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Tagung wurde verschoben

Krise am Badischen Staatstheater: „Bewährung“ noch bis Ende November

An diesem Mittwoch hätte der Verwaltungsrat des Staatstheaters über die Maßnahmen gegen die Führungskrise beraten sollen. Die Tagung ist verschoben. Wie ist der Stand der Dinge?

Weiterhin nicht nur außen eine Baustelle: Das Badische Staatstheater Karlsruhe befindet sich in einem Reformprozess, dessen Ende ungewiss ist. Foto: Rake Hora

„Ein Stück weit hat Peter Spuhler jetzt Bewährung“, beschrieb Karlsruhes Oberbürgermeister Frank Mentrup Ende Juli die Situation am Badischen Staatstheater. Diese Bewährung wäre eigentlich an diesem Mittwoch abgelaufen: Für dieses Datum war die nächste Sitzung des Verwaltungsrats geplant gewesen, der die akute Führungskrise um den Generalintendanten Spuhler mit einem umfangreichen Maßnahmenkatalog in den Griff bekommen will. Und bis November, so hatte Mentrup als stellvertretender Vorsitzender des Verwaltungsrats erklärt, müsse sich zeigen, ob die eingeleiteten Maßnahmen greifen und ob der stark kritisierte Theaterchef Spuhler sich tatsächlich ändern kann.

Sitzung um fast vier Wochen verschoben

Mitte Oktober wurde diese Sitzung, die nicht nur theaterintern mit großer Spannung erwartet wird, wegen zeitlicher Überschneidung mit einer Landtagssitzung auf den 30. November verschoben. Dieses zusätzliche Zeitfenster wurde von Kritikern bereits als Signal einer Politik des Aussitzens gedeutet, könnte aber auch dem internen Reformprozess zugute kommen, der in den zusätzlichen Wochen weiter ausgelotet werden kann.

Er kann sich nicht ändern. Er ist so.
Annette Schiffmann, ehemalige Spuhler-Mitarbeiterin

Allerdings ist derzeit noch weitgehend unklar, wohin genau die Reise geht. Ein Knackpunkt ist die Frage, inwieweit sich der 55-jährige Theaterchef, dem despotischer Kontrollzwang und übermäßige Beanspruchung von Mitarbeitern vorgeworfen wurden, überhaupt grundlegend ändern kann. „Das System hat ihn 30 Jahre lang für seine Arbeitsweise belohnt“, äußerte sich nach der Maßnahmenverkündung im Juli ein Theatermann, der Spuhler aus frühen Jahren kennt, eher skeptisch.

In einem Schreiben an Kunstministerin Theresia Bauer hat die ehemalige Spuhler-Mitarbeiterin Annette Schiffmann aus dessen Zeit am Theater Heidelberg die permanenten Schikanen des Theaterchefs erläutert - nicht um ihn anzuschwärzen, sondern weil „die vielen Berichte der Kolleginnen und Kollegen aus Karlsruhe immer noch auf eher ungläubiges Staunen treffen“. Ihr Fazit: „Er kann sich nicht ändern. Er ist so.“

Unklare Machtaufteilung

Spuhlers Ansprache zum Theatertag vor sechs Wochen gab wenig Anlass, an diesem Fazit zu zweifeln. Es fiel auf, dass er über den „Zukunftsprozess“ sprach, als sei dies ein Vorgang, der mit ihm ursächlich gar nichts zu tun habe. Zwar erklärte er, „als erster konkreter Schritt“ sei den Spartenleitungen „umfassende künstlerische Handlungsfreiheit übertragen“ sowie „Verantwortung geteilt“ worden. Was das konkret bedeutet und wie dies abgelaufen ist, war Gegenstand einer BNN-Anfrage an das Kunstministerium vor über zwei Wochen, die bislang nicht beantwortet worden ist.

Eine Antwort aus Stuttgart gab es immerhin auf die Frage, wie sich der unlängst angekündigte Abschied der Operndirektorin Nicole Braunger nach nur drei Jahren in Karlsruhe mit der verkündeten Verbesserung der Spartenleiter-Position in Einklang bringen lässt: „Wir gestalten wie angekündigt sehr aktiv und vertrauensvoll den ‚Zukunftsprozess Staatstheater‘. Dazu sind wir mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Staatstheaters in überaus konstruktiven Gesprächen. Darüber hinaus setzen wir gemeinsam den Mitte Juli einstimmig im Verwaltungsrat beschlossenen Maßnahmenkatalog Schritt für Schritt um. Das bedeutet aber nicht, dass es keine personellen Bewegungen mehr geben kann oder darf, wie wir sie vor allem im Kulturbereich kennen.“

Ein echtes Interesse an der längerfristigen Besetzung der wohl wichtigsten Spartenleitung des jährlich mit knapp 45 Millionen Euro subventionierten Hauses ist aus diesen vier Sätzen nur schwer herauszulesen.

Optimismus gibt es immerhin in der Schauspielsparte, deren Direktorin Anna Bergmann schon früh öffentlich erklärt hat, eine Reform des Theaters auch unter Spuhlers Leitung für möglich zu halten. Hier hatte das Ensemble schon vor der Sommerpause eine auch von Spuhler unterzeichnete Absichtserklärung für einen Strukturwandel erarbeitet. Derzeit engagieren sich mehrere Arbeitsgruppen, um dem Verwaltungsrat am 30. November konkrete Verbesserungsvorschläge machen zu können.

Strukturelle Vorstöße statt Personalfrage

Dabei gehe es, so ein Ensemblesprecher auf BNN-Anfrage, sowohl um schnelle konkrete Maßnahmen als auch um grundlegende strukturelle Veränderungen. Die zentrale Frage sei nicht, ob Peter Spuhler noch tatsächlich sechs Jahre lang Generalintendant bleibe, sondern wie sich eine Theaterstruktur finden lasse, in der die Belegschaft nicht davon abhängig sei, „ob wir einen gnädigen Sonnengott haben oder einen ungnädigen“.

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