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Zeiten der Pandemie

Wie die Corona-Pandemie die Arbeit des THW in Baden-Baden verändert hat

Die Eindämmung der Corona-Pandemie beschert dem Technischen Hilfswerk (THW) den längsten Dauereinsatz in seiner Geschichte und viel zusätzliche Arbeit. Auch der THW-Ortsverband Baden-Baden leistet seinen Beitrag. Die Zivil- und Katastrophenschützer beackern ein vielfältiges Aufgabenfeld.

Seit 35 Jahren beim THW: Der 46-jährige Gymnasiallehrer Michael Claus, hier in der Fahrzeughalle der THW-Unterkunft in der Wörthstraße, ist seit 2018 Ortsbeauftragter des THW-Ortsverbandes Baden-Baden. Foto: Ralf Joachim Kraft

Die Eindämmung der Pandemie bindet auch einen Großteil der Einsatzzeit der freiwilligen Helfer des Technischen Hilfswerks. Seit mehr als einem Jahr unterstützt das THW den Kampf gegen das Virus mit technisch-logistischer Expertise.

„Auch wir hatten neben unseren gewohnten Aufgaben schon den einen oder anderen Corona-Einsatz“, berichtet Michael Claus. Er ist seit Juni 2018 Ortsbeauftragter des 1953 gegründeten THW-Ortsverbands Baden-Baden.

Dass den ehrenamtlichen Helfern auch ohne Corona die Arbeit nicht ausgeht, zeigte erst jüngst ihr Einsatz bei der Bombenentschärfung im Wörthböschel-Park. „Unweit unserer eigenen Unterkunft haben wir uns quasi selbst evakuiert. Mit 30 unserer 40 Helfer waren wir in die Räumung des Gebiets eingebunden und haben Lunchpakete an die anderen Einsatzkräfte verteilt“, erzählt der 46-jährige Gymnasiallehrer, der seit seinem elften Lebensjahr beim THW ist.

Für das THW Baden-Baden gibt es während Corona viel zu tun

Im Rückblick auf 2020 erinnert Claus bei einem Pressetermin in der THW-Unterkunft in der Wörthstraße zum Beispiel an die Grenzkontrollen an der Staustufe Iffezheim.

„Dort haben wir unsere Rastatter Kollegen beim Betrieb der Kontrollstelle für die Bundespolizei unterstützt und für die Polizeibeamten Büro-Container bereitgestellt. Ebenfalls im ersten Lockdown, im März 2020, haben wir zusammen mit dem Roten Kreuz für die Stadt in der alten Funkstation Heitzenacker eine Not-Isolierstation für Corona-Patienten aus Flüchtlings- oder Obdachlosen-Unterkünften eingerichtet.“

Im Vorfeld der Landtagswahl 2021 halfen die THW-Aktiven der Stadt Baden-Baden beim Aufbau und Betrieb eines Corona-Testzentrums für die Wahlhelfer. Gefragt war der Einsatz der Freiwilligen auch beim Aufbau des Aufenthalts-Containers der kommunalen Teststation beim Güterbahnhof in Baden-Oos.

So hat die Corona-Pandemie die Arbeit des THW verändert

Ohne solide Aus- und Weiterbildung, ohne regelmäßige Übungen könnten die die ehrenamtlichen Zivil- und Katastrophenschützer ihre vielfältigen Aufgaben im Bereich der Gefahrenabwehr und der technischen Hilfeleistung im Zivilschutz kaum bewältigen. Schließlich müssen die Helfer allzeit bereit sein. Jeder Handgriff muss sitzen. Sie sind ein Team und müssen sich aufeinander verlassen können.

Die meisten Mitglieder blieben bei der Stange.
Michael Claus, THW-Ortsbeauftragter

Doch gerade beim Trainieren und in der Ausbildung musste das THW in Corona-Zeiten umdenken. „Auf der einen Seite ist durch die Pandemie der Dienstbetrieb eingeschränkt. Auf der anderen Seite müssen wir versuchen, die Mannschaft zusammenzuhalten“, sagt Claus, der dennoch vergleichsweise wenige Abgänge beklagt. „Die meisten Mitglieder blieben bei der Stange.“

THW-Ausbildung läuft online und in Kleinstgruppen weiter

Die Theorie-Ausbildung erfolge online, „was auf Dauer aber nichts für uns wäre. Die Leute hier sind Macher“. Die Praxisteile der Aus- und Fortbildungen fänden in Kleinstgruppen mit maximal sechs Leuten unter Einhaltung strenger Hygieneregeln statt. Zu Einsätzen geht es Claus zufolge fachgruppenweise mit maximal neun Leuten. Pro Fahrzeug sind vier Personen erlaubt. Corona-Schnelltests verstehen sich von selbst.

„Seit zwei Wochen dürfen sich alle aktiven THW-Angehörigen impfen lassen“, berichtet der Ortsbeauftragte. Zum Aufgabenspektrum erklärt er: „Wir stehen Feuerwehr, Polizei und anderen Hilfsorganisationen mit Sicherungs-, Räum-, Rettungs- oder Bergungsarbeiten zur Seite, halten die Strom- und Wasserversorgung aufrecht und sorgen für mobile Beleuchtung und Zelte.“

Das THW helfe überall dort, wo Flüsse über die Ufer treten, die Erde bebt, Stürme toben und Gebäude einsturzgefährdet sind. Die Fachkräfte rückten an, wenn Trümmer oder auf Straßen gestürzte Bäume zu beseitigen sind, Strom erzeugt, Einsatzorte gesichert oder Unfall- und Kontrollstellen beleuchtet werden müssen.

Einsatzstellen-Sicherungssystem des THW Baden-Baden bundesweit gefragt

Ein Schwerpunkt des Ortsverbandes Baden-Baden, der mit seiner Fachgruppe Räumen über einen technischen Zug mit zehn Spezialfahrzeugen verfügt, sei die Arbeit mit dem Einsatzstellen-Sicherungssystem (ESS). Das sei ein Lasergerät, welches nach Bränden, Explosionen, Hochwassern oder Erdrutschen selbst kleinste Bewegungen registriert und Häuser, Dämme oder Hänge auf ihre Standfestigkeit hin überprüft.

Dazu würden an dem zu überwachenden Objekt spezielle Reflektoren angebracht, deren Position alle zehn bis 60 Sekunden gemessen werde. So könne man frühzeitig reagieren und die Einsatzstelle notfalls räumen. „Damit sind wir bundesweit im Einsatz“, so Claus.

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