Fuß zu gehen sei die natürlichste und auch die unabhängigste Form der Fortbewegung, erklärte Annika Worch von der Karlsruher Planersocietät, die die Stadt bei ihrem Check professionell unterstützt. Es sei umwelt- und auch sozialverträglich und fördere zudem die Gesundheit. Allerdings, so räumte sie ein, sei in unserer mobilen Welt nicht alles perfekt auf den Fußgänger ausgelegt.

Sechs Stationen standen am ersten von zwei Tagen der Stadtbegehung auf dem Plan. Vom Bernhardusplatz führte der Fußweg zunächst zum Verfassungsplatz und dann zum Robert-Schumann-Platz und dann zum Hindenburgplatz. Dazwischen immer wieder Momente, in denen etwa die mitlaufenden Bürger mit Einschränkungen über ihre Eindrücke berichteten.

Rollstuhlfahrer zeigen ihre Mobilitäts-Herausforderungen in Baden-Baden

Eine Rollstuhlfahrerin zeigte dabei vor Ort eindrücklich, mit welchen Herausforderungen sie im täglichen Leben zu kämpfen habe. Einschränkungen, wie Annika Worsch bemerkte, die nicht immer für alle Seiten zufriedenstellend behoben werden könnten. So etwa auch die Höhe von Bordsteinen. Wo auf der einen Seite für Rollstuhlfahrer stärkere Absenkungen notwendig wären, würde das auf der anderen Seite wieder zu Schwierigkeiten für Sehbehinderte führen.

Schwierig seien auch die teilweise langen Wartezeiten von guten eineinhalb Minuten an den Ampeln und die demgegenüber kurzen Grünphasen. Die, so bemerkten zwei Teilnehmerinnen an der Exkursion, reichten oftmals kaum aus, um die andere Straßenseite sicher zu erreichen.

Sie mussten es wissen. Denn eine der beiden muss ihre täglichen Erledigungen in Baden-Baden im Rollstuhl erledigen. Die zweite Betroffene leidet an einer Seh- und einer Gehbehinderung und kann sich nur in einem eher gemäßigten Tempo durch den Verkehr bewegen.

Liste von Verbesserungsvorschlägen von Fußgängern in Baden-Baden

Selbst in die Rolle eines Menschen mit solchen Einschränkungen zu schlüpfen, war für die Teilnehmer des Fußverkehrs-Check dann auch eine besondere Herausforderung. Am Verfassungsplatz bekamen sie spezielle Brillen, die die optische Wahrnehmung massiv einschränkten. Ein Blindenstock diente als Hilfsmittel, um sich durch den Fußgänger- und Radverkehr zu bewegen.

Das Fazit: Der eigentlich als breit genug wahrgenommene Fußweg in Richtung Innenstadt hätte deutlich breiter sein können, so die übereinstimmende Meinung. Ungeduldige Radfahrer und Spaziergänger hinterließen einen bleibenden Eindruck beim Selbsttest. Doch genau darum gehe es ja auch bei dieser Begehung, erläuterte Rolf Basse.

So sammelte sich im Verlauf der Begehung eine lange Liste von Verbesserungsvorschlägen an, unter denen unter anderem auch die Höhe vieler Poller moniert wurde, die gerade für Sehbehinderte wegen ihrer zu geringer Höhe kaum wahrnehmbar seien. Auf dem Robert-Schuman-Platz für dem Festspielhaus kam es ebenfalls zu Konflikten zwischen Rad- und Fußverkehr.

Fehlende Sitzmöglichkeiten als Problem

Zudem wurde auch eine mangelnde Aufenthaltsqualität erkannt. Es fehle an Sitzmöglichkeiten, hieß es da etwa. Gerade für ältere Menschen oder Eltern mit Kindern sei das zuweilen problematisch. Sitzgelegenheiten im optimalen Abstand von 300 Metern seien in einer fußgängerfreundlichen Stadt dagegen perfekte Etappenziele, so die Meinung der Begehungsgruppe.

Bis zum Hindenburgplatz wurde die Verkehrssituation für Fußgänger und Rollstuhlfahrer genau unter die Lupe genommen. Dabei stellten die Läufer immer wieder Hindernisse wie schlechte Bodenverhältnisse, Unebenheiten und zu schmale Gehwege fest. Aus aktuellem Anlass in der Lange Straße wurde zudem die Barrierefreiheit an Baustellen thematisiert.

Abschlussworkshop

Die Erkenntnisse und Anregungen aus der Begehung werden dokumentiert und sind Bestandteil eines Abschlussberichts. Nach einer zweiten Begehung in Lichtental wird es am Dienstag, 19. Oktober, um 17.30 Uhr in Lichtentaler Löwensaal einen Abschlussworkshop geben, bei dem Maßnahmenvorschläge vorgestellt werden sollen.

nach oben Zurück zum Seitenanfang