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Sachschaden war größer als Beute

Nach Einbruch in Pforzheimer Wildpark: Gericht stellt Verfahren gegen jungen Dieb ein

Er hatte Futterautomaten im Pforzheimer Wildpark und einen Staubsaugerautomaten aufgebrochen. Nun stand ein junger Mann in Pforzheim vor Gericht. Dabei wird klar: Viel gebracht haben ihm seine Diebstähle nicht.

Ein junger Mann stand in Pforzheim wegen Sachbeschädigung und Diebstahls vor Gericht. Er hatte immer wieder Automaten aufgebrochen. Foto: Philipp Fess

Mitte des Monats war immer das Geld verbraucht. Wovon Essen kaufen und Benzin fürs Auto? So kam der knapp 20-Jährige mit glänzendem Hauptschulabschluss und befriedigendem Realschulabschluss auf seltsame Ideen. Im Mai und Juli 2019 brach er Futterautomaten im Wildpark auf, im August zweimal Futterautomaten im Wildgehege, gegen Ende August knackte er an einer Tankstelle den Staubsaugerautomaten.

Nun stand er am Dienstag wegen Sachbeschädigung und Diebstahls vor Jugendrichter Udo Pawlischta. Am Ende wurde das Verfahren eingestellt.

„Wie viel war denn drin?“, erkundigte sich der Richter in der Sitzung. So genau wusste es der junge Mann jetzt auch nicht mehr. „Minimal“, meinte er. Immerhin reichte es für Lebensmitteleinkäufe und Benzin. Der Sachschaden jedenfalls war weit größer als die kümmerliche Beute. Und die Schulden der Familie mehrten sich trotzdem.

Angeklagter hatte immer wieder mit Schulden zu kämpfen

„Wäre es nicht lohnender gewesen, wenn Sie sich mit dem umgedrehten Hut in die Fußgängerzone gesetzt hätten?“ schlug Pawlischta vor. Der junge Mann wusste es nicht. Es schien ihm wohl auch keine allzu verlockende Idee zu sein.

Meine Mutter kann das Geld nicht zusammenhalten.
20-jähriger Angeklagter

„Meine Mutter kann das Geld nicht zusammenhalten“, befand er. Gerade mal bis zur Monatsmitte reichte der Verdienst von Mutter und Sohn. Allerdings: Sehr viel besser kann der Filius offensichtlich mit Geld auch nicht umgehen. Ein Schuldenberg türmt sich vor ihm auf. Kosten fürs Handy, für das Auto, Schulden bei der Tante, die immer wieder aushalf. Wie viel es genau ist, war ihm auf Fragen des Richters nicht erinnerlich. Etliche Tausend sicher.

Seinen Lebensweg, mit einem ständig abwesenden Vater, schilderte der junge Mann beredt: Nach dem Tod der Großmutter, die mit im Haushalt lebte, brachen die Schulleistungen des Jungen auf der Realschule ein. Auch ein Wechsel auf die Hauptschule brachte keinen Erfolg.

Die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe beschrieb den Angeklagten als „intelligenten jungen Mann, der supergut mitarbeitet und auch reflektieren kann“. Er riss sich zusammen, machte auf der Volkshochschule sowohl den Haupt- als auch den Realschulabschluss. „Eine Leistung“, so der Jugendrichter. Dann arbeitete er zwei Jahre lang in einem Lebensmittelmarkt, um Geld zu verdienen. Indes – es reichte nie.

Prozess gegen jungen Mann in Pforzheim: Noch 600 Euro Strafbefehl stehen aus

Bei einem heftigen Streit mit seinen Schwestern erschien die Polizei, erteilte ihm einen Platzverweis, gegen den er sich zur Wehr setzte. Das brachte ihm einen Strafbefehl nach Erwachsenenstrafrecht in Höhe von 600 Euro ein. Bezahlt ist er noch nicht. Der Angeklagte ist derzeit arbeitslos, die Mutter ernsthaft erkrankt.

„Wie soll das denn nun weitergehen?“, fragte der Richter väterlich-besorgt. Unzählige Bewerbungen habe er geschrieben, so der Angeklagte. Meist sei gar keine Antwort gekommen, und wenn, dann nur Absagen. Eine Ausbildung als Kaufmann im Automobilbereich wäre sein Traum, bekannte er.

Dass in seinem Fall nur Jugendstrafrecht in Frage kommen könne, darüber waren sich Richter, Staatsanwalt Christian Schwab, Verteidiger Stefan Rothenstein und der Vertreter der Jugendgerichtshilfe einig. Angesichts des Strafbefehls von 600 Euro, die wohl abgearbeitet werden können, sollten dem zur Tatzeit rat- und hilflos gewesenen Angeklagten keine neuen Bürden auferlegt werden.

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