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Gabriele Katzmarek überglücklich

Kai Whittaker holt Direktmandat im Wahlkreis Rastatt – ist aber im Zwiespalt der Gefühle

Große Freude bei der SPD im Wahlkreis Rastatt. Bei der CDU ist die Stimmungslage geteilt. Kai Whittaker holt deutlich das Direktmandat, wegen des Ergebnisses auf Bundesebene ist aber die Enttäuschung groß.

Bestens gelaunt: SPD-Bundestagsabgeordnete und Direktkandidatin Gabriele Katzmarek freut sich im Zay-Stübl zusammen mit dem Landtagsabgeordneten Jonas Weber über den Wahlerfolg der Sozialdemokraten. Foto: Ralf Joachim Kraft

Kai Whittaker (CDU) zieht zum dritten Mal in Folge für den Wahlkreis Rastatt in den Bundestag ein und freut sich über sein persönliches Ergebnis. „Dass ich über dem bundesweiten Parteiergebnis liege, zeigt mir das hohe Vertrauen, das die Menschen in der Region in mich haben“, sagt der Baden-Badener.

Ein Blick auf das bundesweite Ergebnis macht Whittaker weniger glücklich. „Das ist natürlich im Hinblick auf das Ergebnis kein Wahlabend, wie wir ihn uns gewünscht haben“, erklärt er. „Andererseits waren wir in den letzten Wochen bereits abgeschrieben und haben einen starken Aufwärtstrend zu verzeichnen. Es ist den Leuten eben nicht egal, wer das Land regiert. Die Menschen wünschen sich Verlässlichkeit und keine rot-rot-grünen Experimente. Ich will das schlechte Wahlergebnis aber nicht beschönigen.“

Wahlergebnis der CDU muss analysiert werden

Im Hinblick auf die Verluste bei der Kompetenzzuschreibungen der CDU im Bereich der Wirtschaftspolitik und der Kriminalitätsbekämpfung, die in der ARD dargestellt wurden, meint Whittaker: „Das zeigt mir, dass wir uns als Union auf die Zukunft konzentrieren müssen. Wir müssen das Wahlergebnis analysieren und unsere Kompetenzen verbessern, damit die Leute uns wieder mehr zutrauen.“

„Das ist ein super Ergebnis“, strahlt SPD-Bundestagsabgeordnete Gabriele Katzmarek nach der ersten, vielversprechenden Hochrechnung. „Wir haben einen tollen Wahlkampf geführt, in den vergangenen Wochen gigantisch zugelegt und alle Lügen gestraft, die uns bereits für tot erklärt haben. Ich bin überglücklich“.

Viele hätten geglaubt, die Sozialdemokraten würden sich nicht mehr erholen. Jetzt habe sich gezeigt, dass die Sozialdemokratie lebt. Vieles spreche dafür, dass es auf eine Ampelkoalition hinauslaufen werde. SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz habe einen intelligenten Wahlkampf geführt.

Wir haben die SPD mit Scholz wieder zu einer Marke gemacht.
Gabriele Katzmarek, SPD-Bundestagsabgeordnete

„Er ist für unsere Ideen und Ziele eingetreten“, betont die Bundestagsabgeordnete – und fügt hinzu: „Wir haben die SPD mit Scholz wieder zu einer Marke gemacht.“ Gleich an diesem Montagmorgen will Katzmarek, die ihr Bundestagsmandat behalten wird, nach Berlin reisen, um in der Fraktion über die weiteren Schritte zu beraten.

Thomas Gönner, Direktkandidat der Grünen im Wahlkreis Rastatt, freut sich „über das stärkste Wahlergebnis der Grünen im Bund und im Wahlkreis Rastatt“. Dennoch sei man mit einem noch stärkeren Anspruch in die Wahl gegangen, was das Ergebnis der Grünen angeht.

Er habe den Eindruck, „dass zuletzt einige unserer Wähler Scholz gewählt haben, um Laschet zu verhindern“. Wie sollten sich die Grünen bei möglichen Koalitionsverhandlungen nach seiner Meinung verhalten? Aus der Sicht von Gönner hat Olaf Scholz einen Regierungsauftrag, die Grünen sollten mit klarem Klimaschutz hinzukommen.

Gehrke wünscht keine Regierungsbeteiligung der CDU/CSU

Der FDP-Bundestagskandidat Sven Gehrke ist hochzufrieden mit seinem persönlichen Ergebnis, das deutlich über dem Bundesschnitt liegt. „Auf Bundesebene hätte ich mir etwas mehr gewünscht“, erklärt er. „Im Hinblick auf den Umweltschutz sind wir pragmatischer als die Grünen, die nur grüne Luftschlösser bauen. Wir setzen auf Technologieoffenheit, um das 1,5-Grad-Klimaziel einzuhalten.“

Gehrke wünscht keine Regierungsbeteiligung der CDU/CSU. „Eine Ampelkoalition erscheint mir der sinnvollste Weg, damit die CDU die Chance hat, sich zu erholen.“ Für die Koalitionsverhandlungen sollten sich nach Gehrkes Meinung zunächst FDP und Grüne zusammensetzen.

Tudor Costin, der Direktkandidat der Linken im Wahlkreis Rastatt, macht aus seiner Enttäuschung über das Ergebnis der eigenen Partei keinen Hehl: „Es spiegelt nicht unser Engagement wider, es haben sich sehr viele in der Region aktiv eingebracht.“

Ein Grund für das schlechte Abschneiden könne darin liegen, dass in der öffentlichen Wahrnehmung der Dreikampf um die Kanzlerschaft dominiert habe und deshalb der Fokus weniger auf den kleinen Parteien gelegen habe. Die Konsequenz für die Linke müsse nun sein, die eigene Position zu schärfen und die Inhalte besser zu vermitteln.

Hohe Wahlbeteiligung: Eine Wählerin gibt im Wahllokal in der Aloys-Schreiber-Schule in Bühl ihre Stimme ab. Nach der Landtagswahl vor einem halben Jahr galten wegen der Pandemie für die Bundestagswahl erneut strenge Hygienevorschriften. Foto: Ulrich Coenen

Julian Christ aus dem Rathaus Gernsbach ist im Landkreis Rastatt der einzige Bürgermeister, der Mitglied der SPD ist. Auf Basis der ersten Hochrechnungen am Abend freut er sich gegenüber den BNN: „Die SPD könnte zum ersten Mal seit 19 Jahren im Bund wieder die stärkste Kraft werden. Dass es so oder so ähnlich kommt, habe ich auch geglaubt, weil die Vorhersagen zuletzt doch sehr stabil gewesen sind.“

Nach einer langen und spannenden Wahlnacht erwartet der Gernsbacher Bürgermeister für die nächste Zeit „viele Interpretationen, wer mit wem ein Bündnis schließen kann“.

Becker sieht Licht und Schatten

Licht und Schatten am Wahlabend erkennt der CDU-Landtagsabgeordnete Alexander Becker: „In unserem Wahlkreis haben wir ein super Ergebnis für Kai Whittaker erzielt. Das ist eine Bestätigung für seinen engagierten Wahlkampf, denn in Mittelbaden sind wir die stärkste Kraft. Im Blick auf die Ergebnisse im Bund müssen wir die Entscheidung der Wähler akzeptieren.“

Der Amtsbonus von Angela Merkel sei weggefallen, sagt Becker. Die CDU habe sich zu lange mit der Frage beschäftigt, wer Vorsitzender und Spitzenkandidat wird. „Auch durch die Auseinandersetzungen mit unserer Schwesterpartei haben wir wohl einige Prozentpunkte verloren“, meint er. Becker ist der Überzeugung, dass die Leute es lieber sehen würden, wenn sich die Parteien um Lösungen kümmern würden, als mit sich selbst zu beschäftigen.

Der neue Vorsitzende der SPD-Kreistagsfraktion Walter Jüngling hält es für spannend, „wie unsere Wahlziele in dieser Konstellation umgesetzt werden können“. Es sei die Frage, welche Politik mit Christian Lindner von der FDP möglich sein wird. „Mit den Grünen ist das weniger problematisch“, glaubt Jüngling.

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