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Schwerpunktkontrolle am Bahnhof Rastatt

Polizei nimmt in Rastatt Maskensünder ins Visier

Die Polizei hat am Bahnhof Rastatt mit zahlreichen Beamten die Maskenpflicht kontrolliert. Die Einsatzkräfte mussten viele Gespräche führen. Was die meisten nicht wissen: Die Maskenpflicht gilt nicht nur im Bahnhof selbst.

„Das war mir nicht bewusst“: Nachdem die beiden Beamten die Frau ermahnt haben, zieht sie sich schnell die Maske an der Bushaltestelle über. Foto: Hans-Jürgen Collet

Die Frau schaut ein bisschen erschrocken drein, als die beiden Polizisten sie auf dem Rastatter Bahnhofsvorplatz ansprechen. „Sie müssen bitte eine Maske aufziehen“, ermahnt sie der eine Beamte. Die Passantin steht an einer der Bushaltestellen. Was kaum einer weiß: Auch dort gilt die Pflicht, einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen. „Das war mir nicht bewusst“, sagt die Frau, die sich ihre Maske schnell aufzieht. So wie ihr erging es am Freitag vielen Passanten im und vor dem Bahnhof. Die Polizei hatte das Areal für eine Schwerpunktkontrolle ins Visier genommen.

Die Aktion ist Teil des sogenannten Sicherheitstages, bei dem im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Offenburg von Freitag- bis Samstagmorgen 53 offene und auch verdeckte Maßnahmen stattfinden. Am Nachmittag macht sich Polizeipräsident Reinhard Renter ein Bild von der Kontrolle in Rastatt. Während er vor dem Eingang des Bahnhofs die Eckpunkte des Sicherheitstages skizziert, stoppt ein Beamter im Hintergrund eine Gruppe junger Männer, die ohne Maske das Gebäude betreten möchte: „Halt, hier ist Maskenpflicht.“ Dabei trägt auch der Polizeipräsident in drei Meter Entfernung keinen Mundschutz. Der Unterschied: Der Platz direkt vor dem Eingang ist kein Wartebereich. Deshalb dürfen die Beteiligten des Pressegesprächs dort ohne Maske stehen.

Auf dem Vorplatz fehlen Hinweisschilder

Dass diese Regelungen der Mehrheit der Fahrgäste nicht geläufig sind, bestätigt einer der Beamten im Einsatz. Etwa drei Viertel der Passanten am Busbahnhof müssten auf die Maskenpflicht hingewiesen werden, lautet seine Schätzung. Im Gegensatz zum Bahnhofsinneren, wo zahlreiche Schilder die Regeln kommunizieren, gibt es auf dem Vorplatz keinerlei Hinweise.

Fast alle Maskensünder reagieren aber mit Einsicht. Andreas Dahm, der Leiter des Polizeireviers Rastatt, beschreibt die übliche Reaktion: „Ach so. Das wusste ich nicht.“ Ziel der Kontrolle sei es, Aufklärungsarbeit zu leisten und nicht Strafen zu verhängen. 500 Personen habe die Polizei allein im morgendlichen Berufsverkehr im Blick gehabt. „In 16 Fällen hatten wir Schwierigkeiten“, sagt Dahm. Bußgelder seien aber keine verteilt worden. Im gesamten Präsidiumsbereich gab es laut Renter allerdings 77 Verstöße, bei denen Beamte die Betroffenen zur Kasse baten: 50 Euro bei Fahrlässigkeit, 100 Euro bei Vorsatz.

Wenn der Bus einfährt, werden keine Abstände gewahrt.
Mario Mohr, Landkreis-Dezernent

Die Schülerinnen, die neben Renter zügig zum Bus laufen, müssen nicht den Geldbeutel zücken. Sie ziehen sich schnell die Maske über, als einer der Beamten sie anspricht. Mario Mohr, dessen Dezernenten-Büro im Landratsamt Rastatt direkt auf der anderen Straßenseite liegt, erklärt den Sinn der für die meisten unbekannten Regelung: „Wenn der Bus einfährt, drängen sich die Menschen an der Haltestelle zusammen. Da werden keine Abstände gewahrt.“ Deshalb sei es notwendig, die Maske bereits im Wartebereich zu tragen.

Kommunaler Ordnungsdienst kontrolliert in Gaststätten

Christian Junger vom kommunalen Ordnungsdienst der Stadt Rastatt ist ebenfalls vor Ort. Auch seine Mitarbeiter führen regelmäßig Corona-Kontrollen durch. Der Bahnhof ist allerdings nicht ihr Hoheitsgebiet. Ein Schwerpunkt der Arbeit sind Gaststätten. Meistens geht der Ordnungsdienst Hinweisen auf Verstöße aus der Bevölkerung nach. Auch hier gilt laut Junger die Leitlinie: „Erst sensibilisieren, dann sanktionieren.“

Ein Lob hält Dahm für Schüler und auch deren Eltern bereit. Seine Einsatzkräfte hätten am Morgen die Schulwege im Blick gehabt. Viele Kinder und Jugendliche hätten schon auf dem Weg in den Unterricht Masken getragen. „Hut ab!“, sagt Dahm. Die Beamten wollten außerdem wissen, ob sich die Zahl der Elterntaxis vor den Schulen und damit das Unfallrisiko erhöht habe. Auch hier gebe es Entwarnung: „Business as usual“, sagt der Revierleiter.

In 16 Fällen hatten wir Schwierigkeiten.
Andreas Dahm, Revierleiter

Die Fahrer der Taxis, die am Bahnhof warten, verfolgen die Aktion mit großen Augen, Mund und Nase haben auch sie bedeckt. Heute herrscht auf dem gesamten Areal verordnete Disziplin. Ob das auch am nächsten Tag so sein wird, wenn das Großaufgebot wieder verschwunden ist, erscheint fraglich. Aber Dahm hält es für wichtig, ein Zeichen zu setzen. Wenn Regeln wie die Maskenpflicht eine Weile in Kraft seien, müssten die Menschen manchmal an sie erinnert werden. Schilder auch auf dem Vorplatz könnten für die Erinnerung im Alltag zumindest nicht schaden. Das findet auch die ermahnte Frau im Gespräch mit den beiden Polizisten: „Das steht hier ja nirgends.“

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