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Rollende Intensivstation

Intensivbus bringt Corona-Patienten aus Bayern nach Karlsruhe

Ein Intensiv-Transportbus des DRK hat am Samstagnachmittag drei schwerkranke Corona-Patienten aus dem Raum Augsburg ins Städtische Klinikum nach Karlsruhe gebracht. Von dort wurden sie weiter in die Pfalz transportiert.

Mit einem Intensiv-Transportbus wurden am Samstagnachmittag Corona-Patienten nach Karlsruhe verlegt. Foto: Thomas Riedel

In dem Bus können bis zu vier Patienten unter Beatmung auch über längere Strecken in einer rollenden Intensivstation transportiert werden.

Die Fahrten werden laut DRK von zwei Intensivmedizinern des Universitätsklinikums Ulm betreut. Mit an Bord des Großraum-Intensivtransportwagens sind zudem drei Notfallsanitäter und zwei Rettungssanitäter.

Nach Angaben des DRK-Kreisgeschäftsführers Karlsruhe, Jörg Biermann, wurden in dem Bus drei Intensivpatienten aus dem Raum Augsburg transportiert. In ganz Baden-Württemberg gebe es vier solcher Busse, die „kleinen OP-Sälen“ gleichen, so Biermann.

Vier Intensivbusse gibt es in Baden-Württemberg

Sie würden eingesetzt, wenn zur Versorgung von Patienten viel medizinisches Gerät gebraucht wird, etwa bei Menschen mit schweren Brandverletzungen.

Der am Samstag eingesetzte Bus wurde nach Informationen des DRK-Rettungsdienstes Heidenheim-Ulm speziell für den Transport von Covid-Patienten umgebaut. Es handelt sich um einen ehemaligen Überlandlinienbus, der im April 2020 als Spezialfahrzeug für Covid-Patienten in Betrieb genommen wurde. Nach der Pandemie soll er im Katastrophenschutz eingesetzt werden.

Warum die Patienten in Karlsruhe umgelagert und nicht direkt weiter nach Rheinland-Pfalz transportiert wurden, konnte auch Biermann nicht in Erfahrung bringen. Das Städtische Klinikum konnte auf Anfrage am Sonntag ebenfalls keine konkreten Angaben zu der Aktion machen.

Am Samstag fünf freie Intensivbetten in Karlsruhe

Nach Angaben des Intensivregisters wurden am Samstagmittag im Stadtkreis Karlsruhe 29 Covid-Patienten auf Intensivstationen behandelt, fünf Betten waren demnach noch frei. Im Landkreis Karlsruhe waren ebenfalls noch fünf Intensivbetten frei.

Wegen der angespannten Corona-Lage waren im Laufe der Woche bereits Patienten aus Karlsruhe und Pforzheim in andere Bundesländer verlegt worden - zum ersten Mal seit Beginn der Pandemie. Zur Koordinierung der Verlegungen wurde im vergangenen Jahr das so genannte „Kleeblatt“-Konzept entwickelt. Wie das „Kleeblatt“-System innerhalb Deutschlands genau funktioniert, lesen Sie hier.

Darüber hinaus hat Frankreich Bereitschaft signalisiert, Covid-Patienten aus Baden-Württemberg aufnehmen zu wollen.

Verlegung am Sonntag weitestgehend abgeschlossen

Die seit Freitag laufende Verlegung von zunächst rund 50 schwer kranken Covid-19-Patienten in andere Bundesländer ist am Wochenende weitgehend abgeschlossen worden. Das teilte Hermann Schröder, seit Mai 2021 Vorsitzender des Arbeitskreises Rettungswesen, Katastrophenschutz und zivile Verteidigung der Innenministerkonferenz, am Sonntag in Stuttgart mit.

Grundlage ist das sogenannte Kleeblatt-System für eine bundesweite Verteilung von Patienten aus Regionen, in denen der Kollaps von Krankenhäusern droht.

Aus Bayern seien bis zum Samstag 24 Patienten verlegt worden, weitere sechs Verlegungen standen am Sonntag an, sagte Schröder. Im Einsatz dafür waren nach seiner Auskunft neben Intensivtransportwagen (ITW), ein Großraum-Intensivtransportwagen, Ambulanzflugzeuge und ein A 310 MedEvac Flugzeug der Bundeswehr.

„Fliegende Intensivstation“ im Einsatz

Dieser Spezial-Airbus, der auch als „fliegende Intensivstation“ beschrieben wird, hatte bereits am Freitag sechs Patienten von Memmingen aus nach Nordrhein-Westfalen gebracht. Am Sonntag flog er fünf schwerkranke Corona-Patienten von München nach Hamburg.

Zudem wurden laut Schröder sechs Patienten aus Thüringen sowie 14 aus Sachsen in andere Länder verlegt. „Dieser bisher größte Intensivverlegungseinsatz in Deutschland hilft bei der Entlastung von Krankenhäusern in den besonders stark betroffenen Regionen“, hieß es in einer Pressemitteilung. Sachsen, Thüringen und Bayern sind von der vierten Corona-Welle besonders stark betroffen, sie weisen bundesweit die höchsten Inzidenzen auf.

Zur Aufnahme der Intensivpatienten hatten sich durch Vermittlung der Länder Krankenhäuser in Niedersachsen, Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Bremen, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland bereit erklärt.

Eine Verlegung von Patienten mit anderen Erkrankungen ist nach einem Kriterienkatalog der Intensivmedizinervereinigung Divi nach dem Kleeblatt-System nur in Ausnahmefällen vorgesehen. Das Konzept war im Frühjahr 2020 unter dem Eindruck der ersten Corona-Welle ins Leben gerufen worden.

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