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In Mittelbaden so wenig Verkehrstote wie noch nie

Statistik des Polizeipräsidiums Offenburg: In Mittelbaden so wenig Verkehrstote wie noch nie

Die Pandemie hat ausnahmsweise auch einmal positive Folgen: Im Bereich des Polizeipräsidiums Offenburg gab es weniger Unfälle und weniger Verkehrstote. Dennoch wird es weitere Kontrollen geben.

Corona lässt Unfallzahlen sinken. (Archivbild) Foto: Bernhard Margull/Archiv

Erst so schräg durch die Kurve, dass die Funken fliegen, dann weiter auf dem Hinterrad: Der Anblick spektakulärer Motorrad-Stunts auf der Schwarzwaldhochstraße bei Baden-Baden gehörten für die Beamten des Polizeipräsidiums Offenburg ebenso zu den „Erfahrungen“ des Jahres 2020 wie der Raser, der auf der Autobahn bei Baden-Baden mit Tempo 220 geblitzt wurde.

Unter dem Strich zieht Polizeipräsident Reinhard Renter mit Blick auf das vergangene Jahr dennoch eine positive Bilanz: Die Zahl der Unfälle ist ebenso wie die der Verkehrstoten deutlich zurückgegangen.

Corona hat in der Statistik deutliche Spuren hinterlassen. Die Zahl der Unfälle sank im Zuständigkeitsbereich des Offenburger Präsidiums – neben dem Ortenaukreis gehören dazu auch der Landkreis Rastatt und der Stadtkreis Baden-Baden – um 18,5 Prozent auf 15.126. Bei 2.312 Unfällen wurden Menschen verletzt, das entspricht einem Rückgang um 10,6 Prozent.

Um fast ein Drittel gesunken ist die Zahl der Verkehrstoten: 20 Menschen verloren bei Unfällen ihr Leben. So wenig wie noch nie: „Als ich 1977 meinen Dienst bei der Polizei begann, gab es 113 Verkehrstote allein in der Ortenau“, zog Polizeipräsident Renter in einer Videokonferenz zur Vorstellung der aktuellen Unfallzahlen eine beeindruckende Parallele. Dennoch will er alles dafür tun, dass deren Zahl weiter sinkt.

Sieben Radfahrer unter den Toten

Unter den Toten sind auch sieben Radfahrer, davon zwei Seniorinnen, die bei Unfällen mit ihren Pedelecs so schwere Verletzungen erlitten, dass ihr Leben nicht gerettet werden konnte. Tatsächlich sind die Unfallzahlen bei den Radfahrern 2020 als einzige in der Statistik gestiegen.

Unfallbarometer 2020 LK Rastatt, LK Ortenau Foto: BNN Infografik

Das gilt insbesondere für die immer beliebter werdenden Räder mit elektrischem Antrieb: Die Polizei musste in diesem Bereich im vergangenen Jahr 212 Unfälle aufnehmen, 48,3 Prozent mehr als im vergangenen Jahr.

Posern geht es darum, die Strecke möglichst schnell zu fahren.
Peter Westermann, Leiter Verkehrspolizeiinspektion

Bei den Motorradunfällen zeichnete Peter Westermann als Leiter der Verkehrspolizeiinspektion ein unterschiedliches Bild. Zwar ist deren Zahl um knapp zehn Prozent gesunken, die Unfälle mit Verletzten hat jedoch zugenommen.

Westermann verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass 13 sogenannte „Risikostrecken“ im Einzugsbereich des Polizeipräsidiums Offenburg liegen. Hinzu komme eine neue „Poser-Szene“, die sich auf einem Parkplatz am „Helbingfelsen“ bei Baden-Baden traf: „Hier geht es darum, die Strecke möglichst schnell zu fahren“, berichtete Westermann.

Unfallbarometer 2020 SK Baden-Baden Foto: BNN Infografik

Mit entsprechenden Knie-Pads ausgerüstet, lassen die Motorradfahrer in der dortigen Kurve die Funken sprühen, um mit möglichst spektakulären Filmchen in den einschlägigen Internetforen zu „glänzen“. Allein an dieser Stelle hat Westermann acht Unfälle gezählt. Polizei und Stadt Baden-Baden machten dem Treiben schließlich ein Ende, indem der Parkplatz gesperrt wurde.

Zu hohes Tempo und mangelnder Abstand waren auch 2020 die häufigsten Unfallursachen im Bereich des Polizeipräsidiums. Und genau hier will die Polizei ansetzen. Renter und Westermann kündigten verstärkt Abstandmessungen an, unter anderem an den beiden Messstellen auf Autobahnbrücken bei Baden-Baden und Lahr.

Unfallbarometer 2020 LK Rastatt Foto: BNN Infografik

Und auch mit zusätzlichen Tempokontrollen müssen die Verkehrsteilnehmer rechnen: Zum Einsatz kommen unter anderem die Laser-Messgeräte der einzelnen Polizeireviere, aber auch ein neuer „Enforcement Trailer“ des Polizeipräsidiums: „Die Anhänger sind hochflexibel einsetzbar und nach dem Aufstellen innerhalb von einer Minute einsatzbereit“, so Peter Westermann.

Seine „Bewährungsprobe“ hat das fahrbare Überwachungsgerät bereits an seinem ersten Tag bestanden, als es einen besonders dreisten Raser erwischte: Satte 100 Stundenkilometer zu schnell.

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