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Angst vor geschlossenen Läden

In Pforzheim starten bereits die Weihnachtseinkäufe – und auch Klopapier ist ein Thema

Weihnachtseinkäufer sind in Pforzheim spürbar früher unterwegs als in anderen Jahren. Dass Toilettenpapier teilweise nur noch limitiert abgegeben wird, ist dabei in Gesprächen ein beliebtes Thema.

Fest mit LED-Kerzen: Susanne Meisenbacher hat die ersten Exemplare gerade ausgepackt und in ihr Geschäft Cigale gestellt. Foto: Edith Kopf

Weihnachten und Toilettenpapier scheinen dieser Tage direkt nebeneinander zu liegen. Es genügt ein Blick in die Geschäfte der Stadt, um zu bestätigen, was manchen Einzelhändler fast schon ins Schwitzen bringt. Nicht selten liegt eine eilends aus dem Lager geholte Rolle mit dem Geschenkpapier fürs Fest neben der Herbstdekoration. Geschenke kaufen ist angesagt, seitdem Deutschlands Kanzlerin emotional eindringlich vor der Corona-Gefahr gewarnt hat. Und während das Personal dann rote oder silberschimmernde Schleifchen drapiert, werden die neuesten Beobachtungen zur Ausstattung der stillen Örtchen ausgetauscht.

„Bevor der Laden wieder schließt“, greift auch eine Kundin bei der Parfümerie Leipert in der Dillsteiner Straße zu. Die Creme für die Schwiegertochter ist das letzte Geschenk, das sie unbedingt braucht. Sohn und Enkelin sind schon bedacht, erzählt sie. Über Klopapier weiß sie zu berichten, dass es in einem Geschäft nur limitiert abgegeben wird, und hat damit sofort ein Gesprächsthema platziert, zum dem auch die Kosmetikerinnen manches beizutragen haben.

Angst vor Corona-Schließungen und Selbstschutz

Die Situation bleibt entspannt, auch wenn sich die alles beherrschende Pandemie vor die Parfümauswahl, Lidschatten und Nagellacke zu schieben scheint. Es geht nicht um Corona. Vorausschauendes Handeln, die praktischen Fragen stehen im Vordergrund. Und dazu gehört zwei Monate vor Heiligabend eben auch, dass etwas Schönes auf dem Gabentisch liegt.

Auffällig viel in Richtung Weihnachten geht auch in der Kinderstube Pforzheim über die Ladentheke, wie Jessica Hermann erzählt. In dem, nur wenige Meter von Leipold entfernten, Geschäft ist es vor allem die ältere Generation „so ab 60“, die nach der Devise „wer weiß, was im Dezember ist“ frühzeitig die lieben Kleinen bedenkt.

Der Satz kann als Furcht vor geschlossenen Läden und Ausgehbeschränkungen ausgelegt werden. Der in vielen Geschäften beobachtete auffällig frühe Griff nach den Gaben fürs Fest gehört aber möglicherweise auch zum Selbstschutzkonzept, das sich manche auferlegen. So hat Thalia-Chefin Erika Föst den Eindruck, dass die Leute jetzt schon Geschenke kaufen, weil sie den Rummel fürchten, der üblicherweise Mitte November einsetzt.

„Man spürt die Angst, dass dann unheimlich viel los ist“, sagt die Buchhändlerin weiter. Das führt zwar dazu, dass mancher Kunde den weihnachtlichen Sondertisch verpasst, den sie gerade plant. Wenn sich dann aber tatsächlich nicht alles in der Hochphase des Geschenkekaufens ballt, haben sie und ihre Mitarbeiter nichts dagegen.

Weihnachtliches Ambiente: Schützle ist eines der ersten Geschäfte in Pforzheim, das die Kundschaft aufs Fest einstimmt. Foto: Edith Kopf

Gerade angefangen, Grußkarten und Geschenkpapier aus dem Lager zu holen, hat Susanne Meisenbacher. Ganz angekommen sei das Geschenkethema noch nicht in ihrem Geschäft Cigale in der Dillsteiner Straße. „Aber es wird viel geschaut“, sagt sie. Außerdem geht sie davon aus, dass LED-Kerzen in diesem Jahr endgültig den Durchbruch haben werden. Ungefährlich, rußfrei und mit Fernbedienung halten sie dieser Tage auch bei ihr Einzug, obwohl ihr „das eigentlich nicht ganz entspricht“.

Unterschiedliche Nachfrage

Die ganze Vielfalt der dekorativen Trends für Weihnachten 2020 ist bereits bei Schützle am Marktplatz ausgebreitet. Stilisierte Engel stehen zwischen rot- und silberfarbenem Baumschmuck. Auch Fondue-Sets und edelhölzerne Schneidbretter signalisieren bereits eindeutig: Es geht dagegen. Das Porzellanhaus ist damit eines der ersten Geschäfte in der Stadt, das dem frühen Einkäufer das zum Anlass passende Ambiente bietet. Chefin Andrea Schützle hat gerade am Samstag schon einige bedient. Aber dass Corona tatsächlich die weihnachtliche Nachfrage nach vorne verschiebt, kann sie nicht feststellen.

Weihnachtliches Ambiente: Schützle ist eines der ersten Geschäfte in Pforzheim, das die Kundschaft aufs Fest einstimmt. Foto: Edith Kopf

„Gar nichts“ von einem neuen Zeitplan beim Gabenkauf ist laut Filialleiterin Melody Bliss beim Drogeriemarkt Müller am Sedanplatz zu spüren. Weder beim Geschenkpapier noch bei den Süßwaren oder beim Geschirr gebe es eine auffällige Nachfrage. Zum Geschäft mit dem Papier fürs „Geschäft“ wurde sie nicht gefragt. Aber die Abteilung für Klopapier und andere Hygieneartikel ist gut besucht.

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