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Neue Teststation

Kürzer als jede Pipi-Pause: So läuft der Corona-Test an der A5 bei Neuenburg

Der Corona-Abstrich an der Autobahn-Teststation auf der A5 dauert keine drei Minuten. Das Rote Kreuz Müllheim hat das landesweit erste Corona-Drive-Through für Reiserückkehrer aus dem Süden organisiert.

Corona-Test statt Kaffeepause: Auf dem Parkplatz Neuenburg-Ost an der A5 aus Richtung Süden kommend, können sich Reiserückkehrer einem kostenlosen und freiwilligen Rachenabstrich unterziehen. Der Landesverband Baden des Deutschen Roten Kreuzes hat die Teststation im Auftrag des Sozialministeriums errichtet. Foto: Philipp von Ditfurth picture alliance/dpa

Lars kennt das schon. Mund weit aufmachen, Zunge raus und warten - bis der Würgereiz vorbei ist. Ungerührt lässt der Neunjährige den Abstrich im Rachen über sich ergehen. Seine Schwester Carla nimmt es nicht ganz so gelassen. Unruhig rutscht sie im Kindersitz hin und her, bevor sie schließlich den Mund öffnet.

„Sie ist erst sechs”, erklärt der große Bruder entschuldigend. Für Lars ist so ein Corona-Test nichts Neues. Dass der Abstrich an diesem Morgen aber in dem Auto gemacht wird, mit dem die Familie gerade aus dem Sommerurlaub zurückkehrt, das findet der aufgeweckte Schüler schon ungewöhnlich. „Und auch sehr praktisch.”

Seit den frühen Morgenstunden des Freitags können sich nun auch in Baden-Württemberg Reiserückkehrer an der Autobahn auf das Virus testen lassen. Punkt 6 Uhr am Morgen nahm die Corona-Teststation auf dem Parkplatz Neuenburg-Ost auf der A5 von Süden her kommend ihren Betrieb auf. Im Auftrag des Sozialministeriums führt der Landesverband Baden des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) die Massentestungen für Pkw-Fahrer, Wohnmobil-Lenker und Biker durch.

Kostenlose Testung wird gern angenommen

„Wir haben schon gleich nach dem Grenzübergang in Weil am Rhein das Schild gesehen und uns entschieden, das zu machen”, sagt Sandy aus Lahr. Zu sechst und mit zwei Autos war die Freundesgruppe in den vergangenen zehn Tagen im italienischen Genua in Urlaub.

Das Angebot der kostenlosen Testung will sich keiner in der Gruppe entgehen lassen. „Auch wenn Italien jetzt eigentlich kein Risikogebiet ist, fanden wir es sinnvoll, das zu machen. Wir wollen Gewissheit und zu Hause ja niemanden anstecken”, erklärt Sandy bevor ein Mitarbeiter des DRK sie auffordert, näher heranzufahren.

Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir innerhalb von 48 Stunden ein Ergebnis haben.
Hendrick Borucki, Pressesprecher des Bioscientia Labors Ingelheim

„Bitte ziehen Sie ihren Mund-Nasen-Schutz an”, fordert der junge Mann in der roten Warnweste höflich. Dann bittet er jeden einzelnen Autoinsassen um die Krankenversicherten-Karte. Die wird in ein tragbares Lesegerät mit angeschlossenem Drucker gesteckt. Sofort produziert die Maschine einen Sticker mit Personendaten, der auf ein Formular geklebt wird. „Jetzt müssen Sie hier bitte eine Telefonnummer eintragen”, sagt der Rot-Kreuz-Helfer und gibt das Formular ins Wageninnere. Pro Haushalt ein Bogen.

Ergebnisse in 24 bis 48 Stunden

Nach einer knappen Minute kann Sandy den Wagen an die „Abstrichstation 1” in 30 Metern Entfernung vorfahren. Dort sammelt ein Mitarbeiter im weißen Ganzkörperschutzanzug das Formular ein und nimmt eine Probe von Sandys Rachenschleimhaut. Das verschlossene Röhrchen mit der Probe und den Meldebogen reicht er an einen Kollegen zur Weiterverarbeitung weiter. Drei identische Barcode-Aufkleber stellen sicher, dass das Röhrchen nicht einem anderen Menschen zugeordnet wird.

„Ahhhh” an der Autobahn: Auf dem Parkplatz Neuenburg-Ost an der A5 aus Richtung Süden kommend, können sich Reiserückkehrer einem kostenlosen und freiwilligen Corona-Test unterziehen. Der Landesverband Baden des Deutschen Roten Kreuzes hat die Teststation im Auftrag des Sozialministeriums errichtet. Foto: Philipp von Ditfurth picture alliance/dpa

Einer kommt auf die Probe, der nächste auf das Formular mit Sandys Daten und Telefonnummer. Beides geht ins Labor nach Ingelheim. Den dritten Sticker erhält Sandy. „Wenn Sie nichts von uns hören, können sie diese Nummer im Internet eingeben. Sie finden dann dort eine Bestätigung, dass Ihr Test negativ ausgefallen ist”, erklärt der Vermummte. Wann sie das Testergebnis erfragen kann, möchte Sandy noch wissen. „In 24 bis 48 Stunden”, lautet die Antwort. Dann folgt ein freundliches „Gute Fahrt” und Sandy kann mit ihrem Wagen wieder in den fließenden Verkehr auf der Autobahn einscheren.

Vor wenigen Tagen erst erhielt der DRK-Präsident für Baden, Jochen Glaeser, den Anruf aus dem Sozialministerium in Stuttgart. Nach der Einrichtung verschiedener Teststationen für Reiserückkehrer an Bahnhöfen und Flughäfen im Land wollte Minister Manne Lucha (Grüne) auch den Pkw-Verkehr versorgt wissen. „Wir haben nicht lange überlegt, sondern sofort unsere Netzwerke aktiviert”, berichtet Glaeser.

Wir wollen Gewissheit und zu Hause niemanden anstecken.
Sandy, Reiserückkehrerin aus Italien

Mit der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) habe man sehr schnell einen verlässlichen und vertrauenswürdigen Partner gefunden. Denn ein Chaos wie bei den Massentestungen in Bayern, galt es um jeden Preis zu vermeiden. Die KV war mit Geräten zur elektronischen Erfassung der vielen sensiblen Personendaten sofort vor Ort. Die fehlerträchtige handschriftliche Aufnahme entfällt.

Corona-Test statt Kaffeerast: Auf dem Parkplatz Neuenburg-Ost an der A5 aus Richtung Süden kommend, können sich Reiserückkehrer einem kostenlosen und freiwilligen Corona-Test unterziehen. Der Landesverband Baden des Deutschen Roten Kreuzes hat die Teststation im Auftrag des Sozialministeriums errichtet. Foto: Philipp von Ditfurth picture alliance/dpa

Gerlinde Engler, die Geschäftsführerin des zuständigen DRK-Kreisverbandes Müllheim, hat auch deshalb keine großen Alpträume. „Das ist natürlich für uns alle Neuland und wir haben überhaupt keine Ahnung, wie groß der Ansturm sein wird, aber ich bin sehr zuversichtlich, dass wir das gut organisiert haben”, sagt sie. Auch was das Personal angeht, machen sie und Präsident Glaeser sich keine Sorgen. „Wir haben sehr viele Menschen als Helfer gewinnen können, das war wirklich fantastisch”, lobt Glaeser.

Drei heiße Wochenenden kommen noch

In den kommenden drei Wochen, genauer bis zum Ende der Sommerferien in Baden-Württemberg, wird sich zeigen, wie effektiv die Teststation an der Autobahn arbeitet. Die Station ist täglich von 6 bis 22 Uhr geöffnet.

Je nach Verkehrsaufkommen werden zwei oder drei Abstrichstellen zur Verfügung stehen. 25 Helfer braucht es täglich vor Ort. Dazu kommen noch Verkehrspolizisten, die im Fall eines Rückstaus die Teststation schließen. Pro Mensch rechnen die Organisatoren mit einer Abfertigungszeit von drei Minuten. „Aber wie es wird, wenn die heißen Rückreisewochenenden kommen, können wir natürlich erst sagen, wenn es soweit ist”, betont Gerlinde Engler.

Sämtliche auf der Autobahn erhobenen Proben werden ein- bis zweimal täglich vom Testlabor in Ingelheim abgeholt. Mittels eines PCR-Tests wird dort nach eventuell vorhandenen Viren gesucht. „Es kommt natürlich darauf an, wie schnell die Proben bei uns sind, aber wir sind sehr zuversichtlich, dass wir innerhalb von 48 Stunden ein Ergebnis haben”, sagt Pressesprecher Hendrick Borucki. Auch diese Panne der Bayern gilt es zu vermeiden.

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