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Unternehmen aus Birkenfeld

Coronavirus bei Müller-Fleisch: Unterbringung von Leiharbeitern in der Kritik

„Bettenburgen“ und Wohncontainer sind in der Diskussion, seitdem sich viele Mitarbeiter des Birkenfelder Unternehmens Müller-Fleisch mit dem Coronavirus infiziert haben. Es geht dabei um die Qualität der Unterbringung von Leiharbeitern.

Das Corona-Debakel bei Müller-Fleisch begann an Ostern in der alten Sonnenhalde in Neuenbürg, wo die ersten Infizierten wohnten. Foto: Ehmann

„Kein Wunder“, heißt es zu den vielen Mitarbeitern von Müller-Fleisch, die sich mit Coronaviren infiziert haben. „So wie die wohnen“, heißt es vielsagend, womit auf einen Schlag Mieter, Vermieter, Arbeitgeber und einige mehr in die negative Ecke gestellt werden.

Es geht um „Bettenburgen“, mithin Wohncontainer in den Kommentaren. Sie stehen in Pforzheim ebenso wie in kleinsten Schwarzwaldgemeinden und werden aus unterschiedlichen Gründen mit Argwohn betrachtet.

Grüne Liste in Neuenbürg stellt Anfrage in der Corona-Krise

Die betroffenen Menschen in den Blick nimmt jetzt einmal mehr die Grüne Liste (GL) in Neuenbürg. Sie geht davon aus, dass in der Sonnenhalde weit mehr Leute wohnen als bei der Umwandlung des Seniorenheims vereinbart. Außerdem wollen sie über eine Anfrage im Rathaus Klarheit darüber bekommen, wie viele von diesen Häusern es gibt, erläutert Peter Kreisz.

Viele, sagt Frank Daudert, den die GL als Betreiber der Sonnenhalde speziell im Visier hat. Er meint damit nicht das frühere Arbeiterwohnheim, das er ebenfalls vermietet. Der Pforzheimer Gastronom spricht von ausgebauten Dachgeschossen und gemeindeeigenen Wohnungen, die, so beobachte er, Müller-Fleisch-Leuten angeboten werden.

Appartements mit Miniküche

Das ist kein schlechtes Geschäft, wie Dietrich Goll aus Niefern bestätigt. Er arbeitet als Vermieter „seit 15 Jahren mit einer ungarischen Firma zusammen“, die Facharbeiter an Müller-Fleisch vermittelt. Die rund 40 Leute – größtenteils Metzger – wohnen in Langenbrand und Schömberg in Zwei-Zimmer-Appartements mit Miniküche. „Manche kommen schon seit zehn Jahren.“ Keiner gehöre zu den inzwischen 168 (plus 29) Corona-Infizierten.

Namenslisten ans Einwohnermeldeamt

Das gilt auch für etliche Kräfte, die in der dreimonatigen Nebensaison hängen geblieben sind, in der sie nach Hause fahren. Sie durften im April nicht mehr über die Grenzen und fehlen deshalb zu Beginn der Grillsaison bei der Arbeit in Birkenfeld. Entsprechend sind Bewohner in den Unterkünften zwar gemeldet, aber nicht da.

Ein Problem bei der Erfassung der Leiharbeiter von Müller-Fleisch seien auch „wilde Wohnungen“, wo viele leben, die andernorts gemeldet sind, erläutert Daudert. Er selbst habe dem einen Riegel vorgeschoben, bekomme von der Firma, die die Häuser betreut, alle zwei Wochen Namenslisten, die er ans Einwohnermeldeamt melde. In der Sonnenhalde derzeit 123 Bewohner in rund 70 Zimmern, nicht die 180, über die Kritiker sprechen.

Behörden machen Spontanbegehungen
Frank Daudert, Gastronom aus Pforzheim

Er habe neun Prozent der „Monteurswohnungen“. Dies habe er überschlägig ableiten können, als ihm das Pforzheimer Ordnungsamt bei der Suche nach Müller-Personal Straßennamen nannte. Seine Unterkünfte würden alle zwei Jahre von Ordnungsamt und Baubehörde kontrolliert.

Außerdem gebe es Spontanbegehungen, erläutert Daudert, und beantwortet so Fragen, über die bei der Stadt Pforzheim niemand sprechen will. Er sagt auch, der Gesetzgeber fordere bei Vermietung pro Person zehn Quadratmeter Wohnfläche gefordert.

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