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Riko Rockenbauch wird von Corona ausgebremst

Rastatter Nachwuchs-Segler: Abwarten, bis die Corona-Flaute vorüber ist

Trockentraining statt Wasserstunden, einsamer Kampf zuhause statt mit dem Partner auf dem Boot: Auf dem Weg zu Olympia 2024 ist die Corona-Pandemie eine harte Disziplin-Probe für Riko Rockenbauch vom Ruder-Club Rastatt.

Der erste große Erfolg: 2018 holte sich Riko Rockenbauch seinen ersten Deutschen Jugend-Meistertitel in Berlin. Foto: Ralf Rockenbauch/privat

Eigentlich würde Riko Rockenbauch vom Ruder-Club Rastatt jetzt in Barcelona trainieren. Dort verbringt der Segler immer seine Winter. Wegen der Corona-Pandemie wird nichts aus dem spanischen Winter. Dafür will der 17-Jährige aus Mainz mit seinem Freiburger Steuermann Moritz Dorau an den Wochenenden nun häufiger auf dem Schluchsee im Südschwarzwald die Segel hissen.

Abhängig zu sein von äußeren Einflüssen, das ist Rockenbauch gewohnt. Bei Regen und Sturm hat sich der Vorschoter, der durch schnelle Bewegungen und das Bedienen der Segel für das Gleichgewicht im Boot zuständig ist, wohl schon oft Sonne, blauen Himmel und ein paar Knoten weniger bei der Windgeschwindigkeit gewünscht. Dass das nichts bringt, weiß der Segler aus der Jugend-Nationalmannschaft nur allzu gut.

Der Segler lernt sehr früh, Pausen sinnvoll zu nutzen, aber dann auch wieder rechtzeitig am Start zu sein. Es ist eine Kombination aus Entspannung und Anspannung.
Ralf Rockenbauch / Vater von Riko

So auch bei der Corona-Pandemie: Er selbst kann mit seinem Verhalten zwar seinen Teil zur Eindämmung beitragen, doch die Entwicklung und die sich daran orientierenden Maßnahmen kann er nicht beeinflussen. Die Segler sind jetzt im Standby-Modus, warten ab, bis die Flaute vorüber ist.

Für den Umgang mit der Corona-Pandemie biete das Segeln die besten Voraussetzungen, erklärt Rikos Vater Ralf Rockenbauch: „Der Segler lernt sehr früh, Pausen – weil Flaute ist – sinnvoll zu nutzen, aber dann auch wieder rechtzeitig am Start zu sein. Er lernt, immer auf Abruf zu sein. Es ist eine Kombination aus Entspannung und Anspannung.“

Vor dem Lockdown: Training in Barcelona mit dem 29er-Segelboot Foto: Ralf Rockenbauch/privat

An neun hochkarätigen, internationalen Wettkämpfen hätte Rockenbauch in diesem Jahr eigentlich teilgenommen, letztlich waren es drei. Die Logistik war organisiert, die Unterkünfte gebucht, der Trainingsplan auf die Weltmeisterschaft hin ausgerichtet.

Den saisonalen Höhepunkt seiner maximalen körperlichen Leistungsfähigkeit wird der 17-Jährige im Dezember erreichen. Dann wäre er auf der Jugend-WM im brasilianischen Salvador an den Start gegangen. Doch die wurde abgesagt. Auch die Europameisterschaft ist ins Wasser gefallen.

Deutscher Jugend-Segel-Meister trainiert nun auf einen Marathon

Ein Jahr ganz ohne Meistertitel ist es für Vorschoter Rockenbauch und Steuermann Dorau aber nicht geworden. Im 29er-Segelboot holten sie sich in Glücksburg an der Ostsee ihren zweiten Deutschen Meistertitel. Doch seit Oktober fallen die Regatten weg, auf die Rockenbauch sonst hintrainiert.

Sobald das Ziel fehlt, wird es auch schwierig mit der Motivation. Deshalb sollte sich jeder Athlet ein Ziel in einem anderen Bereich setzen, erzählt Rockenbauch über die Vorgaben des deutschen Bundesnachwuchstrainers.

Sonnenuntergänge: liebt Segler Riko Rockenbauch besonders, wenn er sie vom Boot aus miterleben kann. Foto: Ralf Rockenbauch/privat

Der 17-jährige Segler bereitet sich nun auf den Gutenberg Marathon in Mainz vor. Denn auf die Ausdauer kommt es auch im Segelsport an. Bis zu sechs Stunden ist er mit seinem Partner während eines Wettkampftages auf dem Wasser. Eine Wettfahrt dauert um die 30 Minuten, vier bis fünf Wettfahrten werden an drei bis fünf Wettkampftagen ausgetragen. Auf dem Plan steht nun erst einmal viel Athletiktraining. Radfahren, schwimmen, laufen, Krafttraining.

Über die sozialen Medien steht Rockenbauch mit den anderen Kaderathleten und dem Trainer in engem Kontakt. Einmal in der Woche analysieren sie in einer Videoschalte die Trainingsresultate und besprechen den Plan für die nächsten sieben Tage.

Manchmal machen wir unser Krafttraining gemeinsam per Videoübertragung.
Riko Rockenbauch / Segler beim RC Rastatt

Dann sind sie alle beisammen, der Vorschoter in Mainz, der Steuermann in Freiburg und der Trainer vom Bundesstützpunkt in Friedrichshafen. „Manchmal machen wir unser Krafttraining sogar gemeinsam per Videoübertragung“, sagt Riko Rockenbauch.

„Dann wird gezählt, wer macht mehr Push-ups, wer springt höher“, ergänzt Vater Ralf Rockenbauch. Der Trainer habe eine gesunde Mischung aus Motivation durch den Wettkampfgedanken und Kontrolle gefunden. Dies sei wichtig, um die Jugendlichen bei der Stange zu halten.

Das eine große Ziel, das größte für einen Segler, steht jedenfalls schon fest. Riko Rockenbauch will 2024 bei den Olympischen Spielen in Paris dabei sein. Die ersten Vorbereitungen stehen schon an. Auf dem Schluchsee will er mit Steuermann Dorau vom 29er-Segelboot auf die olympische Bootsklasse des 49er umsteigen.

Segel-Team: Vorschoter Riko Rockenbauch (links) mit Steuermann Moritz Dorau im Olympia-Zentrum in Kiel Foto: Ralf Rockenbauch/privat

Vorbereitung auf die Olympischen Spiele 2024 auf dem Schluchsee

Das Boot ist noch schneller und es ist taktisch anspruchsvoller, da der Steuermann nicht mehr im Boot sitzt, sondern auch im Trapez hängt. Die gemeinsame Wasserzeit mit seinem Steuermann ist für Rockenbauch deshalb umso wertvoller: „Jede Wasserstunde, die Moritz und ich auf dem Boot verbringen, ist sehr wichtig. Wir lernen uns noch besser kennen. Das blinde Verständnis, also zu wissen, was der andere in welcher Situation wann macht, ist von enormer Bedeutung bei den Manövern.“

Und dann gibt es da noch ein kleineres Ziel in naher Zukunft: die Rastatter Segelregatta am 6. Dezember auf dem Goldkanal. Sollte sie tatsächlich stattfinden, wäre das für Riko Rockenbauch ein wahres Nikolaus-Geschenk – eine frische Brise mitten in der Corona-Flaute.

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