Skip to main content

Videos aus Schlachthöfen

Tierschützer und Veganer harren zwölf Stunden vor Müller-Fleisch aus

Sie kommen schon zum dritten Mal, und dieses Mal sind es doppelt so viele: Tierschützer und Veganer haben am Samstag erneut vor dem Schlachthof in Birkenfeld protestiert.

Organisator Bruce Jung (rechts) und die extra aus Lüneburg angereiste Maja Bethmann wollten mit den anderen rund 40 Demonstranten für eine vegane Lebensweise werben, um das Leid der Tiere zu stoppen Foto: Stefan Friedrich

Von unserem Mitarbeiter Stefan Friedrich

Sie stehen gegenüber von Müller-Fleisch, halten Plakate in die Luft und kämpfen dafür, dass Tiere nicht mehr getötet werden müssen: Es sind rund 40 Demonstranten, die am Samstag nach Birkenfeld gekommen sind, viele von ihnen bereits zum dritten Mal. Zwölf Stunden lang harren sie dort aus, unermüdlich und mit einer klaren Botschaft vor allem an die Verbraucher: „Wenn sie sagen, wir brauchen das alles nicht mehr und greifen zu tierfreien Produkten“, erklärt Organisator Bruce Jung, dann habe man das Ziel erreicht.

„Wir möchten Menschen auf das Leid der Tiere aufmerksam machen und sie zu einer veganen Lebensweise ermutigen“, beschreibt Jung, was sie hier alle antreibt. „Wir wollen zeigen, dass es anders geht, ohne Leid und ohne Ausbeutung von Tieren.“ Ein Hilfsmittel, dem sie sich bedienen: Videos fürs Internet. Sie halten mit der Kamera fest, wenn Tiere angeliefert werden, auch wenn man diese nicht immer zu sehen bekommt. Manchmal ist es nur die Schnauze, die durch die Transportfahrzeuge zu erkennen ist, weiß Jung.

Zwei Mal haben sie schon vor dem Unternehmen demonstriert , viele weitere Demos sollen noch folgen, zunächst im Zwei-Wochen-Rhythmus. Dieses Mal haben sie ein besonderes Zeichen setzen wollen, verrät Jung den Grund, warum viele von ihnen schon mitten in der Nacht, um drei Uhr, hierher kamen – mit dem Ziel, volle zwölf Stunden durchzuhalten, weil das die Aufmerksamkeit natürlich noch einmal erhöht. „Normalerweise fangen wir um acht an und machen dann zweieinhalb Stunden“, bemerkt Jung.

Demonstrant aus Stuttgart: „Es ist falsch, Tieren für einen fünfminütigen Gaumenkitzel Gewalt anzutun”

Während er davon erzählt, dass auch viele Autofahrer diese Aktion goutieren – „die zeigen uns den Daumen hoch und hupen“ – geschieht genau das: Die Autofahrer auf der Industriestraße erkennen schon von Weitem die Gruppe von rund 40 Demonstranten – übrigens doppelt so viele wie beim letzten Mal – die mehrere Plakate in die Luft strecken und diese so halten, dass sie auch für die Autofahrer gut zu sehen sind.

Anders als die Kerzen und Blumen auf dem Boden, die dennoch nicht nur einen dekorativen Zweck erfüllen, sondern Teil des Statements sind, das die Demonstranten hier abgeben wollen. Demonstranten wie Jens Vogt, der extra aus Stuttgart angereist ist, „weil ich die Gewalt sehe, die die Tiere jeden Tag in den Mastanlagen und in den Schlachthöfen erleiden.“ Da bestehe dringend Handlungsbedarf, betont Vogt.

Und darauf will er aufmerksam machen. „Tiere wie Kühe, Schweine und Hühner sind genauso empfindungsfähige Lebewesen wie Hunde und Katzen.“ Auch sie hätten daher „unser Mitgefühl verdient“ und es sei falsch, diesen Tieren „so viel Gewalt anzutun für einen fünfminütigen Gaumenkitzel.“

Tiere für einen kurzen Moment Liebe spüren lassen

Eine Meinung, die auch Alicia Holley aus Knittlingen teilt, die schon bei jeder Demonstration vor dem Unternehmen in Birkenfeld dabei war und dieses Mal ein Plakat mit der Aufschrift „Ich will leben. Fleisch ist Mord“ trägt. Sie macht klar: „Mein Gedanke ist nicht unbedingt, dass es den Tieren in der Haltung besser gehen soll, sondern dass die Haltung komplett abgeschafft wird.“

Tiere dürften nicht mehr ausgebeutet werden, sagt auch sie. Auf tierische Nahrung sei der Mensch in den westlichen Industrieländern ohnehin nicht mehr angewiesen. „Wir können uns sehr gut und vor allem auch sehr gesund von pflanzlicher Nahrung ernähren und darum ist das, was hier gemacht wird, für mich Mord.“

Einer Demonstrantin war es sogar so wichtig, auf diesen Umstand hinzuweisen, dass sie weder die weite Anreise aus Lüneburg noch die frühe Uhrzeit gescheut hat: Maja Bethmann. „Ich bin gar nicht erst richtig ins Bett gegangen“, verrät sie und beschreibt, was sie an Schlachthäusern stört: Dass sie „immer etwas im Verborgenen sind und nicht in der Stadt, wo sie jeder sehen kann.“

Dass die Tiere „zumindest einen kleinen Augenblick in ihrem Leben auch Liebe erfahren“, das sei ihr wichtig. Auch deshalb ist sie hier. „Das tun sie ihr restliches Leben nämlich nicht“, also will sie die Tiere ihre Liebe durch ihre Anwesenheit spüren lassen, „kurz bevor deren Leben zu Ende geht.“

nach oben Zurück zum Seitenanfang