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Wie geht es weiter im Amateurfußball?

Der Karlsruher Fußball-Kreisvorsitzende über Spiele im Dezember und Optionen für 2021

Zum zweiten Mal in diesem Jahr ruht der Amateurfußball. Wie es weiter geht mit der Saison, das ist eine gute Frage. Und schwierig zu beantworten, wie auch der Karlsruher Kreisvorsitzende Thomas Rößler weiß.

Krisenmanager: Thomas Rößler, der Vorsitzende des Fußballkreises Karlsruhe, bekommt derzeit viele Fragen, die er selbst nur schwer beantworten kann. Foto: Markus Gilliar/GES

Ende September ist Thomas Rößler als Vorsitzender des Fußballkreises Karlsruhe im Amt bestätigt worden. Dringlichste Aufgaben sieht Rößler im Bereich Nachwuchs und Schiedsrichterwesen. In beiden Bereichen haben Clubs mit sinkenden Zahlen zu kämpfen.

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie überlagern aber derzeit alles, sind das beherrschende Thema. Mit Rößler sprach unser Redaktionsmitglied Gerhard Wolff.

Die Wochen mit Spielbetrieb kann man dieses Jahr fast an zwei Händen abzählen. Wenig zu tun also für einen Kreisvorsitzenden?
Rößler

Das könnte man ketzerisch sagen, ja. Tatsächlich gab es bis zur erneuten Unterbrechung jetzt ungeheuer viel zu tun. Es galt, mit den Vereinen in Kontakt zu bleiben, es gab ja viele Unsicherheiten, die es zu besprechen galt. Zudem habe ich die Corona-Hotline des Badischen Fußballverbandes für die Region Mittelbaden betreut. Da gab es jetzt natürlich wieder viele Anfragen. Vor allem die Frage: Wie geht es weiter?

Gute Frage. Und, was denken Sie? Wird im Dezember noch einmal gespielt?
Rößler

Da bräuchten wir jetzt die berühmte Glaskugel. Die habe aber auch ich nicht. Klar ist: Wenn tatsächlich bis Ende November Trainingsverbot herrscht, sehe ich keine realistische Chance, dass die Spieltage im Dezember ausgetragen werden können. Aus dem Stand heraus, das geht nicht. Alleine wegen der Verletzungsgefahr.

Ist das auch das Stimmungsbild, das Sie von den Vereinen bekommen?
Rößler

Absolut, ja.

Die nächste Frage ist dann: Wie soll es im neuen Jahr angesichts der vielen Nachholspiele weitergehen?
Rößler

Auch das ist aktuell schwierig zu beantworten. Der Spielplan ist an den Wochenenden voll, da geht nichts mehr. Und alles unter der Woche nachholen? Da sind wir im Bereich des Amateurfußballs schnell beim Thema Zumutbarkeit. Denkbar wäre ein früherer Beginn. Also nicht erst Anfang März.

Wäre ein Modell auch jenes, das man im Kreis von Beginn an für die Kreisliga wählte? Also nur Vorrunde, dann Auf- und Abstiegsrunden?
Rößler

Es war im Sommer der ausdrückliche Wunsch der A- bis C-Klasse-Clubs, diese Alternative nicht zu wählen. Das wird also im Moment nicht die Lösung sein. Was wir voraussichtlich haben, ist der neue Pandemie-Paragraf, der auf dem bfv-Verbandstag verabschiedet werden soll. Möglich ist dann eine Verlängerung der Saison bis 15. Juli. Und der Paragraf sieht zudem zwei Möglichkeiten vor: Werden weniger als 50 Prozent der Spiele der Runde ausgetragen, wird die Saison annulliert. Sind es mehr als 50 Prozent, dann greift die Quotienten-Regelung. Diesmal aber mit Auf- und Absteigern.

Hielten Sie notfalls Spiele ohne Zuschauer für denkbar?
Rößler

Undenkbar, das lernen wir dieses Jahr, ist nichts. Meiner Meinung nach waren die Bemühungen der Vereine, die Hygienevorgaben umzusetzen, erfolgreich. Das Problem war tatsächlich eher das Verhalten der Zuschauer. Das sieht man aber nicht nur im Fußball, sondern bei schönem Wetter auch bei beliebten Ausflugszielen. Klar ist: Amateurfußball ohne Zuschauer muss das letzte Mittel sein.

Zuschauer bringen ja auch ein wenig Geld. Wie steht es denn um die Finanzen der Clubs, was kommen da für Rückmeldungen?
Rößler

Insbesondere Clubs, die ihre Gaststätten verpachtet haben oder selbst bewirtschaften, trifft das. Und natürlich fehlen Einnahmen aus Sportfesten. Fehlende Zuschauereinnahmen reißen bei Amateuren ja nicht das größte Loch. Aber sie helfen eben, laufende Fixkosten zu decken.

Wäre das nicht die Zeit, sich zu hinterfragen: Auch im Amateurbereich fließen ja bis in niedere Klassen Gelder für Spieler…
Rößler

… da muss jeder Verein Verantwortung tragen und zeigen, da haben wir als Verband kaum Einfluss. Das ist auch Thema der Einigkeit zwischen den Clubs. Wenn eine oder mehrere ausscheren, wird es schwierig.

Was ist Ihnen in der Abwägung wichtiger: Trainings- und Spielbetrieb oder gegebenenfalls nur Trainingsbetrieb?
Rößler

Ganz klar: der Trainingsbetrieb. Gerade für den Jugendbereich ist das ein enormer Faktor. Und das Ansteckungsrisiko ist gering, sagen Experten. Mein Appell an die Verantwortlichen ist daher, zumindest Training schnellstmöglich wieder zu erlauben.

Es geht auch darum, den Nachwuchs bei der Stange zu halten. Schwer genug ist das ohnehin – seit Jahren gibt es im Jugendbereich einen Negativtrend. Wie kann der gestoppt werden?
Rößler

Ein ganz entscheidender Punkt ist für mich die Qualifizierung, die Ausbildung der Trainer. Im Kreis haben wir daher künftig auch einen Stellvertretenden Vorsitzenden, der diesen Bereich abdeckt. Es zeigt sich ganz deutlich, dass Vereine, die in diesem Punkt viel machen, auch weniger Probleme haben. Es geht doch darum: Die Kinder kommen mit einer Begeisterung für Fußball zu unseren Vereinen. Wir müssen es schaffen, diese Begeisterung zu erhalten und zu fördern.

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