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Kreistag stellt sich gegen Kreißsaal

Geburtshilfe im Rastatter Klinikum steht vor endgültigem Aus

Der Kreißsaal im Klinikum Rastatt ist seit März 2020 geschlossen. Am Dienstag haben die Mitglieder des Kreistags darüber entschieden, ob er jemals wieder aufmacht. Die Antwort fällt eindeutig aus.

Hier kommen keine Babys mehr zur Welt: Die Geburtshilfe des Klinikums Rastatt ist seit März 2020 nicht mehr in Betrieb gewesen. Am Dienstag stimmte der Kreistag der endgültigen Schließung zu. Foto: Hans-Jürgen Collet

Die Geburtshilfe im Klinikum Rastatt steht vor dem Aus. Die große Mehrheit des Kreistags stimmte am Dienstagnachmittag bei nur einer Gegenstimme für die endgültige Schließung des Standorts. Dieser ist seit Beginn der Corona-Pandemie im März 2020 nicht mehr in Betrieb gewesen.

Das Klinikum Mittelbaden hatte die Schließung im Frühjahr 2020 damit begründet, dass in Rastatt Kapazitäten für Intensivbetten vorgehalten werden müssen.

Seitdem ist die Geburtshilfe in Baden-Baden-Balg konzentriert, wo das Klinikum in den vergangenen Monaten 2,8 Millionen Euro in die Neugestaltung der Station gesteckt hat.

Personalnot, Sicherheit und Wirtschaftlichkeit spielen eine Rolle

Der Aufsichtsrat des Klinikums hatte am 17. November die Empfehlung ausgesprochen, den Kreißsaal in Rastatt aufzugeben. Aus Sicht des medizinischen Geschäftsführers Thomas Iber und des kaufmännische Geschäftsführers Daniel Herke sprechen dafür mehrere Gründe.

So sei die Versorgungs- und Patientensicherheit in einer größeren Geburtshilfe besser. Bereits in der Vergangenheit seien tendenziell riskantere Geburten am Standort Balg abgewickelt worden. Ein weiterer Grund sei die schwierige Personalsituation. Bei einer Wiedereröffnung in Rastatt müssten weitere sieben Hebammenstellen besetzt werden.

Gemeinderat Baden-Baden muss noch zustimmen

Auch Geld spielt eine wichtige Rolle. Laut einem Gutachten würde der Betrieb von zwei Standorten zu zusätzlichen Kosten in Höhe von rund 780.000 Euro führen.

Diese Argumentation fand die Mehrheit des Kreistags plausibel, auch der neue Landrat Christian Dusch (CDU). Er sprach von einer „schwierigen und emotionalen Entscheidung“.

Er habe vor seinem Amtsantritt gedacht, dass es eine Lösung geben müsse, um die Geburtshilfe zu erhalten. Die Themen Versorgungssicherheit und Personal hätten ihn aber vom Gegenteil überzeugt: „Ich sehe keine Alternative zu diesem Beschlussvorschlag.“

Ich sehe keine Alternative zu diesem Beschlussvorschlag.
Arne Pfirmann, Kreisrat Freie Wähler

Rastatts Bürgermeister Arne Pfirrmann (FW) schloss sich dieser Einschätzung an, übte aber Kritik an der Kommunikation des Klinikums: „Die Gründe, die jetzt für die Schließung sprechen, sind die gleichen wie vor zwei Jahren.“ Mit etwas mehr Mut hätte man das auch schon damals sagen können. So habe der Prozess für viel Irritation gesorgt.

Formell in trockenen Tüchern ist die Schließung mit dem Kreistagsbeschluss noch nicht. Auch der Gemeinderat Baden-Baden muss der Empfehlung noch zustimmen. Das dürfte allerdings nur eine Formsache sein.

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