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Zukunft der Iffezheimer Rennen:

Wie geht es weiter mit der Iffezheimer Rennbahn? Gastronom legt neues Konzept vor

Die Zukunft der Iffezheimer Rennen steht nach wie vor in den Sternen. Ein Gastronomie-Unternehmer hat jetzt ein Konzept für eine Dauernutzung der Anlage vorgelegt. Die Trainer stehen seinen Plänen skeptisch gegenüber.

Wie geht es weiter in Iffezheim? Foto: Uli Deck/picture alliance/dpa

Erst hat Veranstalter Baden Racing Anfang Herbst vorigen Jahres die Notbremse gezogen und den Pachtvertrag mit der Gemeinde zum Ende des Corona-Jahres 2020 gekündigt.

Dann zog sich der Besitzer der Galopprennbahn Berlin-Hoppegarten, Gerhard Schöningh, genauso schnell von seinem geplanten Engagement in Iffezheim zurück wie er auf der Bildfläche aufgetaucht war. Nach wie vor ist die Zukunft des Hippodroms ungewiss. Doch es wird von verschiedenen Seiten her an einer Lösung gearbeitet.

Neben der regionalen Initiativ-Gruppe um den früheren Iffezheimer Bürgermeister Peter Werler, die sich um eine regionale Lösung bemüht, gibt es noch einen weiteren Interessenten aus der Region, der bereits ein Konzept zu einer ganzjährigen Nutzung und Bewirtschaftung der Anlage vorgelegt hat.

Es handelt sich um den Baden-Badener Gastronomie-Unternehmer, Projektentwickler und bisherigen Rennbahn-Caterer Mike Brandau, der eine Dauergartenschau mit Freizeit- und Erlebnisangeboten plant und seine Überlegungen bereits dem Gemeinderat vorgestellt hat.

Dauergartenschau mit Freizeit- und Erlebnisangeboten

Auf Anfrage teilt Brandau mit, dass seine Unternehmensgruppe der Gemeinde „ein ganzheitliches, nachhaltiges und vor allem langfristig wirtschaftlich belastbares Angebot zur unterjährigen Nutzung der Rennbahn in Iffezheim“ vorgelegt habe. Dabei stehe neben einer Drittnutzung der Anlage von April bis Oktober vor allem der vollständige Erhalt des Renn- und Trainingsbetriebes im Fokus der Bemühungen. Eine Entscheidung über das Nutzungskonzept seitens der Gemeinde stehe noch aus. Weitere Details würden zu gegebener Zeit bekanntgegeben.

Iffezheims Bürgermeister Christian Schmid erklärt hierzu: „Wir sind Herrn Brandau für seine Bemühungen sehr dankbar und stehen mit ihm und seinem Team wie auch mit weiteren Interessenten in ständigem Austausch.“ Sein Konzept sei grundsätzlich plausibel und beinhalte sehr gute Ansätze. Man stehe seinen Überlegungen offen gegenüber, so Schmid.

Das Konzept beinhaltet sehr gute Ansätze.
Christian Schmid, Bürgermeister

Nicht ganz so begeistert von Brandaus Ideen sind die Iffezheimer Trainer, die zwar wissen, dass auch außerhalb der Rennen Geld verdient werden muss, um den Fortbestand der Bahn und der Rennen zu sichern. Allerdings sehen sie gerade im Hinblick auf den täglichen Galopp-Betrieb auch jede Menge Konfliktpotenzial. „Wir haben von dem Konzept gehört. Aber leider wurde uns Trainern die Präsentation bis jetzt vorenthalten“, berichtet Trainersprecherin Carmen Bocskai.

„Wir haben jedoch über Dritte erfahren, dass wir täglich mit unseren Pferden auf dem Weg zur Bahn diese Gartenschau mit Freizeitpark im Bereich des bisherigen VIP-Parkplatzes passieren müssten. Sollte dies der Fall sein, wäre es unmöglich, das Training normal weiterzuführen“, verweist Bocskai auf ein hohes Unfall-Risiko „nicht nur für unsere Mitarbeiter und Pferde, sondern auch für die Besucher dieser Veranstaltung“.

Trainer sehen Konfliktpotenzial im Hinblick auf den täglichen Galopp-Betrieb

Galopptrainer Gerald Geisler hält eine möglichst große Auslastung der Anlage zwar für richtig und notwendig. „Sie sollte aber unser Training nicht beeinflussen. Der bisherige Pferdeweg zur Bahn führt den Bach entlang am Rennbahn-Eingang vorbei. Eine Kreuzung ist für Mensch und Tier gefährlich“, berichtet Geisler, dass sich diese Wegführung an den Renntagen und auch bei Messen schon als Problem erwiesen habe.

Als Lösung käme nur ein neuer Eingang in Betracht. „Den Leuten ist oft nicht klar ist, dass hier Pferde kreuzen. Die Tiere können mit den Hufen ausschlagen, so schnell kann man gar nicht reagieren.“ Es könne auch passieren, dass mal ein Reiter vom Pferd fällt, der Vierbeiner durchgeht und durch den Publikumsbereich läuft.

Ein reiterloses Pferd, das nach Hause galoppiert, ist wie ein Kamikazefahrer in der Fußgängerzone.
Carmen Bocskai, Trainersprecherin

Carmen Bocskai, die Bürgermeister Schmid in einem Brief auf diese Problematik hingewiesen hat, betont: „Ein reiterloses Pferd, das nach Hause galoppiert, ist wie ein Kamikazefahrer in der Fußgängerzone.“ Das Konzept basiere auf völlig praxisfremden Vorstellungen. Umzusetzen wäre es nur bei einer Verlegung des Ein- oder Übergangs an die 400-Meter-Marke. Hierfür müsste aber der Dachverband diesem Übergang auf der Zielgeraden zustimmen. „Genau das aber ist schon seit vielen Jahren ein Streitpunkt.“

Konzept wäre aus Trainersicht nur durch neuen Eingang umzusetzen

Keinen Hehl macht Bocskai daraus, dass sie sowohl den Plänen als auch dem Unternehmen Brandau sehr skeptisch gegenübersteht. „Ich befürchte, dass der Rennsport nur noch eine untergeordnete Rolle spielen könnte. Der bessere Ansatz aus meiner Sicht wäre es, in Iffezheim ein großes Pferdesportzentrum auch mit anderen Disziplinen zu entwickeln und hier die notwendigen Synergien zu schaffen“, betont die Trainersprecherin.



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