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Online-Glücksspiel geplant

Die Roulette-Kugeln des Spielcasinos Baden-Baden könnten künftig auch virtuell rollen

Die Betreiber des Baden-Badener Spielcasinos prüfen, ob sie das Online-Geschäft zu einem weiteren Standbein machen wollen. Dennoch setzen sie weiter auf das Live-Erlebnis im traditionsreichen Ambiente des Kurhauses. Womit wollen sie die Gäste locken?

Stationäres Roulette: Das Casino im Kurhaus Baden-Baden möchte mit seinem besonderen Flair im Wettbewerb mit reinen Online-Anbietern punkten. Foto: Uli Deck / dpa

Die Roulette-Kugeln könnten bald auch online rollen, die Jetons virtuell fliegen und Spieler bei Black Jack digital zocken: Das Spielcasino Baden-Baden plant, künftig ins Online-Glücksspiel einzusteigen. Hintergrund ist der neue Glücksspielstaatsvertrag, dem der baden-württembergische Landtag Anfang Februar zugestimmt hat.

Wenn mindestens 13 von 16 Landesparlamenten zustimmen, tritt er zum 1. Juli in Kraft. Die neue Regelung erlaubt dann Glücksspiele im Internet wie Online-Poker oder Online-Casinos unter Auflagen.

Die Betreiberin des Baden-Badener Spielcasinos, die Baden-Württembergische Spielbanken GmbH, reagiert mit ihren Überlegungen auf das neue Gesetz. Sie will diesen neuen Geschäftszweig nicht nur den reinen Online-Anbietern überlassen. Der Auftrag, das Spiel zu kanalisieren und Glücksspiel nachfragegerecht anzubieten, gelte analog wie digital, betont Thomas Schindler.

Im Hybrid-Modell könnte ein Spielformat das andere antreiben

„Wir gehen davon aus, dass unsere Kompetenz in die digitale Welt reicht, damit auch online das Spiel geregelt verläuft – wie gefordert“, erläutert der Direktor des Spielcasinos im Gespräch mit unserer Redaktion. Das Online-Spiel könnte sich komplementär zum stationären Glücksspiel positionieren.

„Im Hybrid-Modell einer konzessionierten Spielbank könnte ein Spielformat das andere antreiben“, sagt der Casino-Chef. Das Online-Geschäft könnte zu einem zusätzlichen wirtschaftliches Standbein werden.

Online-Roulette: Dieses Glücksspiel ist künftig auch auf dem Bildschirm oder Smartphone erlaubt. Das Casino Baden-Baden möchte in dieses Geschäft einsteigen. Foto: Carsten Rehder /dpa

Der Direktor sieht in dem neuen Staatsvertrag eine Chance, der unübersehbaren digitalen Transformation im Glücksspiel Rechnung zu tragen und dieses zu regulieren. Die Spielbanken erfüllten den öffentlichen Auftrag, legales Glücksspiel anzubieten. Illegale Anbieter würden diesen Auftrag immer wieder unterminieren, mit der Folge, dass ein Schwarzmarkt mit Umsätzen von mehr als drei Milliarden Euro entstanden sei.

Spieler- und Jugendschutz gehören zu den Auflagen

Schindler unterschätzt die reine Online-Konkurrenz keineswegs. „Aber: Das Spiel im Casino findet nicht in 17 Zoll statt“, hält er dagegen. Wer das Ganze live erleben wolle, wähle weiter Roulette oder Black Jack in traditionsreichem Ambiente, ist der Direktor überzeugt.

Der Mix aus Klassik und Klasse hat sich bewährt.
Thomas Schindler, Direktor des Spielcasinos

Und gerade auf diesem Gebiet punkte Baden-Baden mit einem Alleinstellungs-Merkmal. „Der Mix aus Klassik und Klasse hat sich bewährt“, betont Schindler. „Das ist social casino, mit anderen in Gemeinschaft. Das klappt beim Online-Zocken nicht.“

Das stationäre Casino hat seiner Ansicht nach deutliche Vorteile. Die Gäste fühlten sich nicht nur wegen des Flairs wohl, sondern auch weil die Betreiber die Auflagen ernst nähmen: Spieler- und Jugendschutz sowie die Sicherheit des Geldverkehrs, was das qualifizierte Personal gewährleiste.

Entertainment spielt eine immer größere Rolle

Ein weiterer Pluspunkt gegenüber dem reinen Online-Angebot ist für Schindler der Aspekt des Entertainments. Den Gästen gehe es im Casino nicht nur ums Spiel. Sie wollten dort einen schönen Abend verbringen, der neben dem Nervenkitzel zusätzliche Unterhaltung biete – etwa ein gepflegtes Essen im Restaurant The Grill oder einen Drink in der Lounge des Clubs Bernstein.

Das Casino veranstaltet zudem seit Jahren Lesungen, Shows und Konzerte. Diese Unterhaltungssparte soll künftig weiter wachsen. „Wir merken, dass wir mit dem Entertainment auf das richtige Pferd gesetzt haben“, bekräftigt der Direktor: kein sozial distanziertes Spiel zuhause allein am Monitor oder nebenher am Smartphone, sondern Live-Erlebnisse.

Eine App soll das Warten erleichtern

Schindler geht davon aus, dass nach einer möglichen Öffnung des Spielcasinos die Besucherzahl vorerst begrenzt sein wird. In kurzen Phase zwischen dem ersten und zweiten Lockdown waren maximal 280 Menschen zugelassen.

Dem Direktor zufolge führte das gelegentlich dazu, dass Gäste in einer langen Schlange im Foyer bis zu eineinhalb Stunden auf den Einlass warten mussten. Ein neues „Warte-Management“ soll das künftig verhindern. Eine App zeigt auf dem Smartphone an, wann der Zutritt möglich ist.

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