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Vor Bürgermeisterwahl

Wahlkampf-Wirbel um Hochwasserschutz beschäftigt Königsbach-Stein

Hat das Rathaus in Königsbach-Stein eine vielversprechende Variante zum Hochwasserschutz nicht angemessen verfolgt? Bürgermeister Heiko Genthner weist Vorwürfe eines Aktivisten zurück. Entsprechende Flugblätter seien „voller Unwahrheiten”. Konkret Stellung beziehen will Genthner aber nicht. Und das Landratsamt will sich erst nach der Wahl dazu äußern.

Streit um Hochwasser: Mühlbach in Königsbach-Stein zwischen der Mühlstraßenbrücke und Kannenbrücke. Foto: Nico Roller

Für Wirbel im Wahlkampf-Endspurt in Königsbach-Stein sorgt ein in der Gemeinde eigentlich altbekanntes Thema: der Hochwasserschutz. Gesprächsstoff liefern dabei aktuelle Flugblätter, für die Erich Rieger verantwortlich zeichnet. Der Steiner thematisiert darin teils polemisch („fünf Millionen Euro gehen den Bach runter”), aber auch mit einer Reihe von Sachargumenten die örtliche Hochwasserschutz-Planung.

Rieger beschäftigt sich seit rund vier Jahren mit dem Thema - und dabei immer wieder auch die Behörden. Inzwischen erhebt er schwere Vorwürfe gegen die Gemeindeverwaltung. Die vom Bürgermeister Heiko Genthner angestrebte „Lösung Leitdeich“ sei nachweislich schlechter und teurer als eine von ihm schon vor Jahren eingebrachte Variante, die einen Damm am Ortseingang vorsieht. Dass sein Standort für eine Hochwasserschutzmaßnahme geeignet sei, gehe auch aus einer Flussgebietsuntersuchung aus dem Jahr 2017 im Auftrag der Gemeinde hervor, behauptet der 77-Jährige, der beruflich als Betriebsleiter eines Automobilzulieferers tätig war.

Aktivist will Mühlbach-Idyll retten

Mit seinen Flugblättern in der Hochphase des Wahlkampfs wolle er vor allem Aufmerksamkeit für seine Herzensangelegenheit, so Rieger über seine Motivation. „Es wäre Irrsinn, wenn der hintere Mühlbach ausgebaggert und die Bäume in diesem ökologischen Kleinod gefällt werden, nur um eine lückenhafte Planung durchzusetzen, für die es doch eine Alternative gibt.” Doch Riegers Aktion stieß auch auf Kritik. Namentlich beim von ihm angegangen Bürgermeister.

In einer Pressemitteilung vom Montag reagierte der um seine Wiederwahl kämpfende Genthner auf die in Riegers Flugblättern erhobenen Vorwürfe und sprach unter anderem von einer „Kampagne zum Hochwasserschutz voller Unwahrheiten per Handzettel“.

Ich lasse mich nicht zum Lügner abstempeln.
Erich Rieger, Mühlbach-Aktivist

Hochwasser-Aktivist Rieger will das aber nicht auf sich sitzen lassen. „Ich lasse mich nicht zum Lügner abstempeln. Alle meine Angaben sind mehrfach geprüft“, behauptet Rieger, der sich auch schon beim Landratsamt über Genthner beschwerte.

Bürgermeister schweigt auf Anfrage

Was sagt man im Rathaus zu den Vorwürfen? Bürgermeister Genthner ließ am Mittwoch und am Donnerstag mehrere Anfragen dieser Redaktion unbeantwortet. Auch seine Aussage, die Flyer seien „voller Unwahrheiten”, konkretisierte Genthner auf Anfrage nicht.

Im Landratsamt des Enzkreises gab man sich nur etwas weniger zurückhaltend. Ein Sprecher von Landrat Bastian Rosenau teilte lediglich mit, dass eine „Kombination aus Dienst- und Fachaufsichtsbeschwerde“ vorliege.

Landratsamt will nach der Wahl Auskunft geben

Inhaltliche Fragen dieser Redaktion ließ das Landratsamt unbeantwortet. Begründung: Der anstehende zweite Wahlgang der Bürgermeisterwahl am kommenden Sonntag. „Das Thema Hochwasserschutz im Bürgermeisterwahlkampf eine wichtige Rolle zu spielen scheint, werden wir, um nicht in den Verdacht zu geraten, dass wir für die eine oder die andere Seite Partei ergreifen, Ihre weiteren Fragen erst in der kommenden Woche beantworten.”

Eine andere Frage dürfte bis dahin geklärt sein: Wer Königsbach-Stein die nächsten acht Jahren als Bürgermeister regiert.

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