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Sensation bleibt aus

CDU verliert in Pforzheim kräftig und gewinnt das Mandat

Beim wichtigsten Punkt bleibt in Pforzheim alles wie gehabt: Gunther Krichbaum hat auch diesmal den Kampf um die Erststimme für sich entschieden. Die Sensation im Wahlkreis Pforzheim, der auch die Kommunen des Enzkreises umfasst, ist ausgeblieben.

Gunther Krichbaum hat das Direktmandat im Wahlkreis Pforzheim erneut verteidigt. Auf der CDU-Wahlparty stieß er mit einem Bier an. Unter den Gratulanten war auch Uwe Hück (Dritter von links) von der Bürgerbewegung. Foto: Daniel Streib

SPD-Herausforderin Katja Mast, immerhin die stellvertretende Bundestagsfraktionschefin der wiedererstarkten SPD, konnte den bisher singulären Erfolg ihrer Vorgängerin Ute Vogt von 1998 auch diesmal nicht erneuern. Zum sechsten Mal bei einer Bundestagswahl in Folge heißt in Pforzheim der Gewinner Krichbaum.

Bei den Pforzheimer Christdemokraten, die in der zentral gelegenen Weinbar eines CDU-Stadtrats zusammengekommen waren, herrschte am frühen Abend noch große Nervosität. „Die Bundestagswahl ist für mich gerade zweitrangig, jetzt geht es um den Wahlkreis“, bangte ein junges Mitglied. Philippe Singer vom Kreisvorstand zeigte sich optimistisch: „Das Kämpfen der vergangenen Tage hat sich gelohnt.“

Krichbaum selbst erschien gegen 20 Uhr als der zu diesem Zeitpunkt bereits mehr als mutmaßliche Sieger – in Begleitung seiner Frau, der Pforzheimer CDU-Stadträtin Oana Krichbaum. „Natürlich sehe ich diesen Abend mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Bundesweit ist es das schlechteste Ergebnis der CDU seit dem Bestehen der Bundesrepublik. Die Aufarbeitung ist dringend notwendig, denn wir als CDU gehören nicht in diese Ränge.“

Bei der FDP war es wackelig

Was die weiteren Mandate über die Zweitstimmen anbelangt, galt zumindest Katja Mast mit ihrem komfortablen Listenplatz als gesetzt. Auch bei Stephanie Aeffner zeichnete sich früh ab, dass die Grünen zwar unter ihrem Potenzial blieben, aber die Kretschmann-Partei für Pforzheim und den Enzkreis künftig nicht nur über zwei Landtagsabgeordnete verfügt, sondern auch über eine Bundestagsabgeordnete.

Wackeliger gestaltete sich dies beim Vierten im Bunde: Trotz der traditionell starken Pforzheimer FDP blieb ihr Kandidat Rainer Semet in der Wahlnacht lange im Unklaren. „Dass es so gut läuft, damit hätte ich nicht gerechnet. Wir hoffen alle, dass sich bei der Sitzplatzverteilung noch etwas bewegt“, so der FDP-Kandidat. Bis zum Redaktionsschluss war aufgrund der komplexen Berechnungen nicht endgültig klar, ob Semet den Sprung ins Parlament geschafft hat.

Am Montagmorgen ist dann klar: Rainer Semet hat es ebenfalls nach Berlin geschafft.

Landtagsabgeordneter Erik Schweickert betonte das Positive: „Es ist das erste Mal, dass die FDP an zwei aufeinanderfolgenden Bundestagswahlen ein zweistelliges Ergebnis einfährt.“

Wenig erfreulich verlief die Bundestagswahl für die Pforzheimer AfD. Auch in der einstigen Hochburg konnte die Protestpartei nicht so recht punkten und verschlechterte sich im Vergleich zu 2017. Freilich bleiben die Ergebnisse der AfD in einigen Wahlbezirken der Stadt Pforzheim extrem stark. Kreisvorsitzender Bernd Grimmer: „Das Ergebnis liegt im Rahmen der Erwartung. Ich hätte mir mehr Stimmen erhofft.“

Hücks Bürgerbewegung und Freie Wähler bleiben Randnotiz

Eine Randnotiz der Bundestagswahl bleiben zwei in Pforzheim hoch gehandelte Klein-Parteien. So blieben die Freien Wähler weit unter ihren eigenen Erwartungen. Dabei hatten sich die örtlichen Vertreter um den langjährigen Stadtrat Michael Schwarz überaus stark gemacht für ihre Kandidatin Sabine Zeitler.

Auch die von Lokalmatador Uwe Hück mit viel Nachdruck ins Rennen geschickte „Bürgerbewegung für Fortschritt und Wandel“ enttäuschte mit nur rund 0,5 Prozent. Das hinderte den Parteigründer nicht daran, bestens gelaunt bei der Wahlparty der CDU seine Gemeinsamkeiten mit Sieger Krichbaum zu betonen. Spötter behaupten, Ex-SPDler Hück habe sich vor allem gefreut, weil seine frühere Widersacherin Katja Mast nicht gewonnen hat.

Derweil lenkte Hück noch am Abend den Blick auf die Kommunalpolitik, die ein wichtiger Schwerpunkt der Bürgerbewegung werden soll. „In zweieinhalb Jahren geht es um die Neubesetzung von Bürgermeister-Stellen in Pforzheim und bald darauf steht wieder eine Oberbürgermeisterwahl an“, sagte der Stadtrat am Rande der CDU-Veranstaltung. Er selbst wolle aber nicht antreten, betonte Hück mit Verweis auf neue berufliche Verpflichtungen bei einem Fitnessgeräte-Start-Up.

Pforzheims Oberbürgermeister Peter Boch (CDU) muss demnach nicht mit einem Gegenkandidaten Hück rechnen. Boch, der sich im Wahlkampf den Besuch sämtlicher Wahlkampfveranstaltungen versagt hatte, äußerte sich auch nach der Bundestagswahl überparteilich: „Es gibt ein großes Potenzial bei den Unentschlossenen. Erschreckend geringe Wahlbeteiligung. Das stimmt mich traurig.“

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