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„Digitale Kunsthalle“

Kunsthalle Mannheim erlaubt online erste Blicke auf große Anselm-Kiefer-Ausstellung

Die Museen bleiben geschlossen, aber einen Raum der Kunsthalle Mannheim kann man virtuell betreten. Die Kooperation mit dem ZDF erlaubt erste Blicke auf monumentale Werke von Anselm Kiefer.

So nah kann man der Kunst derzeit nur online kommen: Das Bild in der Kunsthalle Mannheim mit Anselm Kiefers Werk „Frauen der Antike“, das nun auch digital präsentiert wird, entstand bei einer Vorbesichtigung in der Kunsthalle Mannheim. Foto: Uwe Anspach/dpa

Nun also doch: Eigentlich wollte die Kunsthalle Mannheim mit der Präsentation ihrer Sonderausstellung „Anselm Kiefer“ vollständig warten, bis die Museen wieder öffnen dürfen. Für die oft monumentalen Werke des international bedeutenden Künstlers aus dem Südwesten (1945 in Donaueschingen geboren, aufgewachsen in Rastatt, Kunststudium in Karlsruhe) ist eine Präsentation im Internet in der Tat kaum vorstellbar. Schließlich wurden beim Neubau der Kunsthalle sogar die Maße von Werken wie „Jaipur“ berücksichtigt, um Räume zu schaffen, in denen diese Bilder ausgestellt werden können.

Dies erwähnt Kunsthallen-Direktor Johann Holten in einem fünfminütigen Film, der eine digitale Teilpräsentation begleitet. Immerhin vier der 18 Werke, die dem Museum als Dauerleihgabe der Sammlung Hans Rothe überlassen worden sind, sind nun online zu sehen: Die „Digitale Kunsthalle“ des ZDF präsentiert die virtuelle Version eines Raums, wie er – mehr oder weniger – derzeit auch real aussieht, bestückt mit einer Skulptur der Reihe „Frauen der Antike“ sowie den Werken „Jaipur“, „Der verlorene Buchstabe“ und „Der fruchbare Halbmond“.

Bücher spielen im Werk des Künstlers, der 2008 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet wurde, eine wichtige Rolle. Darauf verweist zum einen die Skulptur aus der Reihe „Frauen der Antike“, die für die digitale Präsentation ausgewählt worden ist. Sie zeigt ein aus Kunstharz geschaffenes Frauenkleid, auf dessen Schultern statt eines Kopfes ein Stapel aus sechs großen Büchern thront.

Es wird Zeit, dass die Überlegenheit der Frauen auch faktisch anerkannt wird.
Anselm Kiefer, Künstler

Erläutert wird im beigestellten Text und im Video mit Kurator Sebastian Baden sowohl die Dimension dieser Figur (allein die Bücher aus Blei wiegen mehr als eine Tonne) wie auch ihre Bedeutung. Die Figur weist darauf hin, wie die Geschichte von Frauen bestimmt wurde, ohne dass Frauen als Individuen mit ihren Taten überliefert worden sind.

Der Künstler selbst sagte hierzu in dem „Mannheimer Morgen“ in einem Interview: „Es wird Zeit, dass die Überlegenheit der Frauen auch faktisch anerkannt wird, anstatt sie als Gefahr für uns Männer zu begreifen.“

Laufzeit bis 22. August verlängert

Ebenfalls von Büchern inspiriert ist das Werk „Der verlorene Buchstabe“, in dem eine alte Druckmaschine von stählernden Sonnenblumenstengeln überwuchert wird. Johann Holten spricht im dazugehörigen Video von einer Erinnerung an den Buchdruck als zivilisatorische Kulturtechnik, deren Bedeutung aber nun aufgrund der Digitalisierung schwinde.

Eben diese Digitalisierung erlaubt nun einen ersten Einblick in eine Ausstellung, die ab der Wiedereröffnung der Museen auch real besucht werden kann und dank einer verlängerten Laufzeit bis zum 22. August in Mannheim präsentiert werden soll.

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