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Gemeinderat stimmt für Einsetzung

Böhe-Kommission in Malsch: Experte soll Vorarbeit für Aufarbeitung der Gewaltvorwürfe leisten

Stimmen von Betroffenen, die von teils heftiger Gewaltanwendung des ehemaligen Malscher Pfarrers Anton Böhe gegen Kinder berichteten, schlugen zuletzt hohe Wellen. Der Gemeinderat stimmte nun für die Einsetzung einer Historischen Kommission zur Aufarbeitung der Vorwürfe.

Hier ist Anton Böhe (Zweiter von rechts) mit Kaplan Franz Alferi (rechts) zu sehen, der dem Pfarrer ab 1957 unterstellt war. Foto: Heimatfreunde Malsch

Wie soll die Historische Kommission zur Aufarbeitung der Gewaltvorwürfe gegen den Malscher Ehrenbürger und ehemaligen Pfarrer Anton Böhe vorgehen, wer soll mitwirken, und wie werden Zwischenergebnisse kommuniziert? Mit diesen Fragen beschäftigte sich der Malscher Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung.

Zu Gast war Clemens Rehm, der die Grundsatzabteilung im Landesarchiv Baden-Württemberg leitet und mit seinem Team Missbrauchsfälle vor allem in Kinderheimen aufarbeitet. Er soll die Böhe-Kommission leiten.

Die Aufarbeitung von Gewalt- und Missbrauchsvorwürfen gegen Kinder sei „sicher eine der schwersten und sensibelsten Aufgaben, die wir in unserem Beruf haben“, hob Rehm gleich zu Beginn hervor. Man müsse „ohne Zorn und ohne Übereifer“ an sie herangehen.

Die Arbeit bestehe aus zwei Teilen: Zum einen müssten Akten durchgegangen und analysiert werden, die Auskunft zu den Vorgängen in der aktiven Zeit von Anton Böhe als Pfarrer und Lehrer zwischen 1952 und 1985 geben. Zum anderen müssten Gespräche mit den Opfern geführt werden.

Das ist ein langsamer Prozess. Da muss Vertrauen aufgebaut werden.
Clemens Rehm, Leiter der Böhe-Kommission

„Das ist ein langsamer Prozess. Da muss Vertrauen aufgebaut werden“, so Rehm. Wie lange dieser Prozess dauern werde, „kann ich seriös nicht sagen“.

Experte: Zunächst Überblick über Quellenlage gewinnen

Rehm schlug vor, sich in den ersten zwei bis drei Monaten zunächst einmal einen Überblick über die Quellenlage im Fall Böhe zu verschaffen und dann erneut mit dem Gemeinderat in Kontakt zu treten. Dann könne man festlegen, wie viel Hilfe er benötigt und wer noch mitarbeiten soll.

Unter anderem hatte wie berichtet Johannes Heibel, Vorsitzender des Vereins Initiative gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen mit Sitz im Westerwald, seine Unterstützung angeboten.

Rehms Vorschlag traf bei den Mitgliedern des Gremiums auf Zustimmung. Man solle „keinen Schnellschuss“ machen, waren sich Thomas Kastner (CDU) und Markus Bechler (Freie Wähler) einig. Unschlüssig waren sich die Fraktionen, ob Zwischenergebnisse der Kommission zunächst öffentlich oder nichtöffentlich kommuniziert werde sollen.

Wir müssen einen klaren Weg finden, wie wir informiert werden.
Karlheinz Bechler, Fraktionsvorsitzender BfU/Grüne

„Wir müssen einen klaren Weg finden, wie wir informiert werden“, betonte Karlheinz Bechler (BfU/Grüne). Einerseits müsse transparent gehandelt werden, andererseits sei mit Blick auf den Datenschutz auch Fingerspitzengefühl erforderlich.

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