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„Untröstlich“ über Franzosen-Bashing

Nach Straßburger OB-Wahl: Wie geht die grenzüberschreitende Zusammenarbeit weiter?

Die Städte Kehl und Straßburg haben europaweit geachtete Projekte gestemmt. Doch nach dem Corona-Lockdown bleibt Bitternis. Gemeinsam wollen die Kommunen erneute Frustrationen vermeiden.

Symbol des Miteinanders an der Grenze: Die Passerelle über den Rhein, entstanden 2004 zur gemeinsamen Landesgartenschau - bislang das Leuchtturmprojekt schlechthin zwischen Kehl und Straßburg. Foto: Peter Heck

Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit am Rhein bleibt ein schwieriges Kapitel. Erfolge mit Leuchtturmcharakter für ganz Europa – die gemeinsame Gartenschau von Kehl und Straßburg zum Beispiel, oder die Tram über den Rhein – stehen weiter einem mühsamen Alltag gegenüber. Das wird gerne vergessen. In diesem Frühjahr aber wurde deutlich: Unter Last weist das Miteinander am Rhein noch immer Sollbruchstellen auf.

Die existenzielle Krise des Corona-Lockdowns hat deutlich gemacht, wo es hapert – an der Kommunikation zum Beispiel. Doch der Riss geht tiefer. Die Anfeindungen von französischen Arbeitskräften, die auf dem Rückweg nach Hause in Deutschland noch einkaufen wollten, sind nicht vergessen.

„Die Corona-Zeit hat gezeigt, wie fragil unser Lebensraum ist“, sagt der Kehler Oberbürgermeister Toni Vetrano. Gemeinsam mit seiner neu gewählten Straßburger Amtskollegin Jeanne Barseghian (Grüne) will er dafür sorgen, dass sich so etwas nicht wiederholt. „Was wir immer sagen, haben wir jetzt zu spüren bekommen – zum Beispiel was es bedeutet, wenn die Tram, die ja gar nicht so lange fährt, plötzlich nicht mehr fährt“.

„Franzosen-Bashing“ soll sich nicht wiederholen

Vetrano macht sich für einen gemeinsamen Verwaltungsstab mit dem großen Nachbarn im Westen stark, der dafür sorgen soll, dass es zumindest nicht an der Kommunikation liegt, wenn die Dinge an der Grenze wieder einmal schwierig werden. Sei es wegen der Terrorgefahr, wegen der Randale in Schwimmbädern oder anderswo, deren Ursachen auf der anderen Rheinseite verortet werden, oder auch wegen neuer Hygienemaßnahmen gegen Corona oder einer anderen Pandemie.

Vetrano hatte das Thema gleich beim ersten Treffen mit seiner neuen Amtskollegin angesprochen. Noch gibt es den Verwaltungsstab nicht, doch er hat die OB jetzt angeschrieben und will auch noch mit der Präsidentin der Eurometropole, Pia Imbs, sprechen.

Dabei wird es auch darum gehen, wie man miteinander umgeht: „Es hat mich untröstlich gemacht, dieses Franzosen-Bashing, wenn man jemanden in der anderen Sprache reden gehört hat“. Das werde sich nicht wiederholen, verspricht Vetrano, „wenn, dann werden wir im Herbst andere Fehler machen“.

Ermutigende Signale aus Straßburg

Regierungswechsel auf französischer Seite sind immer eine heikle Sache, weil sie oft eine völlige politische Richtungsänderung bedeuten. Gespürt haben die Deutschen dies schmerzlich vor 15 Jahren, als das konservative Tandem Keller/Grossmann in Straßburg ans Ruder kam. Vieles, was ausgemacht war, galt plötzlich nicht mehr, die Gartenschau geriet ins Wanken, wie auch die Passerelle über den Rhein hinweg.

Letztlich hat man das alles noch hingekriegt, der Schock auf deutscher Seite aber wurde nie ganz verwunden. Doch dieser Regierungswechsel scheint deutlich eleganter zu verlaufen: „Auf Arbeitsebene habe ich noch keine wesentlichen Veränderungen wahrgenommen“.

Aus Straßburg kommen ermutigende Signale. Die neue Oberbürgermeisterin hat eine Konvention vorgeschlagen, um die Kooperation der Nachbarstädte in eine feste Form zu gießen. Vetrano zeigt sich offen – „Leitbilder sollte man aber leben und nicht nur an die Wand schreiben“, doch die Konvention „hat ihren Charme“. Konkreter solle die Dinge bald werden: Barseghian spricht am 30. September vor dem Kehler Gemeinderat.

Risikogebiet Straßburg

Eine neue Belastungsprobe könnte jetzt bevorstehen. Frankreich hat am Sonntag Bas-Rhin (Elsass mit Straßburg) zum Corona-Risikogebiet erklärt. Jetzt gilt es abzuwarten, wie das RKI weiter damit umgeht. Grenzschließungen sollten vermieden werden.

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