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Politiker umgehen Demo in Karlsruhe durch vorzeitiges Eintreffen

Hunderte Mitarbeiter des Badischen Staatstheaters demonstrieren vor Verwaltungsratssitzung

Der Unmut ist unübersehbar: Rund 270 Theaterleute haben am Freitag vor der Sitzung des Verwaltungsrats des Staatstheaters Karlsruhe gegen die Amtsführung von Generalintendant Peter Spuhler demonstriert.

Haltung und Verhalten forderten zahlreiche Demonstranten unter Anspielung auf das Motto der kommenden Spielzeit vom Verwaltungsrat des Badischen Staatstheaters. Foto: Uli Deck

„Von Haltung und Verhalten” lautet das Motto für die Spielzeit am Badischen Staatstheater 2020/21. Haltung und Verhalten forderten nun rund 270 Theatermitarbeiter vom Verwaltungsrat des Theaters ein: Sie demonstrierten mit Hochhalten des Spielzeitprogramms vor der Nancyhalle, in der sich der Verwaltungsrat zur Beratung über die Welle der Kritik an Generalintendant Peter Spuhler getroffen hat. Über eine Entscheidung soll die Presse um 12 Uhr informiert werden.

Generalintendant Peter Spuhler auf dem Weg zur Verwaltungsratssitzung des Badischen Staatstheaters. Vor der Nancyhalle haben sich rund 270 Theatermitarbeiter zu einer Demonstration versammelt. Foto: Marko Cirkovic

Einem Gang durchs Spalier von hunderten Theatermitarbeitern entgingen die meisten Mitglieder des Verwaltungsrats, darunter auch dessen Vorsitz-Duo Kunstministerin Theresia Bauer (Die Grünen) und der Karlsruher Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD).

Sie trafen bereits zur eine Stunde zuvor angesetzten Sitzung des Bauausschusses an der Halle ein. Gleiches galt für die Karlsruher Kulturamtsleiterin Susanne Asche, während Kulturbürgermeister Albert Käuflein (CDU) pünktlich zur Verwaltungsratssitzung eintraf und durch das versammelte Spalier ging.

Theresia Bauer gilt als schützende Hand

Die Hauptadressatin des Demo wäre allerdings wohl Theresia Bauer gewesen gewesen, die sich trotz ihres frühen Eintreffens schon rund zwei Dutzend Demonstrierenden gegenübersah. Die schützende Hand der Kunstministerin, die Peter Spuhler seit dessen Amtszeit in Heidelberg als eng verbunden gilt, wird als wesentlicher Grund für die 2019 erfolgte zweite Vertragsverlängerung von Spuhler gesehen.

Badisches Staatstheater Karlsruhe, Verwaltungsratssitzung, unter anderem wegen Generalintendant Peter Spuhler Foto: Uli Deck

Indirekt bestätigt wurde dies von der Karlsruher SPD-Stadträtin Elke Ernemann, die ebenfalls dem Verwaltungsrat angehört. Auch sie traf pünktlich zur Sitzung ein und war außer der Grünen-Stadträtin Renate Rastätter das einzige Mitglied des Gremiums, das sich für Gespräche mit den demonstrierenden Theaterleuten Zeit nahm.

Ernemann wurde gefragt, ob der Verwaltungsrat darüber informiert worden sei, dass seitens des Theaters beim Ministerium ausdrücklich darum gebeten worden war, von dieser zweiten Vertragsverlängerung abzusehen. Ernemann erklärte, eine solche Information nie erhalten zu haben.

Kritik an Amtsführung wurde zu großer Welle

Hintergrund der Krise ist eine enorme Welle der Kritik aus dem Theater an der Amtsführung von Peter Spuhler, der das Arbeitsklima und die Arbeitsqualität am Haus durch enormen Kontrolldruck, rüden Umgangston und Leistungsanforderungen bis hin zum Burn-Out schwer beschädigt haben soll.

Badisches Staatstheater Karlsruhe, Verwaltungsratssitzung, unter anderem wegen Generalintendant Peter Spuhler Foto: Uli Deck

Auch die Reaktionen von Kunstministerin Theresia Bauer und Karlsruhes Oberbürgermeister Frank Mentrup auf die Kritik an Spuhler stoßen auf deutlichen Widerspruch.

Widerspruch gegen politisches Statement

Vor allem ihre Aussage, die nun diskutierten Vorwürfe seien „neu und erstmals aufgeworfen” hat den Protest erst richtig in Gang gebracht. So sahen sich die Orchester- und Chorvorstände genötigt, in einem ausführlichen Schreiben klarzustellen, dass die Politik seit Jahren über die Missstände am Haus informiert wurde, ohne dass irgendeine Änderung eintrat.

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