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Geringer Stellenwert in der Politik?

Leiter des Gaggenauer Sportausschusses fordert Öffnungsperspektive

Gerd Pfrommer, Leiter des Sportausschusses der Stadt Gaggenau, hat an einem Konzept gefeilt, das Freizeit- und Amateursport wieder möglich machen könnte. Ihm schwebt vor, dass sich Kinder vor dem Fußballtraining auf das Coronavirus testen.

Rückkehr zu mehr Normalität: Analog zur Testpflicht an den Schulen könnten sich Kinder vor dem Training auf das Coronavirus testen. Foto: Uwe Anspach picture alliance / dpa

Gemeinsam dem Fußball hinterherjagen, die Bestzeit im 100-Meter-Lauf knacken oder einfach nur nach dem Training plaudern – für viele aktive Amateur- und Freizeitsportler ist das coronabedingt nicht möglich.

Gerd Pfrommer, Leiter des Sportausschusses der Stadt Gaggenau, geht das gewaltig gegen den Strich. Wann Mannschaftstrainings wieder möglich sind, kann er nicht vorhersagen. Genau das bereitet ihm Sorge.

In einem Schreiben an die BNN-Redaktion fordert er eine Perspektive.

Pfrommer kritisiert scheinbar geringen Stellenwert des Sports

„Sport hat in der Politik scheinbar einen sehr geringen Stellenwert“, sagt er im Gespräch. Er wünscht sich, dass sich auf Landesebene Vereinsvertreter und Politiker an einen Tisch setzen und über die Zukunft des Amateur- und Freizeitsports diskutieren.

Je länger das Verbot noch gehe, desto schlimmer, prophezeit er. „Die Übungsleiter und Trainer werden von Tag zu Tag demotivierter.“ Das könnte auf lange Sicht zum Problem werden.

Ob die Ehrenamtlichen überhaupt wieder zurück auf den Bolzplatz kommen und Kindern Fußballspielen beibringen, weiß Pfrommer nicht. Es könnte also sein, dass ganze Kursangebote gestrichen werden müssen. Denn: Wo kein Trainer, da kein Training. „Der Status quo darf nicht einfach fortgeschrieben werden. Wir brauchen eine Lösung“, betont er.

Die Menschen leiden unter dem Bewegungsmangel.
Gerd Pfrommer, Sportausschuss der Stadt Gaggenau

Auch der Gesundheit wegen. Pfrommer denkt nicht nur an die Kinder und Jugendlichen, sondern auch an die Senioren, die sich in den Gaggenauer Vereinen fit halten. „Die Menschen leiden unter dem Bewegungsmangel“, sagt er.

Gerechnet auf die 15.000 Bürger, die sich in 33 Sportvereinen engagieren, könne das zu einem echten Problem werden.

Zahl der Vereinsaustritte in Gaggenau hält sich in Grenzen

Eine gute Nachricht hat Pfrommer jedoch: Die Zahl der Vereinsaustritte hält sich derzeit noch in Grenzen. Neuanmeldungen hingegen blieben aus. „Eltern fragen regelmäßig, wann es endlich weitergeht“, sagt er.

Gemeinsam mit den Vereinsvorsitzenden hat er bereits an Konzepten gefeilt, die Trainings wieder möglich machen könnten. Analog zur Testpflicht vor dem Unterricht könnten sich junge aktive Sportler einfach zu Hause testen, bevor sie sich mit den anderen aus der Mannschaft treffen. Das biete neben den gewohnten Hygieneregeln zusätzlichen Infektionsschutz, erklärt er.

„Der Trainingsbetrieb hat im Herbst gut funktioniert“, sagt Pfrommer. „Unsere Trainer sind kompetent und verantwortungsbewusst.“ Wenn der Vereinssport wieder möglich sei, solle den Übungsleitern mehr vertraut werden, fordert er: „Unsere Ehrenamtlichen haben auch im vergangenen Jahr immer darauf geachtet, dass die Kinder die Hygieneregeln einhalten.“

Vereinsvorsitzender hat Verständnis für politische Entscheidungen

Das bestätigt auch Reiner Rieger, Vorsitzender vom SV Michelbach 1934: „Wir hatten ein super Konzept und keinen einzigen Corona-Fall.“ Für ihn sei es höchste Eisenbahn, die Kinder endlich wieder auf den Sportplatz zu lassen. „Die Eltern fragen auch bei uns regelmäßig nach, wann wieder trainiert werden darf“, sagt er.

Auch wenn Rieger schon ungeduldig sei, habe er Verständnis für die Öffnungsentscheidungen der Politiker. Den Fehler sieht er eher bei den Bürgern, die die Corona-Regeln missachten. „Die ziehen den Schnitt runter. Da kann die Politik nichts dafür“, sagt er.

Die 60 aktiven Spieler des SV Michelbach jedenfalls nutzen die Zeit fernab des Spielfelds. Mit Konditionsübungen für zu Hause halten sich die Fußballer fit und fiebern einer Rückkehr ins Station entgegen.

Kraft, Ausdauer und Beweglichkeit trainieren auch die Mitglieder des TV Gernsbach 1849 – von zu Hause, versteht sich. „Seit Dezember sind die Hallen und Stadien schon dicht“, sagt Christine Binder, eine der Vorsitzenden des Vereins. Wann es weitergeht, weiß sie nicht.

Binder hofft, dass die 7-Tage-Inzidenz im Landkreis Rastatt bis Pfingsten unter den Schwellenwert 100 sinkt. Dann seien zum Beispiel wieder Leichtathletik-Trainings mit bis zu 20 Kindern im Freien möglich, erklärt sie.

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