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Rettungskräfte in der Pandemie

Mehr als jeder vierte Mitarbeiter des Polizeipräsidiums Pforzheim von Corona betroffen

Wie wirkt sich die Corona-Pandemie auf die Rettungskräfte in der Region Pforzheim aus? Ein Überblick über die Lage bei Polizei, Rettungsdienst und Feuerwehr.

Viele Kontakte: Rettungskräfte wie die Polizei müssen wohl oder übel zu den Menschen – auch in Zeiten, in denen man Kontakte reduzieren soll. Foto: Silas Stein/dpa/Symbolbild

Deutlich mehr als jeder vierte Mitarbeiter des Polizeipräsidiums Pforzheim war oder ist vom Coronavirus betroffen. Das ergeben Zahlen, die die zuständige Pressestelle dieser Redaktion auf Anfrage übermittelte. Die zweite Welle der Pandemie wirkt sich also auch auf die Rettungskräfte in der Region Pforzheim aus. Für die Polizei bedeutet das: Täglich stehen im Schnitt 15 bis 20 Beschäftigte coronabedingt nicht zur Verfügung.

Aktuell sind laut den Zahlen vom Montag drei Mitarbeiter des Polizeipräsidiums mit dem Coronavirus infiziert. Insgesamt waren seit Beginn der Pandemie zwölf Mitarbeiter infiziert, ein Krankheitsverlauf war schwer, die anderen leicht. Die Mehrzahl der Fälle, in denen das Präsidium wegen der Pandemie auf Beschäftigte verzichten muss, haben also keine Erkrankung, sondern eine Quarantäne-Anordnung oder eine Freistellung als Grund.

15 Mitarbeiter sind aktuell in behördlich angeordneter Quarantäne, weil sie direkten Kontakt zu einem Infizierten hatten, oder sie sind aufgrund interner Regelungen für einige Tage vom Dienst freigestellt, weil ein Verdacht auf einen Risikokontakt besteht. Insgesamt registriert die „Informationssammelstelle Corona“ im Präsidium bisher 327 Fälle von Erkrankung, Quarantäne oder Freistellung.

Im Präsidiumsbereich verrichten 1.028 Schutz- und Kriminalpolizisten sowie weitere 155 Beschäftigte im Nichtvollzug ihren Dienst in den Landkreisen Calw, Freudenstadt, dem Enzkreis und dem Stadtkreis Pforzheim.

Wir sind darauf eingestellt, dass wir unsere polizeilichen Maßnahmen entsprechend priorisieren.
Sabine Maag, Sprecherin des Polizeipräsidiums

„Derzeit sehen wir keinen Anlass zur Sorge, dass wir unsere anstehenden, vordringlichen Aufgaben nicht bewältigen können“, erklärt Sprecherin Sabine Maag mit Blick auf die Corona-Situation. „Wir sind darauf eingestellt, dass wir unsere polizeilichen Maßnahmen entsprechend priorisieren und uns um die wichtigen Sicherheitsbedürfnisse der Bevölkerung kümmern. Das wird auch weiterhin so sein.“

Sollte eine Stelle im Präsidium doch mal durch mehrere gleichzeitige Ausfälle in personelle Schwierigkeiten geraten, würde man intern für Ersatz sorgen. Schutzmaßnahmen wie die Freistellungen sollen dafür sorgen, dass es keine Ansteckungsketten gibt. Die Funktionsfähigkeit soll nicht gefährdet werden.

Auch für andere Rettungskräfte ist das Virus ein Thema. Die Feuerwehr Pforzheim beobachtet die Lage täglich, wie Kommandant Sebastian Fischer dieser Redaktion schildert. Seit Beginn der Pandemie gab es 61 sogenannte Vorgänge, also beispielsweise Corona-Verdachtsfälle. Fischers gute Nachricht: „Die Berufsfeuerwehr ist bisher frei von Infektionen.“ Dort gibt es rund 100 Einsatzkräfte. Bei den 350 Freiwilligen Feuerwehrleuten in Pforzheim gab es bisher zwei Infizierte und weitere zwei Quarantäne-Fälle. Durch schnelle Tests ließ sich aber vieles zügig klären.

Berufsfeuerwehr bisher ohne Infizierte – und mit Gedankespielen für den Ernstfall

Das Konzept der Feuerwehr sieht unter anderem vor: „Abstand halten und Maske tragen, auch auf der Wache und im Fahrzeug“, erklärt Fischer. Es werde viel getan. „Wir hoffen, dass es dann auch im Worst Case reicht, nämlich wenn jemand aus dem privaten Bereich das Virus mit zur Arbeit bringt.“

Wie es dann weiterginge, wenn doch viele Kollegen gleichzeitig betroffen sein sollten, müsste mit dem Gesundheitsamt abgestimmt werden. Die Feuerwehr ist schließlich kein normaler Arbeitgeber. Fischer nennt Optionen wie schnelle Tests, um den Zustand von Kontaktpersonen unter den Kollegen zu klären – oder sogar die Möglichkeit einer Arbeitsquarantäne. Dann könnten im Notfall symptomfreie Feuerwehrleute weiterarbeiten.

Zahlenmäßig ist auch das Deutsche Rote Kreuz bisher gut durch die Pandemie gekommen. Die Pressebeauftragte Daniela Kneis sagt: „Derzeit ist ein Kollege aus dem Rettungsdienst positiv getestet und zu Hause in Quarantäne. Außerdem ist eine Mitarbeiterin aus dem Bereich betreutes Wohnen in Quarantäne, weil ihre Tochter positiv getestet wurde.“ Insgesamt gibt es im Kreisverband Pforzheim/Enzkreis 350 hauptberufliche Mitarbeiter.



DRK muss deutlich mehr Autos desinfizieren

Das Coronavirus bedeute für den Rettungsdienst keine besonders große Umstellung. „Wir können mit so etwas umgehen, das haben wir gelernt. Wir hatten schon immer Infektfahrten, da aber eben mit anderen Erkrankungen“, sagt Kneis.

Einen Unterschied gibt es trotzdem: „In anderen Zeiten musste man im gesamten Kreisverband nur einige Male pro Woche ein Auto desinfizieren. Jetzt sind das sechs- bis achtmal pro Tag.“ Der Zeitaufwand für eine Fahrt mit einem Patienten, bei dem der Verdacht auf eine Covid-Infektion besteht, liege etwa eine Stunde höher als in anderen Fällen. „Das geht los beim Anlegen des Schutzanzugs und reicht eben bis zum Desinfizieren des Autos“, verdeutlicht Kneis. Die Konzepte, um das Virus von den eigenen Leuten fernzuhalten, würden sich aber bewähren.

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