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Nach Entschärfung der Weltkriegsbomben

Stadt Baden-Baden will fast 1 Million Euro in den Wörthböschelpark stecken

Am Wochenende sind im Baden-Badener Wörtböschempark drei Blindgänger aus dem Krieg entschärft worden. Die Stadt will 900.000 Euro investieren, um den Park aufzuwerten.

Idyllisch: der Uferbereich der Oos im Wörthböschelpark in Höhe der Friedenskirche. Hier können Erholungssuchende die Seele baumeln lassen. Früher war auf dem Gelände einmal ein Kohlelager. Foto: Bernd Kamleitner

Mit der weltberühmten und prächtigen Flaniermeile Lichtentaler Allee kann sich der Wörthböschelpark nicht messen. Muss er auch nicht. Die Grünanlage ist aber ebenfalls ein Ort, an dem Menschen einfach mal die Seele baumeln lassen können.

Das genießen vor allem Anlieger, weil die zumeist auf die Innenstadt fokussierten Besucher der Bäderstadt das parkähnliche Gelände nicht auf dem Schirm haben. Mit einer Investition von knapp 900.000 Euro soll das Gelände nun zu einem Bürgerpark aufgewertet werden.

Natur pur: Entlang des Wörthböschelparks plätschert die Oos. Die Grünanlage soll zu einem Bürgerpark aufgewertet werden. Foto: Bernd Kamleitner

Wegen der Entschärfung von drei Blindgängern aus dem Zweiten Weltkrieg am vergangenen Sonntag ist das Areal zuletzt überregional ins Rampenlicht geraten. Inzwischen ist auf dem Gelände wieder der Alltag eingekehrt.

Neue Wohnungsräumungen drohen den Anliegern offenbar nicht. „Wir gehen davon aus, dass dort keine Blindgänger mehr liegen“, sagt der städtische Pressesprecher Roland Seiter. Eine Einschränkung muss er jedoch machen: „Wir sind keine Hellseher!“

Nach Fliegerangriffen: Luftbilder dokumentierten Zerstörung

Im Vorfeld der jetzt geplanten Maßnahmen zur Steigerung der Attraktivität des Geländes habe es jedoch so genannte Flächensondierungen gegeben. Als Grundlage dienten historische Aufnahmen der Alliierten. Diese Luftbilder nach Fliegerangriffen waren während des Zweiten Weltkrieges Standard, um das Ausmaß der Zerstörung zu dokumentieren.

Experten des Kampfmittelbeseitigungsdienstes können auf solchen Bildern auch Einschlagtrichter von Blindgängern erkennen. Mit hochempfindlichen Metalldetektoren können dann gefährliche Weltkriegsüberbleibsel im Erdreich lokalisiert werden.

Park soll „zentrale grüne Mitte“ werden

Die künftige Bürgerpark im Wörthböschel soll Flächen für junge und alte Besucher bieten. Die ersten Überlegungen für eine Attraktivitätssteigerung des rund fünf Hektar großen Areals reichen bereits zehn Jahre zurück. Nun soll dort eine „zentrale grüne Mitte“ für die Bürger zwischen Oos, der Cité und der Weststadt entstehen, so die Zielsetzung der Planer. Schwerpunkte der Neugestaltungen sind ein Indianer-Kinderspielplatz „Wilder Westen“, ein Jugendbereich unter dem Motto „chillen und grillen“ mit Pumptrack, einer Mountainbike-Strecke, einem Fitnesspfad und einer Spielwiese.

Für den Indianer-Spielplatz am Nordrand des Parks sind ein Indianerdorf, ein Trockenbach mit Stegen und Kanus, eine Seilbahn, eine Röhrenrutsche und verschiedenen naturnahe Spielangebote geplant. Ein Relikt aus der Lichtentaler Allee soll dort eine neu Verwendung finden: Der obere Teil des im März 2020 in der berühmten Grünanlage abgebauten Mammutbaums soll als typisches Holz der Rocky Mountains in den Spielhügel des Indianer-Spielplatzes integriert werden.

Der Gewässerlehrpfad im Wörthböschelpark in Baden-Baden. Foto: Bernd Kamleitner

Die Baumpflanzungen sollen den nordamerikanischen „Indian-Summer“ thematisieren. Ein grünes Band an der Nordseite der Oos soll zudem künftig vom Wörthböschelpark bis zur Hubertusstraße auf einem Fußweg mit einer Länge von 450 Meter „ein neues Erleben der Oos“ ermöglichen.

Grünanlage soll auch in Bauzeit zugänglich bleiben

Für die Bauzeit bis Oktober werden immer wieder einzelne Wege im Park gesperrt, heißt es. Die Zugänglichkeit der Anlage werde aber bestehen bleiben. Alles andere wäre sehr schade, denn am Ufer der Oos gibt es im Wörthböschel schon jetzt sehr schöne Verweilmöglichkeiten, etwa in Höhe der Friedenskirche. Ein Gewässererlebnispfad informiert über Themen rund um den Lebensraum Wasser. Kindern kann an Tafeln unter anderem anschaulich vorgeführt werden, was ein Hochwasserstand der Oos von über zwei Meter bedeutet. Am 28. Oktober 1998 erreichte der Pegel sogar 2,92 Meter, am 13. April 2004 waren es 2,20 Meter. Dabei ist die Oos ansonsten ein beschauliches Flüsschen: Der Durchschnittspegel liegt bei 45 Zentimetern.

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