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Standesämter nicht ausgebucht

Schnapszahl-Termine lösen in Achern und Umgebung kein Trau-Fieber aus

In der Karnevalshochburg Köln sind die Standesämter an den Schnapszahl-Terminen 2.2. und 22.2. in Sachen Trauungen ausgebucht. Kommen bei uns die Standesbeamten auch ins Schwitzen?

Das Liebesschloss zeigt, im Februar gibt es mit dem 2.2.22 und zudem mit dem 22.2.22 zwei besondere Termine für Trauungen. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Sie gehört für ein Paar zu den schönsten Momenten des gemeinsamen Lebens: die Trauung. Wenn die dazu an einem markanten Datum wie jetzt im Februar stattfindet, umso besser. Das vergrößert die Chance, dass der Ehemann an den Hochzeitstag denkt.

Im schönen Mittelbaden scheinen sich allerdings kaum Hochzeiter vom Schnapszahlen-Fieber anstecken lassen. Die Standesbeamten schwitzen nicht im Terminstress, ganz im Gegensatz zur Karnevalshochburg Köln. Dort seien der 2. und der 22. Februar 2022 als Trau-Termine bereits ausgebucht, berichtet die Deutsche Presse-Agentur.

„Derzeit haben wir für den 2. Februar eine Voranfrage“, so Helga Sauer, Pressesprecherin der Acherner Stadtverwaltung, dieser Tage auf Anfrage der Redaktion. Auch in den vergangenen Jahren herrschte an sogenannten Schnapszahlen-Tagen ziemliche Heiratsruhe.

In der Illenau in Achern kann man sich trauen lassen. Dazu gibt es im linken Arkadengang ein Trauzimmer. Foto: Jörg Seiler

Am 9. September 2019 (9. 9. 19) verzeichnete das Acherner Standesamt zwei Trauungen. Die Acherner Illenau als Hochzeitsort zieht. Viele Brautpaare seien von dem stilvollen Ambiente begeistert. Bürger der Stadtteile dürfen zudem in der Ortsverwaltung heiraten.

In Seebach heiratet man gern an einem Wochenende

Das Standesamt Seebach hat keine Anfragen für den 2. und 22. Februar. In der Vergangenheit hätten diese Termine eigentlich keine Rolle gespielt, da die meisten Paare ihre sich am Wochenende das Ja-Wort geben wollten, heißt es aus dem Rathaus. Und wie war das in der Vergangenheit?

Wir erinnern uns an den 12. 12. (20)12. Doch auch da gab es im schönen Seebach keine Trauung. Die Schwarzwaldgemeinde, bekannt als Mummelseedorf, bietet zum Bürgersaal des Rathauses ein ganz besonderes Trauzimmer. Es findet sich unweit des höchsten Gipfels des Nordschwarzwalds im Belvedere des historischen Hornisgrindeturms: Hochzeit mit herrlichem Ausblick.

In der Seelsorgeeinheit Achern standen zum Zeitpunkt der Recherche weder am 2. noch am 22. Februar Termine für kirchliche Trauungen im Kalender. Das hat, so erfuhr die Redaktion auf Anfrage, unterschiedliche Gründe. Zum einen zeigen sich, wie so oft, die Auswirkungen der Corona-Pandemie, dazu ist der Winter nicht unbedingt die typische Zeit, um sich das Ja-Wort zu geben. Der Terminkalender füllt sich erfahrungsgemäß ab Mai und über den Sommer hinweg.

Der schönste Tag des Lebens will von langer Hand und sorgfältig geplant sein. Das kann dann durchaus zum Problem werden. Denn es stellt sich die Frage, ob die Corona-Verordnung am Trautermin noch das erlaubt, was im Vorfeld festgelegt wurde? Dazu kommt, Nichtgeimpfte dürfen derzeit zum Beispiel gar nicht ins Gasthaus. Diese Faktoren, so war im Zuge der Recherche zu erfahren, spielen in Achern und Umgebung ebenfalls mit hinein, dass 2. 2. 22 und 22. 2. 22 nicht so gehen.

Standesämter zeigen Kreativität

Sasbach ist da kein Ausreißer. Auch dort liegen bislang ebenfalls keine Anmeldungen für den 2. oder den 22. Februar vor, berichtet Standesbeamtin Veronika Reck. Wie in Seebach, Lauf oder Achern lässt sich im Lenderdorf in einem ganz besonderen Ambiente heiraten – so im Turenne-Museum in Sasbach oder im Toni-Merz-Museum in Obersasbach. Letzteres ist im ersten Halbjahr wegen Umbaus geschlossen.

Wir können in Sasbach oft noch Termine für Kurzentschlossene anbieten, da unser Standesamt doch eher klein ist.
Veronika Reck, Standesbeamtin

Und auch in Sasbach zählt Kreativität. So prüft die Kommune, ob es Möglichkeiten für Freilufttrauungen „im Berg- und Rebland“ gibt. Für den 3. 3. und den 5. 5. gebe es Anfragen. Doch das sind kleine Schnapszahlen, die alle Jahre wiederholen. „Wir können in Sasbach oft noch Termine für Kurzentschlossene anbieten, da unser Standesamt doch eher klein ist“, sagt die Standesbeamtin. Und in der Vergangenheit? Zwei Eheschließungen gab es am 9. 9. 09 und eine am 12. 12. 12.

„Für den 2. 2. 22 und 22. 2. 22 haben wir noch keine speziellen Anfragen erhalten. Allgemein sind die zukünftigen Brautpaare noch vorsichtig mit den Planungen für 2022“, berichtet Annika Friedmann, Fachbereichsleiterin Bildung, Kultur, Soziales der Gemeindeverwaltung Lauf. Wer will, kann in Lauf in der Alten Trotte heiraten. Durch die ganz eigene Atmosphäre sei das allem im Sommer ein wunderschöner Ort für eine Trauung, so Friedmann.

Privatgärten stehen für Feier in der Gunst der Hochzeiter

Dass die Schnapszahl bei der Wahl des Hochzeitstermins eher relativ ist, bestätigt Miriam Schnell, Inhaberin des Brautsalons Lecher in Großweier. Nachdem während des Lockdowns nichts mehr ging, seien die Bräute dankbar, dass wieder Trauungen stattfinden können. Juni und Juli stehen hoch im Kurs, berichtet Schnell, und deshalb herrscht derzeit im Brautsalon Konjunktur.

Juni und Juli stehen bei Brautpaaren hoch im Kurs.
Miriam Schnell, Inhaberin Brautsalon Lecher

Vintage-Stil ist bei den Kleidern gefragt, gern mit der Möglichkeit, das gute Stück nach der Hochzeit weiter zu tragen. Die Auswirkungen der Pandemie zeigt sich laut Schnell deutlich.

Die Gesellschaften werden kleiner, immer öfter wählen die Hochzeiter einen schönen Privatgarten als Ort zum Feiern, gehen mit ihren Gästen auf Tour - zur Weinwanderung oder zum Geocaching zum Beispiel. Die Standesämter hätten auf die neuen Bedingungen sehr gut reagiert, böten inzwischen digitale Terminplanung und anderes mehr an.

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