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Rund 350 Autos

Corona-Protest: Autokorso rollt hupend durch die Karlsruher Stadtmitte

Hupend und mit Warnblinklicht sind rund 350 Autos von der Messe Karlsruhe in Rheinstetten durch die westliche Innenstadt zum Zirkel gefahren, um gegen die Corona-Beschränkungen zu demonstrieren. Der Autokorso war in Gruppen zu je 50 Fahrzeugen aufgeteilt.

Der Autokorso verstopft die Straßen in der Innenstadt. Foto: Rake Hora /BNN

Mit rund 350 Fahrzeugen ist am Sonntagmittag wie geplant um 14 Uhr ein Protest-Autokorso gegen die Corona-Bestimmungen von der Messe Karlsruhe in Rheinstetten zum Zirkel nahe dem Bundesverfassungsgericht gestartet. In der Telegram-Gruppe von „Grundrechte.Jetzt“ hatte man zuvor eine Teilnehmerstärke von 1.000 Menschen angepeilt.

Die Fahrt führt in Pulks von je 50 Fahrzeugen über die B 36 in die Karlsruher Innenstadt, zunächst zum Mühlburger Tor zur Kunsthalle, dann durch den Zirkel vorbei an Bundesverfassungsgericht und Schlossvorplatz sowie über die Kriegsstraße und die Brauerstraße wieder zurück Richtung Süden.

Die Gruppen lösen sich jeweils auf Höhe der Pulverhausstraße auf. Gegen 16 Uhr passieren letztmals hupende Korso-Teilnehmer den Platz der Grundrechte vor dem Schloss. Per Megafon fordert eine Teilnehmerin: „Kämpfe für Deine Grundrechte, zeige Dein Gesicht.“

An allen neuralgischen Punkten stehen kurz vor dem Start Streifenfahrzeuge der Polizei als Streckenposten. Die Korso-Teilnehmer haben Warnwesten in die hinteren Wagentüren geklemmt. An Autofenstern kleben Slogans. „Wir sind Selbstdenker“ steht da, „Währet den Anfängen“, „Zero Merkel“, „Friede Freiheit Liebe“ und auf einer Warnweste„Wacht auf“.

Ein Teilnehmer hat sein Auto mit schwarz-rot-goldenen Minifahnen dekoriert und zieht ein Plakat auf einem Bootsanhänger hinter sich her. Darauf steht: „It’s not the Virus They want control You“, ins Deutsche übersetzt: Sie wollen nicht das Virus kontrollieren, sondern Dich.

Teilnehmer kommen aus größerem Umkreis

Organisiert ist der Anti-Corona-Autokorso von der Initiative „Grundrechte jetzt“ des Rheinstettener Bürgers Klaus Schimmelpfennig. Die Autokennzeichen verraten das Einzugsgebiet: Calw und der Enzkreis, Wagen aus der Pfalz und Frankreich, Bühler und Rastatter Fahrzeuge und natürlich viele mit den Buchstaben KA für Karlsruhe Stadt und Landkreis sind dabei.

„Wenn sich 300 Teilnehmer hier anschließen, ist das ein Erfolg, bei 500 bin ich sehr zufrieden“, sagte Schimmelpfennig vor dem Start. Er nennt den Korso „eine Solidaritätskundgebung“ mit dem Bundesverfassungsgericht als „Bollwerk gegen mehr Totalitarismus“.

Nur das Bundesverfassungsgericht könne „diesem unsäglichen Spuk der Angstmacherei und Gängelung der Bürger durch die Regierenden ein Ende bereiten“ und „ein baldiges Ende der Suspendierung unserer Grundrechte“ bringen, so der Initiator der Protestfahrt, der in Rheinstetten auch „Abendspaziergänge“ trotz Ausgangssperre organisiert hatte.

Botschaft kommt nur zum Teil an

Um 14.45 Uhr erreicht die erste Gruppe Protestierender hupend und mit Warnblinklicht den Zirkel. Ein Fahrer reckt eine Faust aus dem Fenster, andere winken, eine Beifahrerin lässt eine Wegwerfmaske wie einen Wimpel im Fahrtwind flattern. Mit zehn Minuten Abstand passiert bereits die zweite Gruppe. Es geht flüssig, einzelne entgegenkommende Fahrzeuge machen Platz, Passanten warten.

Doch an etlichen Menschen am Straßenrand geht die Botschaft vorbei, andere reagieren einfach nur genervt. Eine Frau ist aber auch extra an den Zirkel gekommen. Dort erklärt sie Bekannten die Aktion. Sie teilt die Anliegen der Protestierenden. „Ich kenne auch Menschen, die sich da anschließen, es ist für mich nur nicht der richtige Weg“, sagt sie. Veränderungen wolle sie auch bewirken, aber auf stille Weise: „Es muss eine offenere Debatte geben.“

„Wir sind keine Corona-Leugner“, betonen die Ordner Peter Dostert aus der Weststadt und Werner Kraft aus Malsch. Friederike Winter aus Mühlburg war Krankenschwester. Jetzt ist sie zu 80 Prozent schwerbehindert, ein Attest befreit sie von der Maskenpflicht. „Ich werde ausgegrenzt, und da bin ich nicht die einzige“, kritisiert die Korso-Teilnehmerin. Die Sozialpädagogin Dagmar Rauch aus Ettlingen fährt mit, weil sie „für die Grundrechte der Kinder einstehen“ möchte und nicht einverstanden damit ist, wie das Thema Impfen behandelt wird.

Der Bruchsaler Außendienstmitarbeiter Hans-Dieter Nagel will mit seiner Teilnahme erreichen, dass Freizügigkeit im Beruf, Religionsausübung und Demonstrationsfreiheit weniger beschnitten werden. Er sei persönlich betroffen: „Ich bin bei meinen Geschäftskontakten massiv eingeschränkt.“ Frank Häußer aus Kirchheim/Teck ist aus Kuppenheim zum Korso-Start gekommen. „Ich war bei allen großen Anti-Corona-Demos, in Leipzig und dreimal in Berlin“, erzählt er. Das Virus sei eine Tatsache, die Gegenmaßnahmen aber „überzogen“.

Maske ist definitiv nicht Mode

Nicht alle Protestteilnehmer äußern sich so freimütig öffentlich. „Lügenpresse“ schimpft eine gar nicht angesprochene Frau und verlangt, einen Ausweis zu sehen. Ein junger Mann dreht demonstrativ die Musik im Auto laut. Der Song beginnt harmlos mit der Zeile „Deutschland, zeig Dein Gesicht“, dann wird der Text radikaler.

Auf Abstand bleiben oder Maske tragen – das ignorieren trotz Aufforderung per Polizeidurchsage die meisten auf dem Messeparkplatz. Maske über Mund und Nase zu tragen, das ist bei den Versammelten ohnehin definitiv nicht Mode.

Laut Polizei hielten sich die Verkehrsbeeinträchtigungen während der Protestfahrt, die gegen 16.15 Uhr zu Ende ging, in Grenzen. In Karlsruhe kam es weder zu nennenswerten Staus noch zu stundenlangem Lärm wie am 31. Januar in Pforzheim, als ein Protest-Autokorso überraschend auf 1.000 Fahrzeuge angewachsen und organisatorisch entgleist war.

Gegenwind gab es nur beim Kaiserplatz am Mühlburger Tor. Dort traten dem Korso nach Angaben eines Polizeisprechers dreimal Gruppen von jeweils etwa zehn Menschen entgegen. Sie betraten offenbar auch vereinzelt die Fahrbahn. Polizisten stoppten die Versuche, die Corona-Protestfahrt zu behindern.

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