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Konkurrenz verärgert

Warum die Drogerie Müller trotz Corona-Lockdown weiterhin Spielzeug verkaufen darf

Spielwarenläden, Parfümerien und andere Fachgeschäfte müssen wegen des Corona-Lockdowns geschlossen bleiben. Doch die Drogeriemarktkette Müller verkauft diese Produkte weiterhin.

Spielwarenläden, Parfümerien und andere Fachgeschäfte müssen wegen des Corona-Lockdowns geschlossen bleiben. Doch die Drogeriemarktkette Müller verkauft diese Produkte weiterhin. Foto: Sina Schuldt/dpa/Archivbild

Für verzweifelte Geschenksucher ist es ein Geheimtipp, für Konkurrenten ein Ärgernis: In den meisten Filialen der Drogeriemarktkette Müller gibt es trotz Corona-Lockdown weiterhin das gesamte Sortiment zu kaufen, also neben Duschgel und Toilettenpapier auch Kinderspielzeug, Parfums und andere Geschenkartikel.

Das ist etwa in den Müller-Märkten in Gaggenau, Ettlingen und Bruchsal so. Dort sind alle Bereiche auf allen Etagen geöffnet. In der großen Müller-Filiale an der Karlsruher Kaiserstraße hingegen sind Teilbereiche abgesperrt.

Schon beim Frühjahrs-Lockdown waren diese standortspezifischen Unterschiede zu beobachten. Auch damals hatte der Karlsruher Müller-Markt bestimmte Etagen abgesperrt und sich auf das Drogerie-Sortiment beschränkt, während andere Filialen in der Region weiterhin Schreib-, Spiel- und Haushaltswaren verkauften. Bei Inhabern von entsprechenden Fachgeschäften stieß das auf Unverständnis.

Corona-Verordnung erlaubt Mischsortimente

Die Erklärung war damals dieselbe wie heute: Bei Mischsortimenten ist laut Landesregierung der jeweilige Anteil am Gesamtsortiment entscheidend. In der Corona-Verordnung für Baden-Württemberg heißt es dazu: Sortimentsteile, deren Verkauf eigentlich nicht gestattet ist, dürfen verkauft werden, „wenn der erlaubte Sortimentsteil überwiegt“. Wenn „der verbotene Teil des Sortiments überwiegt, darf der erlaubte Teil allein weiterverkauft werden, wenn eine räumliche Abtrennung möglich ist.“

Bei den etwas kleineren Müller-Filialen, wie der in Ettlingen, überwiegt den zuständigen Ordnungsbehörden zufolge das erlaubte Drogerie-Sortiment mit 60 Prozent. Deshalb darf laut Verordnung dort auch das übrige Sortiment verkauft werden. Bei dem größeren Müller-Markt in Karlsruhe sieht das hingegen anders aus. Dort ist der Anteil der Drogeriewaren am Gesamtsortiment offenbar geringer.

Auf diese Regelung beruft sich das Unternehmen auch außerhalb Badens. Eine Müller-Sprecherin teilte der Nachrichtenagentur dpa mit: „Wir handeln nach dem vorgeschriebenen Schwerpunktprinzip.“ Häuser, die dieses Schwerpunktprinzip nicht erfüllten, schlössen Teilsortimente, entsprechend der behördlichen Anordnungen.

Auch real profitiert von der Ausnahme-Regelung

Wer ebenfalls von der Mischsortiments-Ausnahme profitiert, ist der Warenhausbetreiber real. Gemäß dem Werbeslogan „Einmal hin, alles drin“ gibt es in den Real-Märkten neben Lebensmitteln ein breites sogenanntes Non-Food-Sortiment: von Elektronikartikeln über Haushaltswaren bis Textilien.

Doch während Elektrofachmärkte und Modeläden wegen des Corona-Lockdowns seit Mittwoch geschlossen bleiben müssen, verkauft real in vielen Märkten weiterhin sein gesamtes Sortiment. Das ist zum Beispiel im real-Markt an der Durlacher Allee in Karlsruhe so. Wenn der Anteil an Lebensmitteln und Getränken überwiegt, ist das auch erlaubt.

Weniger Glück hatte hingegen die Parfümerie-Kette Douglas. Sie wollte einen Teil ihrer Filialen trotz Lockdown offenhalten und erklärte sie deshalb zu Drogerien. Das stieß auf Kritik. Obwohl es keine Schummelei war, sondern es sich um eine Auslegungsfrage des Verordnungstextes handelt. Denn der Begriff „Drogerie“ wird darin nirgendwo genau definiert. Und dem Unternehmen zufolge ging es ausschließlich um Filialen, in denen Douglas vor allem Artikel des „klassischen Drogeriesortiments“ wie Körperpflegeprodukte anbietet – etwa Cremes, Shampoo, Seife, Deodorants, Make-up und Hygieneprodukte.

Die öffentliche Empörung schwoll allerdings so stark an, dass Douglas-Chefin Tina Müller bereits nach einem Tag zurückruderte. „Ab heute bleiben alle unsere deutschen Filialen daher bis auf Weiteres geschlossen“, gab sie am Donnerstag bekannt und bat „diejenigen um Entschuldigung, die wir mit unserem Vorgehen befremdet oder vor den Kopf gestoßen haben“.

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