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Mittelblocker Finkbeiner

Ehemaliger Fußballtorwart bringt Energie ins Spiel der Baden Volleys Karlsruhe

Jahrelang hatte Jonathan-Leon Finkbeiner als Fußball-Torwart das Netz hinter sich. Als Mittelblocker hat es der Zweitligaspieler der Baden Volleys jetzt direkt vor sich - und die Gegner direkt im Visier.

Immer positiv geladen: Jonathan-Leon Finkbeiner zählt zu den Stützen im Team der Baden Volleys, nicht nur wegen seiner Körpergröße von 2,11 Metern. Foto: Helge Prang/GES

Als sich Jonathan-Leon Finkbeiner vor zehn Jahren eher zufällig mitten in einem internen Testspiel der ersten Mannschaft der FT Freiburg gegen deren Zweite wiederfand, fühlte er sich trotz seiner 2,11 Meter völlig verloren auf dem Volleyball-Feld. „Ich war der Größte, gleichzeitig aber auch der Schlechteste”, sagt Finkbeiner. Ein Umstand, der seinen Ehrgeiz weckte. Einen Großteil seiner Energie steckte Finkbeiner jedenfalls fortan ins Volleyballspiel - und fast im Eiltempo reifte der heute 31-Jährige zum Zweitligaspieler, als der er bei den Baden Volleys SSC Karlsruhe längst eine unverzichtbare Größe ist.

Dass Finkbeiner das ist, hat nicht zuletzt mit seinem Spiel zu tun. Das ist energiegeladen und dass er als Ingenieur für Erneuerbare Energien arbeitet, passt da wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge. Auch die Akkus des Riesen aus Denkingen sind offensichtlich gefüllt mit einer Energie, die sich fortlaufend erneuert.

„Heiß auf Volleyball“

Auch in ihrer vierten Zweitliga-Saison wird es auch wieder auf die emotionale Kraft Finkbeiners mit ankommen. „Er bringt wahnsinnig viel positive Leidenschaft ins Spiel. Nie negative”, sagt Diego Ronconi, der frühere SSC-Trainer und heutige Sportliche Leiter.

So gesehen, passt das Volleys-Motto „Heiß auf Volleyball” nicht nur treffend auf die über Jahre hinweg zusammengewachsene Mannschaft, die ein hohes Maß an Eigen-Motivation mitbringt. Auch während des Corona-Stillstands „traf” sich das Team regelmäßig via der Videoplattform Zoom zu ausdauernden Fitness-Einheiten. „Heiß auf Volleyball” aber ist eben auch in besonderer Ausprägung Finkbeiner. Heiß drauf zu sein, ist Teil seines Spiels. Finkbeiner selbst sagt: „Ich brauche eine gewisse Temperatur.” Läuft er heiß, gerät der Gegner ins Schwitzen.

Ruhe und Konzentration sind gefragt am Netz

Dabei ist im Spiel ein steter Wechsel gefragt: Im Ballwechsel volle Dynamik, dann wieder Runterfahren. Ruhe und Konzentration braucht es am Netz: Welchen Plan hat der gegnerische Zuspieler? Über wen liefen zuletzt die meisten Angriffe? Welche Rotation ist auf dem Feld? „Ich muss das Spiel lesen”, sagt Finkbeiner, dem dabei auch seine sportliche Vergangenheit hilft.

Gut 15 Jahre hatte er als Fußballtorwart, meist im Trikot seines Heimatclubs FSV Denkingen, das Netz hinter sich. Jetzt hat er es vor sich - so wie noch immer das Spiel. Die Ruhe, das auf den Punkt da sein, „das ist schon übertragbar”, findet Finkbeiner, wenn er über die beiden Positionen nachdenkt. Auch, dass er schon seit Jahren Yoga macht, hilft. „Und ist zudem ein super Ausgleich.”

Seine Torwart-Karriere endete mit Beginn eines Freiwilligen Sozialen Jahrs in Freiburg, wo Finkbeiner von seinem Cousin mal mit zu den Volleyballern FT Freiburg geschleppt wurde. Weil an jenem Tag Spieler fehlten, stand Finkbeiner beim internen Test als dankbar genommener Ersatz im Team der zweiten Mannschaft. Von Freiburg ging es zum Studium nach Stuttgart, wo Finkbeiner für den TSV GA Stuttgart spielte und wo er auch den Sprung in die Zweite Liga schaffte.

Ronconi wollte Finkbeiner einst schon nach Fellbach locken

Ronconi war damals Trainer beim Liga-Rivalen SV Fellbach - seine Versuche, Finkbeiner dorthin zu lotsen, blieben aber erfolglos. Finkbeiner sei eben ein sehr bodenständiger, treuer Mensch, meint Ronconi. Finkbeiner widerspricht nicht. Fellbach wäre zwar die sportlich attraktivere Adresse gewesen. „Aber Stuttgart hat mir viel ermöglicht, mir früh die Chance gegeben, Zweite Liga zu spielen”, blickt der Block-Spezialist zurück.

Ein Gefühl für das Spiel und den Gegner, natürlich auch das nötige Glück - all das gehört zu einem guten Blockspiel, das bestenfalls auch den Gegenüber zu Fehlern zwingen kann, wenn er überhastet seinen Angriffsplan ändert. Erfahrung ist in dieser Hinsicht ein wichtiger Faktor. Die hat Finkbeiner, der im aktuellen Volleys-Team der Älteste ist und „mit den Jungs mal Zweitliga-Meister werden will”. Das müsse auch nicht in der kommenden Saison sein, meint er. Aber auch Finkbeiner weiß, dass nach der starken Vorsaison die Erwartungen nicht kleiner geworden sind.

Die Mitspieler necken ihn: Er habe im Angriff „keinen Punch”

Ronconi ist überzeugt, dass Finkbeiner selbst im Block noch Steigerungspotenzial hat. Im Angriffsspiel sieht „Joni” selbst noch Luft nach oben, seine Teamkollegen ziehen ihn gerne damit auf, dass er „keinen Punch” habe. Auch am Aufschlag arbeiten Finkbeiner und Coach Bonelli, der froh ist über einen immer noch „so lernfreudigen” Akteur. Und darüber, dass er langfristig mit ihm planen kann. Mindestens drei Jahre will Finkbeiner noch spielen, sagt er.

Dass Finkbeiner zur Saison 16/17 nach Karlsruhe kam und damit mit Verspätung doch zu Ronconi, das lag zum einen an den Perspektiven, die sich im vormaligen Volleyball-Brachland durch die neuen Ambitionen des SSC nun boten. Die „Initialzündung” war aber der berufsbedingte Wechsel seiner jetzigen Frau Fiona nach Karlsruhe, wo Finkbeiner mit dem mittlerweile als Baden Volleys firmierenden Team des Waldstadt-Clubs nach einem denkwürdigen Liga-Finale gegen den TSV Mimmenhausen gleich die Drittliga-Meisterschaft sowie den Aufstieg feierte und in der abgebrochenen Corona-Saison mit Platz zwei die bisher beste Zweitliga-Platzierung. Das letzte Spiel vor dem Lockdown gewannen die Karlsruher übrigens mit 3:0 gegen Leipzig. Der Neuauflage gegen die Sachsen zum Saisonstart folgen zwei weitere Heimspiele. Denn am kommenden Samstag (19 Uhr) erwarten die Badener den TSV Mühldorf, weil die Bayern aufgrund der Corona-Landesverordnung noch keine Spiele austragen dürfen. Danach kommt FT Freiburg in die Waldstadt.

Finkbeiner geht immer voran

In der Mannschaft von Trainer Antonio Bonelli zählt Finkbeiner neben Kapitän Jens Sandmeier und Libero Benjamin Dollhofer zu den wichtigsten Figuren im Team-Gefüge. Finkbeiner sei jemand, „der immer positiv vorangeht”, sagt Bonelli, kurz: „Ein Vorbild.” Finkbeiner, der sich im Club auch als Beach-Wart engagiert, nimmt die jungen Spieler mit, hält die Mannschaft zusammen. Jens Sandmeier ist als bester Volleyballer sicher die sportlich prägendste Figur im Team, Finkbeiner ist es im sozialen und zwischenmenschlichen Bereich.

Und, klar, als Blocker ist er mit für die besonderen Momente zuständig. Ein direkter Block-Punkt, zumal ein Einzel-Block, ist im Spiel schon eine Besonderheit, tut dem Gegner besonders weh und kann dem eigenen Team entscheidenden Auftrieb geben. „Das ist schon ein Adrenalin-Kick”, sagt Finkbeiner. Und ein Kick, der bei Jonathan-Leon Finkbeiner Energie frei setzt, mit der er sein ganzes Team mitreißen kann. Verloren auf dem Feld stehen dann nur noch die Gegner herum.

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