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Große Unzufriedenheit in Weitenung

Bürgerinitiative übt scharfe Kritik an Trassenplänen in Bühl

Zynismus, Diskursverweigerung, inakzeptable Verfahrensweise: Beim Erörterungstermin zum Ausbau der 380-kv-Stromtrasse fuhr die Bürgerinitiative Weitenung schwere Geschütze auf. Sie wünscht sich Zugeständnisse, die über die gesetzlichen Vorgaben hinausgehen.

Weitenung und der Strom: Im Bühler Stadtteil sind die Bürger ziemlich sauer, sie werfen Netzbetreiber TransnetBW in Sachen Trassenneubau mangelnde Kommunikationsbereitschaft vor. Foto: Bernhard Margull

Eine Annäherung zwischen den Positionen der Stadt Bühl und der Weitenunger Bürgerinitiative auf der einen Seite und der Transnet BW auf der anderen Seite war nicht zu erkennen. Das ist das Fazit des Erörterungstermins zum Ausbau der 380-Kilovolt-Stromtrasse zwischen Daxlanden und Eichstetten, die 2028/29 in Betrieb gehen soll. Das Unternehmen sieht die gesetzlichen Grundlagen erfüllt, Vertreter von Kommune und Bürgerinitiative sind damit nicht zufrieden und wünschen sich weitergehende Zugeständnisse.

Von den vier Teilabschnitten der rund 120 Kilometer langen Trasse ist der 47 Kilometer lange Teilabschnitt A zwischen Daxlanden und der südlichen Ottersweierer Gemarkungsgrenze nach den Worten von Transnet-BW-Projektleiter Bertram Bläschke der längste und komplexeste. 138 Masten sind neu, 150 abzubauen.

Dazu kommen für „kleinräumige Trassenabweichungen“ Eingriffe in Parallelleitungen, was zu 23 neuen Masten und 39 abzubauenden Masten führt. Mit Blick auf mögliche Alternativen nannte Bläschke die „Nullvariante“, also auf das Vorhaben zu verzichten, wegen des Versorgungsauftrags des Unternehmens als „nicht gangbar“. Technische Alternativen seien ebenfalls nicht sinnvoll: Erdkabel etwa schieden aus wirtschaftlichen und technischen Gründen aus.

Langer Schlagabtausch über Trassen von Transnet BW

Miriam Schuler vom Regierungspräsidium Karlsruhe, unter dessen Regie die Planfeststellung läuft, leitete auf hervorragende Weise den Erörterungstermin. Sie hakte nach, wies auf Widersprüche in Unterlagen und Aussagen hin, machte aber auch deutlich, dass es nicht um andere Trassenvarianten gehe, sondern lediglich um den von Transnet BW vorgelegten Trassenvorschlag. Über diesen entspann sich ein langer und detaillierter Schlagabtausch.

Barbara Thévenot, im Bühler Rathaus Abteilungsleiterin Stadtentwicklung, vermisste den Blick über den Tellerrand, die Abwägung im großräumigen Trassenvergleich. Der Landschaftsraum zwischen Autobahn und Weitenung habe eine hohe Bedeutung, „dem die Planung nicht gerecht wird“. Der Weitenunger Ortsvorsteher Daniel Fritz kritisierte, dass bis heute keine ernsthafte Alternativenprüfung stattgefunden habe. Er erkannte in dem Vorhaben keinen Umbau, „sondern eindeutig einen Neubau“, der dem Bündelungsgebot in keiner Weise folge.

Die Vertreter von Transnet wiesen die Vorwürfe zurück. Es seien Varianten verglichen worden, eine Bündelung mit der Autobahn würde das Landschaftsbild nicht verbessern. Eine große Umverlegung der Trasse sei nicht realistisch. „Keiner fordert eine Trassenführung über den Schwarzwald. Wir wollen lediglich eine seriöse Prüfung anderer Varianten“, entgegnete Thévenot.

Bürgerinitiative weist auf Gesundheitsschutz hin

Vertreter der Bürgerinitiative formulierten scharfe Kritik. Seit Jahren sei man mit Transnet im Gespräch, sagte Daniel Haßmann, doch habe sich das Gefühl eingestellt, in einer Sackgasse gelandet zu sein. Sorgen und Ängste der Menschen würden ignoriert: „Gesundheitsschutz ist im Grundgesetz verankert, ein kostenoptimierter Strommast ist es nicht.“ Die Bürgerinitiative stört sich an den mehr als 80 Metern, die die Masten in die Höhe gehen.

Thomas Frietsch führte aus, dass eine Trasse entlang der Autobahn mit niedrigeren Masten auskäme, was Bertram Bläschke jedoch verneinte: „Die Geräuschbelastung wird geringer, der Mast aber nicht kleiner.“ Bernd Schorpp erinnerte daran, dass das Unternehmen möglichst weit von einer Bebauung weg wolle, und sagte: „Dann macht es doch einfach.“

Ute Haßmann thematisierte das Leukämierisiko bei Kindern und wünschte sich, dass die schärferen Vorsorgewerte und nicht die Grenzwerte herangezogen würden. Das Unternehmen habe sich jedem wissenschaftlichen Diskurs verschlossen. Bertram Frietsch wunderte sich, dass hier die Vorsorgewerte nicht herangezogen würden, er als Landwirt sie aber beim Thema PFC beachten müsse.

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