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OPs müssen verschoben werden

SRH-Klinikum Karlsbad kämpft im Jahr 2021 mit Corona und einem Hackerangriff

Im Januar wütete Corona, im September kam ein Cyberangriff, kurz darauf eine weitere Corona-Welle: Ein Auf und Ab hat das Personal im SRH Klinikum Karlsbad 2021 erlebt.

Im SRH-Klinikum in Karlsbad-Langensteinbach werden seit dem 20. Dezember pro Tag zehn Covid-Patienten behandelt. Foto: Mischa Lange/ SRH Klinikum

Corona hat die Krankenhäuser in Deutschland weiter im Griff – auch das SRH-Klinikum in Karlsbad-Langensteinbach. Durchschnittlich wurden dort seit Beginn der Weihnachtswoche am 20. Dezember laut Sprecherin Julia Oleksiuk pro Tag zehn Corona-Patienten behandelt, drei davon auf der Intensivstation. Zwei von drei Covid-Intensivpatienten mussten im Schnitt beatmet werden.

Die Corona-Welle traf das Krankenhaus im November. Für die Mitarbeiter war es bereits die zweite. Schon um den Jahreswechsel 2020/21 war die Klinik wegen hoher Corona-Zahlen an ihre Grenzen gekommen. Jetzt mussten wieder planbare Operationen verschoben werden, um freie Intensivbetten wurde gerungen.

Mal nahm das SRH-Klinikum Covid-Kranke aus anderen Krankenhäusern im Umkreis auf, die keine Kapazitäten mehr hatten, mal wurden Patienten aus Langensteinbach in andere Kliniken verlegt.

Als im November die Zahl der Beatmungspatienten auf der Karlsbader Intensivstation auf neun stieg, konnten zum Beispiel zwei davon in die Fürst-Stirum-Klinik nach Bruchsal, erinnert sich Andreas Eichler, Ärztlicher Direktor am SRH-Klinikum.

Einige Mitarbeiter am SRH-Klinikum halten der Belastung nicht stand

Auch im SRH-Kollegium half man sich. Anästhesisten packten in der Pflege mit an, Chirurgen auf der Intensivstation oder im Notarztwagen. Dafür wurde das Personal geschult. „Den Teamspirit bei uns finde ich richtig gut“, sagt Andreas Eichler.

Es gibt welche, die sagen, ich halte das nicht mehr aus.
Andreas Eichler, Ärztlicher Direktor SRH-Klinikum

Nicht alle Angestellten, die im ersten Corona-Jahr auf der Intensivstation gearbeitet haben, waren im Dezember 2021 allerdings noch dabei. Für einige war die Belastung einfach zu groß. „Es gibt welche, die sagen, ich halte das nicht mehr aus“, berichtet Eichler. Damit sei das SRH-Klinikum nicht allein. „Alle Kliniken sind aus dem ersten Corona-Jahr mit zehn bis 15 Prozent weniger Betten rausgekommen.“

Denn weniger Personal bedeutet, dass weniger Patienten versorgt werden können. Auch auf der Normalstation. Von 422 Planbetten konnten in Karlsbad 2021 monatlich im Schnitt 350 belegt werden.

Cyberangriff aufs Klinikum in Karlsbad-Langensteinbach Ende September

Doch Corona war nicht die einzige Herausforderung, die das Klinikum 2021 bewältigen musste. Ende September war das Krankenhaus auch noch von einem Hackerangriff betroffen.

Die Angreifer hatten es wohl primär auf die Bildungseinrichtungen der SRH Holding mit Sitz in Heidelberg abgesehen, vorsorglich wurden aber auch die SRH-Kliniken vom Netz genommen. Acht Wochen dauerte es, bis die IT-Infrastruktur wieder hergestellt war.

Als er an einem Sonntag Ende September von einer Kollegin angerufen wurde, habe er zunächst mit nichts Schlimmem gerechnet, erinnert sich Andreas Eichler. Das Patientenmanagementsystem funktioniere nicht mehr, teilte ihm die Kollegin mit.

Rasch zeichnete sich ab, dass das Problem größere Ausmaße hatte. Alle Daten, die elektronisch gespeichert waren, waren nicht mehr abrufbar. Der Zugriff auf den Server nicht mehr möglich, genauso die Kommunikation per E-Mail. Zur Vorbereitung der Operationen, die am nächsten Tag anstanden, blieb nur die Dokumentation auf Papier.

Hochkomplexe Operationen mussten wegen des Hacker-Angriffs verschoben werden

„Zum Glück“, sagt Eichler, „sind wir noch hybrid“. Ein großer Teil laufe rein elektronisch, vieles aber auch noch auf Formularen. Eichler bereitete OP-Checklisten vor, am nächsten Tag konnte so gut wie alles planmäßig ablaufen.

Alle Hände voll zu tun: Andreas Eichler und seine Kollegen am SRH Klinikum sind 2021 gleich doppelt gefordert. Foto: Julia Trauden

Die Nichtverfügbarkeit von ausschließlich digital hinterlegten Daten wie Laborwerten oder Röntgenbildern lähmte jedoch bald den Operationsbetrieb. Hochkomplexe Eingriffe, „von denen wir keine Bilder rekonstruieren konnten“, mussten verschoben werden, erklärt Andreas Eichler.

Die Patienten bekamen vom IT-Ausfall zum Glück nicht viel mit, erzählt Kliniksprecher Mischa Lange, denn das Patienten-W-LAN war weiter intakt.

Wer hinter dem Angriff steckte und was die Hacker forderten, blieb unklar. Die SRH bestätigte auf BNN-Anfrage lediglich, dass die Hacker die Stiftung kontaktiert und Daten „in sehr geringem Umfang“ kopiert und im Darknet veröffentlicht hatten. Auf Erpressungsversuche wollte sich die SRH nicht einlassen und die IT-Infrastruktur aus eigener Kraft wieder herstellen.

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