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Auch Einzelhändler bereiten sich auf den Lockdown vor

Pforzheimer Schulen beginnen „geordneten Rückzug“ – und arbeiten mit Hochdruck an der Notbetreuung

Die Schulen machen dicht, der Einzelhandel bietet über die Schließung hinaus noch Lieferdienste nach Hause an. Zwei Tage vor dem Lockdown sind viele Kunden auf Weihnachts-Shopping-Tour. Gedränge herrscht aber nicht.

Stille vor dem Schluss: Auf dem Inselschulen-Campus in der Pforzheimer Innenstadt ist bereits am Montag vor dem Weihnachts-Lockdown wenig Betrieb. Foto: Daniel Streib

Unmittelbar nach der Erklärung von Ministerpräsident Winfried Kretschmann am Sonntagnachmittag zur Schließung der Schulen ab kommendem Mittwoch kontaktierte Joachim Eichhorn sein Kollegium. Er habe mit der Notbetreuung gerechnet. „Und wir hatten ja schon im Frühjahr Erfahrungen damit gesammelt“, sagt der Leiter der Kirnbach-Grund- und Werkrealschule in Niefern.

An diesem Montag ist Eichhorn damit beschäftigt, einen Rundbrief an die Eltern aufzusetzen. Erst am Dienstag wird er wissen, wie viele Schüler Notbetreuung brauchen und wie viele Lehrer er dafür abstellen muss.

Sofort hätten sich Kollegen bereit erklärt, obwohl auch sie nicht frei von Ansteckungsängsten seien. „Ich rechne mit null bis 25 Kindern an der Grundschule.“ Im Bereich der Werkrealschule geht es um einige Fünft- und Sechstklässler. Die allermeisten Schüler werden entsprechend der Verordnung ab Mittwoch zu Hause bleiben.

Das bedeutet auch, dass sie spätestens an diesem Dienstag ihre gesamten Materialien mitnehmen müssen. „Wir wissen auch nicht, ob wir am 11. Januar wieder öffnen können.“ Eine offizielle Vorgabe zum Sportunterricht und Schwimmen sei bislang ausgeblieben, ergänzt Eichhorn. „Wir haben den Unterricht nun eigenmächtig ausgesetzt.“

Rektoren sind froh, endlich Klarheit zu haben

Martin Hoffmann, Leiter der Fritz-Erler-Schule (FES) in Pforzheim, ist froh nach dem „Drunter-und-Drüber“ endlich Klarheit zu haben. Die hätte er sich – wie die Rektoren anderer Schulen auch – früher gewünscht. Am meisten hätten er und sein Kollegium in der vergangenen Woche zu tun gehabt, als man angesichts der in Pforzheim und dem Enzkreis besonders drastisch steigenden Infektionszahlen Konzepte für verschiedene Klassenstufen und Ausbildungsgänge erarbeitete.

Das Meiste ist nun, nicht nur in der FES, bereits wieder obsolet. „Jetzt geht es um einen geordneten Rückzug.“ 25 von 80 Klassen sind an Hoffmanns Schule Abschlussklassen. Sie werden Fernunterricht erhalten. Hinsichtlich der technischen Ausstattung sei man nun weitaus leistungsfähiger als vor einem Dreivierteljahr, erklärt Hoffmann.

Es ist unheimlich wichtig, dass wir alle an einem Strang ziehen.
Kai Adam, Leiter des Reuchlin-Gymnasiums

Kai Adam, Leiter des Reuchlin-Gymnasiums, rechnet mit einer „relativ“ reibungslosen Umsetzung der Notbetreuung und des Fernunterrichts der Prüfungsklassen an seiner Schule. „Wir arbeiten mit Hochdruck daran.“ Der Beschluss von Bund und Ländern am Sonntag habe ihn nach dem Hin-und-Her der vergangenen Wochen doch überrascht. „Aber es ist unheimlich wichtig, dass wir alle an einem Strang ziehen.“

Den für kommenden Freitag geplanten Weihnachtsgruß muss Adam nun vorziehen. Nehmen lassen will er ihn sich nicht. Er will das Bethlehem-Licht in die Schule bringen und an jeder Klassenzimmertür etwas Weihnachtliches vorlesen, „Und ich werde den Schülern aus der Ferne zuwinken“, erklärt Adam. Ein bisschen weihnachtliche Stimmung sei auch für die Kollegen wichtig.

Nicht alle sind begeistert von frühen Weihnachtsferien

Die 14-jährige Yesim geht auf die Inselschule in Pforzheim und ist nicht gerade begeistert von dem früheren Beginn der Weihnachtsferien. „Wir steigen ab Mittwoch auf Homeschooling um, das ist besser als nichts, aber mit dem Unterricht im Klassenzimmer nicht vergleichbar“, findet die Werkrealschülerin in der neunten Klasse. Yesims Lieblingsfächer sind Deutsch und Mathe. „Wenn man da mal eine Nachfrage hat, dann ist es in der Videokonferenz eher schwierig“, sagt sie und schiebt gleich nach: „Natürlich habe ich Verständnis dafür, dass die Schule jetzt wegen Corona geschlossen wird.“

Inzwischen meldet die Stadt Pforzheim von der Bohrainschule zwei infizierte Schüler. Sie befänden sich in Quarantäne. Auch eine Fachkraft der Kita Holzgartenstraße sei positiv getestet und in Quarantäne geschickt worden – mit weiteren Kontaktpersonen. In Schule wie Kita werde der Betrieb in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt fortgesetzt.

Einzelhändler setzten auf Liefer- und Abholdienste

Während die Schulen den Betrieb herunterfahren, versucht der Einzelhandel das Beste aus der Situation zu machen. Galeria Kaufhof lockt mit 50-prozentiger Ermäßigung beim Verkauf von Dingen aus dem „Weihnachtsmarkt“, wo Schoko-Nikoläuse und mit Schokolade gefüllte Adventskalender reißenden Absatz finden und ebenso wie Parfümartikel eine Etage darüber für Schlangen an den Kassen sorgen. Die Kunden seien ein wenig gestresst, beschreibt eine Verkäuferin die Stimmung.

Wir wollen ja nicht, dass die Leute jetzt noch die Läden stürmen. Was wir jetzt brauchen, ist Vernunft
Thomas Sänger, Centermanager der Schlössle Galerie

Die kurze Zeit, die zum Weihnachtsshopping noch bleibt, wird genutzt und doch ist die Anzahl der Menschen, die in der City unterwegs sind, überschaubar. „Mit dem echten Weihnachtsgeschäft hat das nichts zu tun“, kommentiert Thomas Sänger, Centermanager der Schlössle Galerie, was er in dieser Situation allerdings für richtig hält:

„Wir wollen ja nicht, dass die Leute jetzt noch die Läden stürmen. Was wir jetzt brauchen, ist Vernunft.“ Mit Ausnahme von vier oder fünf Geschäften, etwa der Apotheke und dem Drogeriemarkt, wird auch die Schlössle Galerie bis auf weiteres dicht machen.

Bei Mode-Lenk freut man sich an diesem Tag über ein gutes Geschäft. „Ich bin ganz happy“, sagt Geschäftsführerin Michaela Lenk am Vormittag. Sie und ihr Team bereiten zudem Gutscheine vor. Kunden können Modeartikel noch nach der Schließung telefonisch oder per E-Mail ordern. „Wir bringen die gewünschte Silverster-Bluse auch nach Hause“, sagt Lenk, die die Entscheidung der Politik begrüßt. „Da müssen wir durch, ob wir wollen oder nicht.“

Das sieht Katalin Stiess genauso. Das Haushaltswarengeschäft am Waisenhausplatz bietet ebenfalls einen Lieferservice sowie einen Abholdienst an, vielleicht sogar bis Heiligabend.

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