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Karate in der Garage statt Kontaktsport im Dojo

Wie halten sich Karlsruher Kampfsportler im Corona-Lockdown fit?

Der Kampfsport hat es in Zeiten von Corona besonders schwer. Der PSV Karlsruhe und die Karateka der SG Siemens versuchen, mit alternativen Angeboten die Athleten bei der Stange zu halten.

8. Dan: Günther Schleicher (Mitte), Trainer und Karate-Abteilungsleiter der SG Siemens. Foto: Klaus Müller

Dienstags und donnerstags ist Showtime für Erwachsene. Seit Anfang November der zweite Lockdown den Breiten- und Amateursport vor Ort wieder zum Stillstand gebracht hat, meldet sich Günther Schleicher zweimal die Woche um 19.30 Uhr per Zoom-Livestream aus Stutensee-Blankenloch.

Der Unruheständler ist Karate-Abteilungsleiter der SG Siemens, Bundeskampfrichter und Träger des 8. Dan. Nicht zuletzt ist Schleicher lizenzierter Trainer, der in diesen Tagen nicht im vereinseigenen Dojo Techniken lehrt, sondern auf vier Quadratmetern in der heimischen Garage. Mehr als ein Dutzend Mitglieder schaut zu und macht mit. Not macht erfinderisch.

„Auf diese Weise kannst Du die Mitglieder bei der Stange halten. Wenn wir nichts tun, hätten wir zu viele Abgänge. Aber das kommt ja vielleicht noch“, sagt Schleicher. 130 Karateka zählt die einzige Kampfsportabteilung des Mehrspartenvereins mit rund 3.000 Mitgliedern.

Mehr als 150 Kündigungen bei PSV-Kampfsportlern

Was Schleicher befürchtet, ist beim Polizeisportverein schon Realität. Der Breitensportclub, bei dem zuletzt 900 der 2.400 Mitglieder eine der 20 angebotenen Kampf- und Selbstverteidigungssportarten betrieben haben, hat durch den zweiten Lockdown schon 300 Abmeldungen zu verzeichnen, mehr als die Hälfte davon im Bereich des Kampfsports.

„Beim ersten Lockdown waren die Mitglieder noch relativ solidarisch. Aber nun haben wir gravierende Einbußen, auch finanzieller Art“, sagt Attila Horvat, der Finanzvorstand des PSV. Auf 50.000 Euro taxiert er den jährlichen Minderbetrag allein durch die Kündigungen bei den Kampfsportlern und sagt: „Wir blicken sorgenvoll in die Zukunft.“

Weniger Abgänge in traditionellen Sportarten

Betroffen seien vor allem Sportarten, die Studierende angezogen hätten. Durch Einkommensverluste oder weil ausländische Hochschüler in ihre Heimatländer zurückgekehrt seien, hätten beispielsweise Brazilian Jiu-Jitsu und Kickboxen zahlreiche Abmeldungen.

„In traditionell aufgestellten Sportarten bleiben die Leute eher bei der Stange.“ Wie die SG Siemens bietet auch der Polizeisportverein wieder Online-Angebote in allen möglichen Sportarten an, wie er sie schon im Frühjahr offeriert hatte. Horvat: „Trockenübungen helfen. Aber der Zweikampf lebt eben von Kontakt und Ringen ohne Partner geht halt nicht.“

Kurse und Dan-Prüfungen abgesagt

Im Karate ist die Disziplin Kumite die Partner-Disziplin, Kata ist die Variante, in der die Sportler Techniken zeigen im Kampf gegen einen imaginären Gegner. Kata und Selbstverteidigungstechniken sind online und individuell zumindest für Fortgeschrittene daher auch relativ gut zu üben.

Das Training mit dem freilich stets gleichen Partner war im Juli wieder erlaubt, wie sich Schleicher erinnert. Und die Hoffnung war groß, dass die SGS im Herbst auch wieder Kurse und Dan-Prüfungen würde anbieten können. „Die sind aber alle flachgefallen.“ Und damit Einnahmen ausgefallen, mit denen sonst die Trainer bezahlt werden.

Sorge um nachhaltigen Mitgliederschwund

Polizeisportler Horvat treibt indessen die Sorge um, dass sich die Schließungen der Sportanlagen nachhaltig negativ auswirken werden. „Bei Kindern und Jugendlichen gehen Leute verloren, die nicht mehr zurückkommen. Im Karate fehlt dann ein ganzer Jahrgang, diese Lücke schleppt man dann immer mit. Und den ganz Kleinen fehlen dann auch die Vorbilder.“

Ein Idol wie Sara Baradaran. Die 27-Jährige ist das Aushängeschild des PSV, sie ist in Deutschland die Nummer eins in der Disziplin Kata, mehrfache Europameisterin und Vize-Weltmeisterin. Als Spitzenathletin darf sie trotz Lockdowns einzeln trainieren.

„Aber die Gruppendynamik macht einen ja stark und Training mit einem Partner, selbst wenn es ein kontaktloser Kampf ist, ist etwas ganz anderes“, sagt Sensei Matteo Guerra, der Karate-Cheftrainer des PSV. Immerhin ermögliche Karate im Gegensatz zu vielen anderen Sportarten aber Online-Training, weshalb auch die PSV-Karateka wieder unter die Filmproduzenten gehen. Einmal die Woche zeichnen sie eine Übungseinheit auf, die die Mitglieder, wann immer sie Zeit haben, über einen Link abrufen können.

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