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Den US-Präsidenten ans Kreuz genagelt

Forbacher stellt Donald Trump in Karikaturen dar

Achim Rietz aus Forbach-Gausbach hat zum Bleistift gegriffen und seine Recherche-Ergebnisse in Karikaturen über den umstrittenen Staatenlenker gepackt.

Den Schalk im Nacken: Achim Rietz hat viel über Donald Trump recherchiert und seine Ergebnisse in – nicht immer schmeichelhafte – Karikaturen über den US-Präsidenten gepackt. Foto: Reinhold Bauer

Wie sah der soziale und politische Nährboden in den USA aus, dass jemand wie Donald Trump 2016 zum Präsidenten der USA gewählt werden konnte? Diese Frage haben sich wohl schon viele gestellt, Achim Rietz (62) aus Forbach-Gausbach hat sie aber ganz besonders beschäftigt. So sehr, dass er viel darüber zu lesen begann.

Der Polizeibeamte Rietz, bekannt vor allem als langjähriger Ortsvorsteher von Gausbach und FWG-Fraktionsvorsitzender im Gemeinderat Forbach, griff zu Bleistiften sowie Dreieckslineal und begann zu zeichnen.

Eine kleine Trump-Serie ist entstanden, die den umstrittenen Staatenlenker in den unterschiedlichsten Posen zeigt. Rietz packt in der Serie viele Recherche-Ergebnisse in die einzelnen Bilder hinein. Der Zeichner sieht sie als schalkhaft-humorige Auseinandersetzung mit dem Thema Trump. Sein Fernziel: Eine Ausstellung.

Im BNN-Gespräch sagt er: „Ich halte Trump für einen extremen Narzissten. Deshalb trägt er in meinen Bildern immer einen Art Rosenkranz um den Hals. Wobei nicht das kirchliche Kreuz, sondern eine Narzissen-Blüte sein Markenzeichen ist.“ Rietz fragt sich vor allem: Welche Parteien, Menschen, Firmen und Sponsoren hatten ein Interesse daran, ihn ins Amt zu bringen?

„Diese Gemengelage inspirierte mich, eine ganze Trump-Serie zu malen. Beim Malen kamen dann immer weitere Fragen dazu.“ Er selbst sieht seine Bilder zum Teil als Karikatur (seine übertrieben übergewichtig dargestellte Figur) und zum Teil real (was sein Gesicht angeht).

Trump am Kreuz: Eine Anspielung von Achim Rietz auf die vielen Corona-Todesfälle in den USA. Foto: Reinhold Bauer

„Geburt eines neuen Messias”

Das erste Bild hat durchaus provozierenden Charakter: „Trump – Die Geburt eines neuen Messias“ heißt es, und die „Geburt“ wird bildlich so dargestellt, dass Trump aus dem Mund von Steve Bannon emporsteigt. „Bannon hat für mich dabei etwas Diabolisches an sich, denn er übernimmt 2012 Breitbart News Network, eine US-amerikanische Nachrichten- und Meinungswebsite, die rechtspopulistisch bis rechtsradikal verortet ist.“

Rietz‘ Recherchen im Internet haben ergeben: Größter Sponsor von Breitbart waren die Koch Industries, ein Mischkonzern und eines der größten Unternehmen Nordamerikas. Deshalb sieht man auf dem Bild auch den Geldfluss von den Koch Industries zu Breitbart. Ironie der Geschichte: Auch mit den Koch-Brüdern, die an der Spitze der Firma stehen, hat sich Trump inzwischen angelegt.

Ich halte Trump für einen extremen Narzissten.
Karikaturist Achim Rietz

Die im Bild dargestellte amerikanische Flagge ist gewissermaßen das Amerika, wie es sich Trump, Bannon und die rechtspopulistische Tea-Party-Bewegung wünschen: Ein Land nur für die weißen Amerikaner. Hinter dem Stacheldraht, symbolisch außerhalb des Landes, sind die „Ungewollten“ – die Schwarzen und Latinos. Und weil Trump bereits im Wahlkampf gegen Obamacare – das Gesundheitssystem von Amtsvorgänger Barack Obama – wetterte, hat er dieses bereits ans Kreuz genagelt und ebenfalls hinter den Stacheldraht gestellt.

Donald Trump hat im vergangenen Präsidentschaftswahlkampf mit der Aussage gepunktet, das Establishment in Washington zu bekämpfen; in seinem zweiten Bild lässt Trump die demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton vom Sockel schlagen. Im Wahlkampf wurden brisante Mails von Clinton publik, russische Hacker waren hier wohl aktiv – das Kabel der „angezapften“ Clinton endet in Rietz‘ Bild bei Putin.

Vom Sockel gestoßen: Donald Trump bekämpft die demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton und das Washingtoner Establishment. Foto: Reinhold Bauer

„America first” - auch bei Corona-Toten

Trumps gefügeltes Wort von „America first“ gilt, zynisch betrachtet, inzwischen vor allem für die zuletzt stark angestiegenen Fälle von Covid-19 in den USA. Rietz: „Weil viele Amerikaner mit Trumps Strategie gegen Corona unzufrieden sind und die Todesfälle sich extrem häufen, habe ich ihn ans Kreuz genagelt.“

Die Spritze mit Desinfektionsmittel in seinem linken Arm bezieht sich in einem weiteren Bild auf die von ihm gemachte fatale Äußerung, mit einem solchen Mittel könne man eine Ansteckung verhindern.

Trotz seiner aussichtslosen Lage am Kreuz legt sich der überhebliche Präsident mit Gott an: „Hey god, you‘r not in a position to make a deal with me“ (Hallo Gott, Du bist nicht in einer Position, um mit mir einen Handel zu machen) steht in der Sprechblase.

Einstiger Förderer: Donald Trump entsteigt dem Mund von Steve Bannon. Foto: Reinhold Bauer

Gattin Melania hält trotz seiner vielen Fehltritte an ihm fest, „weil er ihr ein Luxusleben finanziert, das sie ohne ihn nicht führen könnte“, so Rietz. Und doch rebelliert sie mit ihrem Mundschutz in einer stillen Geste – Mundschutz zu tragen, ist bei vielen Republikanern verpönt.

Rietz‘ jüngste Karikatur macht den Handelskrieg der USA mit China zum Thema. Präsident Xi Jinping nimmt den Konflikt an und zwingt dem Gegenüber seine Spielregeln auf: So ist es in China ein weit verbreitetes Hobby, Drachen steigen zu lassen. Trump hat aber im „Luftkampf“ keine Chance, weil seinem Drachen „Uncle Sam“ die Schnur mittels Glasscheibe durchtrennt wird.

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