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Am 2. Oktober Eröffnung durch Finanzministerin

Im Rastatter Schloss werden die Haupträume des Türkenlouis aufgewertet

Wie lebten der Türkenlouis und Markgräfin Sybilla Augusta einst im Rastatter Schloss? Das können sich Besucher in der sogenannten Beletage ansehen. Diese wird jetzt umgestaltet, um das Erlebnis noch authentischer zu machen. Dabei kehren auch Möbel an ihren angestammten Platz zurück - nach 300 Jahren.

Zurück am angestammten Platz: Die Staatlichen Schlösser und Gärten haben dieses Schränkchen ersteigert, das einst im Schlafzimmer des Türkenlouis stand. Foto: Hans-Jürgen Collet

Die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg möbeln die Wohn- und Repräsentationsräume des Türkenlouis und der Markgräfin Sybilla Augusta im Rastatter Schloss auf. Und zwar wörtlich. Die sogenannte Beletage wird bis zum 3. Oktober umgestaltet, um den Besuchern das Leben in der barocken Residenz besser zu vermitteln.

Dafür hat das Land auch historische Möbel angeschafft, die mit großer Wahrscheinlichkeit bereits vor drei Jahrhunderten die Räumlichkeiten zierten.

Als die beiden Mitglieder des Restaurationsteams vorsichtig das Verpackungsmaterial zur Seite schieben und das Lackschränkchen freilegen, ist Michael Hörrmann ganz begeistert von dessen Zustand. „Das sieht toll aus”, sagt der Geschäftsführer der Staatlichen Schlösser und Gärten.

Die Inventarliste des Schlosses legt nahe, dass das schwarze Möbelstück mit eisernen Beschlägen und neun Schubladen einst im Schlafzimmer des Türkenlouis stand. Genau dorthin kehrt es im Rahmen der Umgestaltung der Beletage jetzt zurück.

Lackschränkchen geht bei Auktion für 8.000 Pfund weg

Konservatorin Petra Pechaček, zuständig für das Residenzschloss und die Neukonzeption der Beletage, hat das Stück 2017 bei Sotheby’s ersteigert. 23 Jahre zuvor war es schon einmal unter den Hammer gekommen - 1995 bei der großen Markgrafen-Auktion.

Schon damals sicherten sich die Staatlichen Schlösser und Gärten mehrere Stücke, die einst im Rastatter Schloss standen. Das Schränkchen ging allerdings nach Großbritannien und kehrt erst jetzt zurück.

8.000 Pfund legte Pechaček für das Stück auf den Tisch. Insgesamt investiert das Land rund 250.000 Euro in die Umgestaltung der Räume. Gemälde werden in neue Zusammenhänge gebracht und aufgehängt. Auch bisher lange nicht mehr gezeigte Kunstobjekte kommen zurück in die Beletage. Hörrmann sagt über das Ziel des Projekts: „Wir versuchen, das Schloss für die Besucher lesbar zu machen.”

Besseres Besuchererlebnis: Konservatorin Petra Pechaček erläutert das Konzept, bei dem auch bereits bekannte Stücke in neuer Form präsentiert werden sollen. Foto: Hans-Jürgen Collet

Denn so gut erhalten die Residenz auch ist, konfrontierte sie Pechaček und ihre Vorgänger stets mit einem Problem: Die Einrichtung war über die Jahrhunderte verloren gegangen. „Die Besucher wollen aber eingerichtete Schlösser sehen”, sagt Pechaček.

Nach der Eröffnung der Beletage 1989 sei es bei der Markgrafen-Auktion sechs Jahre später erstmals gelungen, einige „Spitzenstücke” zurück ins Schloss zu bringe. Gemeinsam mit weiteren Kunstobjekten aus anderen Standorten sei daraus um das Jahr 2000 die Ausstellung entstanden, die bis heute weitgehend unverändert blieb.

Konzept soll Funktionen der Räume sichtbar machen

Das neue Konzept soll die Funktionen der Räume eines absolutistischen Hofs vom Beginn des 18. Jahrhunderts sichtbar machen. Um die Objekte zu schützen, gibt es erstmals in der Geschichte des Schlosses einen Berührungsschutz in Form dezenter Absperrungen.

Aus Sicht von Pechaček kein Nach-, sondern ein Vorteil. Denn dafür verschwinden zahlreiche Berühren-verboten-Schilder, von denen es bislang teilweise acht Stück pro Zimmer gab. Pechaček freut sich, dass der Schilderwald verschwindet.

Ein Monat ist eingeplant für die Arbeiten in den Wohnungen von Markgraf und Markgräfin. Am 2. Oktober eröffnet Finanzministerin Edith Sitzmann die neu eingerichteten Räume – und ab dem Wochenende vom 3. und 4. Oktober ist die Beletage in ihrer neuen Präsentation wieder bei Führungen zu erleben.

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