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Unterwegs auf Mosel und Rhein

Urlaub in Pandemie-Zeiten: Die Flusskreuzfahrt startet mit dem Corona-Anti-Körper-Test

Urlaub in Corona-Zeiten erfordert Improvisationstalent. Das lernen auch Passagiere einer Flusskreuzfahrt. Doch Masken, Abstand und getrennte Tischzeiten halten nicht vom Genuss der deutschen Flüsse Mosel und Rhein ab. Was die Gäste neben Burgenflair erleben:

Burgenzauber: Die Reichsburg ist das Wahrzeichen des Moselstädtchens Cochem. Sie beherbergt ein Museum. Foto: Tanja Starck

Wer die Farbe Grün mag, ist in der Moselregion ziemlich gut aufgehoben. Die berühmten Weinberge präsentieren sich in der Farbe der Hoffnung, Bäume und Gräser sowieso, und im Sommer macht selbst der Fluss beim Wettkampf um das schönste Grün mit. Wo der Rhein-Nebenfluss langsam fließt, überzieht ein grüner Schlierenteppich den Fluss. Schuld sind Cyanobakterien, die als Blaualgen bekannt sind.

Bei Flusskreuzfahrern hat der 544 Kilometer lange Strom schon lange einen guten Klang. 171 Passagiere sind an Bord, als die MS „Rhein Melodie“ in Köln startet. Bei Koblenz geht es schließlich in die Mosel hinein. 250 Kilometer auf der Mosel und weitere 800 Kilometer auf dem Rhein liegen vor dem Schiff.

Wer so viel Strecke zurücklegen und den Passagieren Erlebnisse an Land bieten will, muss auch nachts fahren. Zumal ein Flussschiff nicht bekannt für schnelles Tempo ist.

Werden Hochseefahrer zu Flusskreuzfahrern?

Corona hat auch die Anbieter Flusskreuzfahrten schwer getroffen. Englischsprachige Gäste fehlen fast völlig, und auf den Flüssen sind viel weniger Passagierschiffe als sonst unterwegs. Die Anbieter hoffen, dass Hochseekreuzfahrer die Flusstouren testen, wie Amelie Schröder von Nicko Cruises erklärt.

Wer jetzt eine Flussreise bucht, muss sich umstellen - das bemerken vor allem „Wiederholungstäter“. Es gibt einen Gesundheits-Check vor der Abfahrt. Mitarbeiter prüfen die ausgefüllten Gesundheitsfragebögen. Dann folgt die Fiebermessung, bevor es zum Corona-Anti-Körper-Test geht. Nur wer alle diese Stationen meistert, darf an Bord und kann sich auf Cochem, Traben-Trarbach und Bernkastel-Kues aber auch auf Mainz, Mannheim, Straßburg und Koblenz freuen.

Auch das Schiffsleben läuft anders als gewohnt. Auf der Mosel-Rhein-Reise werden die Passagiere zu den Essenszeiten in zwei Gruppen eingeteilt. Frühstück um 6 Uhr morgens oder ein Gala-Dinner um 20.30 Uhr - das gefällt nicht jedem Gast. Doch die Corona-Vorgaben zwingen die Reedereien zu solchen Maßnahmen. Vor allem für das Personal bedeutet das eine enorme Belastung.

In öffentlichen Zonen herrscht Maskenpflicht. Lediglich auf dem Sonnendeck kann darauf bei entsprechendem Abstand verzichtet werden. Buffets gibt es teilweise noch, aber die Kellner legen die gewünschte Auswahl auf den Teller. Ob trotzdem Urlaubsgefühl aufkommt?

Das kommt auf den einzelnen Gast an.

Auch bei den Ausflügen ist das Improvisationstalent der Reedereien gefragt. So muss die Tour zur Burg Eltz ausfallen, weil Ausflugsbusse dort nicht erwünscht sind. Lediglich Kleingruppen oder Individualreisende dürfen den beliebten Fotostopp besuchen.

Moselstädte mit Fachwerk- und Burgenzauber

Auf Burgenzauber muss der Passagier während der Tour dennoch nicht verzichten. Hoch über Cochem thront die Reichsburg. In der Altstadt ist der Marktplatz mit den Fachwerkhäusern ein Anlaufpunkt. Wer will, fährt mit der einzigen Sesselbahn der Mosel nach oben und genießt den Blick auf den Fluss mit seinen Schleifen. Für Tierliebhaber und Actionfans wartet der Wild- und Freizeitpark Klotti.

In Traben-Trarbach dürfen wegen Corona nur noch Kreuzfahrtschiffe mit maximal 100 Gästen anlegen. Die „Rhein Melodie“ hat aber 171 Passagiere an Bord. Weil das Schiff mit seinen drei Decks wesentlich höher als ein Ausflugsschiff ist, bleibt unter Brücken oftmals kaum Platz. Immer wieder muss das Sonnendeck geschlossen werden. Manchmal sind es nur wenige Zentimeter zwischen Deck und Brücke.

Wer Traben-Trarbach sehen möchte, nutzt den kostenlosen Bustransfer ab Bernkastel-Kues.

In der Nähe des Buddha-Museums geht die Erkundungstour los. Wenige Schritte später folgt ein weiteres Museum: Das Mittelmoselmuseum befindet sich in der Villa Boecking, in der Johann Wolfgang von Goethe 1792 abgestiegen ist. Rund 100 Jahre später, im Jahr 1899, stellte der Berliner Architekt Bruno Möhring die größte Sehenswürdigkeit des Moselortes fertig - das Brückentor.

Der Jugendstilbau erzählt wie auch das Hotel „Bellevue” oder das alte Postamt von der Blütezeit Traben-Trarbachs. Um die Jahrhundertwende war der Ort einer der größten Weinhandelsplätze Europas.

Städtebauliche Perle: Bernkastel-Kues mit seinen 7.000 Einwohnern macht sich auf beiden Seiten der Mosel breit. Bernkastel liegt am rechten Ufer, Kues auf der anderen Seite. Foto: Tanja Starck

Rund um Bernkastels Marktplatz mit seinen Fachwerkhäusern und dem Renaissance-Brunnen ist es ganz schön voll. Schönstes Fotomotiv ist die Weinstube: ein Spitzhäuschen aus dem 15. Jahrhundert, das unten schmal und oben breiter ist. Etwas ruhiger als in den Altstadtgassen geht es auf der Burgruine Landshut zu.

Wer die fast 100 Höhenmeter bis zur Aussichtsplattform der Burg nicht aus eigener Kraft meistern möchte, kann mit dem gelben Landshut-Express, einem offenen Oldtimer-Bus, nach oben fahren.

Die Recherche wurde von Nicko Cruises unterstützt. Über Ausrichtung und Inhalt des Artikels entscheidet alleine die Redaktion.

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