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Corona-Vorschriften wie im ÖPNV

September war trotz Corona ein passagierstarker Monat für die Merkurbergbahn Baden-Baden

In Karlsruhe ruht der Betrieb der Turmbergbahn wegen Corona. In Baden-Baden bringt die Merkurbergbahn dagegen weiterhin Gipfelstürmer auf den 669 Meter hohen Hausberg der Bäderstadt.

Fährt auch in Zeiten von Corona: die Merkurbergbahn in Baden-Baden. Im Einsatz sind zwei Wagen im Retro-Look. Foto: Bernd Kamleitner

Es gibt eine gute und eine schlechte Nachricht. Zuerst die gute: Die Merkurbergbahn bringt Gipfelstürmer auch in Zeiten des coronabedingten Teil-Lockdowns ganz bequem und ohne körperliche Anstrengung auf den 669 Meter hohen Baden-Badener Hausberg. Die schlechte Nachricht: Bei den Passagierzahlen bleibt die mit Millionenaufwand sanierte Bahn seit der Wiederinbetriebnahme im Juni hinter den Erwartungen zurück. Die Ursachenforschung fällt leicht: Corona. Viele Fahrgäste bleiben wohl wegen der Pandemie fern.

Vor der Sanierung beförderte eine der längsten und steilsten Standseilbahnen Deutschlands jährlich bis zu 280.000 Passagiere. Mit dem Neustart sollte künftig gar die 300.000 Marke geknackt werden. In Corona-Zeiten, das hat sich schon in den ersten Monaten gezeigt, wird das nicht zu erreichen sein. Im Gegenteil: Eher sind Abstriche zu machen.

Wegen Corona fiel Fest zur Wiederinbetriebnahme aus

Für das Jahr 2020 war allerdings ohnehin kein Passagierrekord zu erwarten, weil die Bahn nach den Bauarbeiten erst am 8. Juni wieder offiziell den Betrieb aufnahm. Auf ein großes Fest mit Freifahrten für alle Besucher und auf weitere Aktionen wurde wegen der Corona-Einschränkungen damals verzichtet. Es soll zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden. Im Juli und August wurden die Zahlen der drei vorausgegangenen Jahre allerdings nahezu erreicht.

Startbereit: Die Merkurbergbahn läuft im Selbstfahrbetrieb. Passagiere müssen eine Mund-Nasen-Maske tragen. Foto: Bernd Kamleitner

Im Juli waren es 32.000 Passagiere, im Vergleichszeitraum in den Jahren 2019 und 2018 allerdings über 36.000. Ähnlich fällt das Bild im August aus: Die in diesem Monat registrierten über 36.000 Fahrgäste wurden 2019 mit 48.000 und 2018 mit über 40.000 getoppt. Dagegen wurden im September trotz Pandemie mit 36.000 die Zahlen der Vorjahre übertroffen: 2019 waren es etwa 30.000 und 2018 immerhin 32.000.

„Bis zum Oktober hatten wir nahezu das Niveau der Vorjahre“, freute sich Stadtwerkechef Helmut Oehler jüngst im Betriebsausschuss dennoch über die Entwicklung unter erschwerten Rahmenbedingungen. Die Unterhaltung und der Betrieb der Bahn fällt in den Zuständigkeitsbereich des kommunalen Energieversorgungsunternehmens.

Standseilbahn ist eine der Attraktionen der Bäderstadt

Im Oktober sah es nicht mehr ganz so gut aus. Die Passagierzahl sankt unter die Marke von 20.000. Die wurde dagegen in den beiden Vorjahren mit sogar bis zu 24.000 Fahrgästen in 2018 immer übertroffen. Dennoch ist die Merkurbergbahn nach wie vor eine der Attraktionen der Bäderstadt. „Früher hat man im Sommer auf dem Merkur alle Sprachen der Welt gehört“, erinnert sich der Stadtwerkechef an den Trubel in den Vorjahren.

In diesem Sommer, als viele internationale Touristen wegen der Corona-Pandemie ausblieben, wurden überwiegend Ausflügler aus Deutschland und europäischen Nachbarländern gesichtet.

Merkurbergbahn Baden-Baden, Bahn fährt im Selbstfahrbetrieb und wird mit Knopfdruck gestartet. Foto: Bernd Kamleitner

Fahrgäste dürfen selbst den Abfahrsknopf drücken

In den vergangenen Tagen lohnte sich eine Fahrt mit der Merkurbergbahn wieder einmal besonders. Während im Tal zunächst Nebel vorherrschte, konnten die Gipfelstürmer auf dem Merkur die Sonne und die Aussicht genießen.

Allerdings muss die Kundschaft beachten, dass die Bahn täglich erst ab 10 Uhr den Betrieb aufnimmt. Abends ist um 22 Uhr Schluss. Die Standseilbahn läuft dabei im Selbstfahrbetrieb. Wer ein Ticket gelöst hat, darf im Wagen den Abfahrtsknopf betätigen.

Blick vom Merkur Baden-Baden Foto: Bernd Kamleitner

Maximal 20 Passagiere sind pro Fahrt erlaubt

Wegen Corona dürfen nur maximal 20 Personen in den Wagen aus der Produktion eines Schweizer Herstellers. Im regulären Betrieb sind 38 erlaubt. Das Tragen einer Mund-Nasen-Maske ist – wie im öffentlichen Personennahverkehr – derzeit Pflicht. Im Automatikbetrieb ist alle acht bis 15 Minuten ein Wagen im Retro-Look verfügbar.

Bei großem Andrang kann die Geschwindigkeit der Bahn auf bis zu acht Meter pro Sekunde gesteigert werden. Dann legt der Wagen die fast 1.200 Meter mit einem Höhenunterschied von rund 370 Meter in dreieinhalb Minuten zurück – und das mit deutlich leiseren Geräuschen als die Vorgänger. Die alte Bahn schaffte maximal sechs Meter pro Sekunde, weiß Oehler .

Anlage wurde für acht Millionen Euro generalsaniert

Im Zuge der acht Millionen Euro teuren Investition wurden auch die Maschinen- und Elektrotechnik komplett erneuert und eine neue Überwachungstechnik installiert. Das Stahlseil ist nun 30 Millimeter dick, das alte hatte 26. Außerdem ist die Bahn barrierefrei.

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