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Bundesweite Aktion

Kinos in Pforzheim leuchten in der Corona-Krise

Bundesweit leiden die Kinos unter der Schließung wegen des Coronavirus. Deswegen haben sie jetzt unter dem Motto „Kino leuchtet“ auf ihre Situation aufmerksam gemacht – auch in Pforzheim.

Aufmerksamkeit für die prekäre Lage: Während das Motto „Kino leuchtet“ auf der Außenwand des „Koki“ hell und farbenfroh erscheint, bleibt es im Kino, wie in den vergangenen Wochen auch, dunkel. Foto: Susanne Roth

Da werden die Augen schon etwas feucht. Während Fußgänger eher achtlos an dem Gebäude vorbei gehen, das nur am Sonntagabend für wenige Stunden beleuchtet ist und ansonsten seit Monaten im Dunkeln verharrt, überkommen Nicolas Geiger wehmütige Gefühle. Privat gehe es ihm gut, sagt er. Das „Aber“ schwingt mit beim Blick auf das Kino „Rex“ in Pforzheim, das er mit seinem Vater Michael Geiger betreibt.

Dann gesellt sich noch die Geschäftsführerin des Kommunalen Kinos, des „Koki“, Christine Müh, mit einem Teil ihrer Mannschaft zu dem Treffen in der sonst dunklen Bahnhofstraße. Umso herzerwärmender der ungewohnte Anblick des erhellten Kinos. Und auch das „Koki“ strahlt ins Dunkle des Schlossparks, dank Frank Wettig mit beleuchteten Kanistern und der Aufschrift „Kino“ über der Tür – und mit einem Beamer wird das bundesweite Motto des Abends an die Außenwand des Lichtspielhauses projiziert: „Kino leuchtet“.

Das Kinoleuchten haben die Geigers (die auch das Cineplex betreiben) und die Müh-Mannschaft nicht für zwei Stunden initiiert, weil es hübsch aussieht. Das tut es auch. Die bundesweite Aktion soll unter anderem die Politik auf die prekäre Lage der Kinos und damit der Kulturlandschaft generell aufmerksam machen.

Das versteht keiner, dass die Kultur ganz zum Schluss kommt.
Christine Müh, Geschäftsführerin des „Koki“

„Das versteht keiner, dass die Kultur ganz zum Schluss kommt“, so Christine Müh, die sich aber umso mehr über die Einigkeit zeigende Kinobranche freut, die „nun eine klare Perspektive braucht“ und auch mit einem gemeinsamen Konzept an den Start gehen will.

Wann das Startsignal ertönt, darüber will keiner der Anwesenden Prognosen wagen. „März auf keinen Fall, wir tippen auf Ostern“, sagt Michael Geiger und schränkt ein: „Wir brauchen auf jeden Fall vier Wochen Vorlauf.“ Er vergleicht das mit einem Lokal, das auch erst mal einkaufen müsse, bevor es wieder Speisen servieren könne.

Kinos in Pforzheim halten sich auch mit „on demand“-Angeboten über Wasser

Er zeigt sich zuversichtlich. „Wir haben schon viele Herausforderungen gemeistert, das werden wir auch noch schaffen!“ Beide Kinos halten sich mit „Kino on demand“ etwas über Wasser und mit Fördermitteln, beide Betreiber aber sind sich einig, dass die „Deadline“ mit dem Sommer erreicht wäre.

Und was wurde am 1. November 2020, dem Tag der letzten Öffnung vor dem Lockdown, gezeigt? Ein bisschen Grübeln auf beiden Seiten. Christine Müh ist raus aus der Nummer, sie war während dieser Zeit im Sabbatical.

Aber relativ schnell kommt Sebastian Hilscher, der während ihrer Abwesenheit die Fahne des Koki über der stürmischen See oben gehalten hat, auf die Lösung: „Und morgen die ganze Welt“ zum Beispiel, der neue Film von Julia Heinz.“ Nicolas Geiger sinniert. „Auf jeden Fall viele Horrorfilme wegen Halloween.“ Der eigentliche Horror für die Kinos fing dann erst richtig an.

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